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Kunst & Kommerz

27.11.2003

Lokale in Wiener Kunst- und Kulturinstitutionen boomen, wie die jüngste Eröffnungswelle beweist. Die Interessen von Kunst und Gastronomie lassen sich jedoch nicht immer leicht unter einen Hut bringen.

1991 war Franz Thell mit seinem Café im Friedrich Hundertwassers Kunsthaus Wien der erste Gastronom, der mehr als nur eine Besucher-Verköstigung in einem Museum anbot. Seither hat sich am Sektor „Kultur mit Gastronomie“ sehr viel getan. Heute gibt es in Wien fast keine Kulturstätte mehr, in der die Gastronomie nicht zumindest eine prominente Nebenrolle spielt. Ob im Museumsquartier (Halle, Il Museo, Café Leopold, Kantine, Glacis-Beisl), im Museum für angewandte Kunst (MAK-Café), im Burgtheater (Vestibül) oder im jüdisches Museum (Café Teitelbaum), überall spielt die Gastronomie mehr als nur eine kleine Nebenrolle.

Welle an Neueröffnungen
Alleine in den letzten Wochen haben mit dem Café Atelier in der Albertina, der S-Bar im Schauspielhaus, dem Bibliothekscafé auf der Dachterrasse in der neuen Wiener Hauptbibliothek und der Brasserie Ruben’s im Gartenpalais Liechtenstein vier neue „Kultur-Lokale“ eröffnet. Im Mai soll ein großes Do&Co-Lokal in der Albertina folgen, im September das „fürstliche Restaurant“ Ruben’s, die Brasserie ergänzen.
Was steckt hinter dieser Flut an Neueröffnungen? Sind Lokale in Museen, Theatern und anderen kulturellen Hotspots wirklich so ein viel versprechendes und lukratives Gastronomiekonzept?
Einerseits werden Gastronomen zwar mit einer tollen Location und einer hohen garantierten Frequenz gelockt. Andererseits steht für die Verpächter, also die Betreiber der Kulturinstitutionen, in der Regel die Aufwertung der eigenen Location und der Zusatzverdienst durch die Verpachtung, im Vordergrund.

Konzeptionelle Zwangsjacke
Bei der Ausschreibung von Lokalen in Kulturbetrieben gibt es in der Regel recht enge konzeptionelle Vorgaben. Der Gastronom muss dabei eine Vielzahl von unterschiedlichen Ansprüchen unter einen Hut bringen: Einerseits soll er ein toll designtes Lokal auf die Beine stellen, gleichzeitig sollen die Mitarbeiter (Künstler) recht günstig versorgt werden. Dann sollen (müssen) die Lokale besonders kinder- und familientauglich und durchgängig geöffnet sein. Diese Quadratur des Kreises gelingt manchmal, aber nicht immer. Bernd Schlacher, der neben dem Restaurant Motto auch die Halle im Museumsquartier betreibt, zeigt sich mit der neuen Location sehr zufrieden, ist sich aber bewusst, dass hier eigene Konzepte gefragt sind: „Wer hier erfolgreich sein will, muss sich auf die besonderen Gegebenheiten und die Zusammensetzung des Publikums einstellen.“
Schließlich gibt es auch einige Beispiele, wo sich das Geschäft anders entwickelt hat, als sich das die Betreiber vorgestellt haben. Sogar der heimische Vorzeigebetrieb Do&Co konnte im Schloss Schönbrunn nicht wirklich reüssieren und warf nach fünf wechselhaften Jahren, im September 1998, das Handtuch. Und auch die Wiener Secession, die 1987 mit einem Bar-Restaurant-Konzept zu den Pionieren der Kultur-Gastronomen zählte, hat 1998 endgültig zu gesperrt.

Hermie Hillebrandt, in der Secession für Veranstaltungen verantwortlich erklärt, wieso: „Die ersten Jahre waren echt toll. Dann hat sich aber der Naschmarkt enorm entwickelt und bei uns gab es einen Pächterwechsel. Der neue Pächter hat vor allem auf den Abend gesetzt, was aber unseren Gästen kaum etwas gebracht hat. In Anbtracht unserer akuten Platznot ist uns das Zusperren recht leicht gefallen.“
Franz Thell, der das Café im Kunsthaus bereits seit über zehn Jahren leitet, ist hingegen nach wie vor sehr zufrieden: „Man muss sich allerdings bewusst sein, was man macht. Man darf weder zu teuer noch zu trendig sein. Trotzdem muss man den Gästen etwas Besonderes bieten. Das schnelle Geld ist mit Kultur-Gastronomie allerdings nicht zu verdienen, das ist ein längerfristiges Projekt. Wenn das Konzept stimmt und man ein eingespieltes Team hat, ist es aber ein durchaus interessantes Geschäft.“
Wer primär Touristen und Familien anspricht und eine vernünftige Pacht verhandelt hat, befindet sich jedenfalls auf der vergleichsweise sicheren Seite. Wer primär auf Einheimische setzt, hat entsprechend mehr Konkurrenz.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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