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Kultur als Inszenierung

01.10.2004

Im Mittelpunkt des „Schönbrunner Tourismusgesprächs 2004“ standen die neuen Herausforderungen, mit denen Kulturanbieter konfrontiert sind, und ihre Verknüpfungen mit der Tourismusbranche.

Der Wettbewerb im Kulturtourismus wird härter, auch für Österreich. Das heimische Kulturangebot steht in einem neuen und harten internationalen Wettbewerb.
Dazu kommt, dass die gekürzten öffentlichen Mittel die Kulturanbieter überall auf der Welt zu neuen Vermittlungsformen und ausgeklügelten touristischen Vermarktungsstrategien zwingen.
Vom „being“ zum „doing“
Der Tourismus mit der Kultur kann aber nur boomen, wenn man sich nicht nur auf restaurierte Gemäuer verlässt, sondern auch auf zeitgemäße Inszenierung setzt. Das Publikum will sich Kultur und Geschichte immer weniger „nur vorstellen“, sondern auch hautnah erleben. In den Royal Palaces in Großbritannien beglücken beispielsweise Theatergruppen die Besucher im Rundgang mit integrierten theatralischen Inszenierungen von Banketten und höfischen Zeremonien. Flexibilität, Agilität und Kreativität sind für Michael Day, Chief Executive der Historic Royal Palaces, wesentliche Punkte für den neuen Weg.
Dass Aktivität nützt, beweist auch das sonst beschauliche Burgenland. Im Sommer mutiert das jüngste Bundesland zur größten Open Air-Arena Österreichs und zieht in dieser Zeit, zusammen mit den aufwändigen Kulturfestivals auf alten Ritterburgen, rund 90 Prozent der Gäste in die Region.
Ein ähnlicher Effekt ist in Wien zu bemerken. Die Steigerung der Ankünfte schlägt sich bei den Besucherzahlen des Schloß Schönbrunns zu Buche. Bis Ende August erzielte man einen Zuwachs von knapp 20 Prozent und damit verbunden einen Ausbau des Marktanteils. Was für Mag. Dr. Franz Sattlecker, Geschäftsführer der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H., insofern erstaunlich ist, da die Eröffnung der Albertina, des Liechtenstein-Museums und des Museumsquartiers zumindest der Theorie nach zu einem Marktverlust hätte führen müssen. Er sieht derzeit keine Veranlassung oder Möglichkeit zur Veränderung des Produktes, ausgenommen der laufenden Renovierungen, obwohl er sich des Trends vom vielfach alles bestimmenden Inhalt hin zur Verpackung bewusst ist. Was die Gäste interessiert und woher sie ihre Informationen haben, weiß er aufgrund einer Befragung von sowohl Besuchern als auch Nichtbesuchern in Schönbrunn und der Hofburg.

Mehr als 80 Prozent sind der Meinung, dass der Besuch von Schönbrunn ein Muss ist, dicht gefolgt vom Interesse an historischen Gebäuden. Die wichtigsten Informationsquellen sind Freunde, Bekannte und die Familie, aber auch das Fernsehen und die Reiseführer. Die Erfüllung von Bedürfnissen zwecks Mundpropaganda und die gute Positionierung in Nachschlagewerken ist daher für den zukünftigen Erfolg scheinbar von eminenter Wichtigkeit.
Steigende Nachfrage verzeichnet auch Prag. Das ist für unseren Nachbarn Tschechien eine positive Entwicklung, denn durch sinkende Ausgaben der öffentlichen Hand beziehungsweise Ausgliederungen muss auch hier das erforderliche Kulturbudget zu einem immer größer werdenden Teil über eigene Einnahmen erwirtschaftet werden. Trotzdem geht man bei zwei historischen Einrichtungen bewusst in die andere Richtung. Sowohl bei der jüdischen Alt-Neuen Synagoge, die nur über einen kleinen Besichtigungsraum verfügt, als auch bei der Burg Karlstejn, mit der Hauptattraktion der goldenen Kammer, erhöhte man die Eintrittspreise um ein Vielfaches und dämmte so die Besucherflut ein.
Einbindung von Experten
Möglichst viele Besucher erhofft man sich in Wien 2006, im Mozart-Jahr. Die Vorbereitungen dafür laufen im Wien-Tourismus schon auf Hochtouren. Der Schwerpunkt wird dann von „Kunst & Genuss“ hin zur Musik verlagert. „Die Abhängigkeit des Tourismus und der kulturellen Einrichtungen von Besuchern hat die bestehenden Allianzen weiter gefestigt und die Zusammenarbeit intensiviert“, bestätigt Wien-Tourismus-Chef Mag. Karl Seitlinger. So sind neben den Fachleuten aus Tourismus, Wirtschaft und Politik auch Experten aus touristisch relevanten Kulturinstitutionen in das Tourismus-Konzept Wien 2010 eingebunden. Ziel ist es, Wiens Nächtigungen von derzeit rund 8 Millionen in den nächsten sechs Jahren auf 10 Millionen zu steigern.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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