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Yasmin Stieber-Koptik, Wolfgang Haas, Erwin Putzenbacher-Klinser, Hans-Werner Frömmel.

Lehrlingsausbildung aus eigener Hand

19.09.2017

Wolfgang Haas, der neue Geschäftsführer von Werzer’s Hotels am Wörthersee, war lange Direktor der Tourismusschulen Bad Gleichenberg. Er rät Hoteliers,Lehrlinge auszubilden und zu fördern.

Blick von Werzer’s Hotel Resort auf Wörthersee und Badehaus – im Winter.

eim Thema Mitarbeiter und Nachwuchskräfte hat Wolfgang Haas einiges zu sagen. Der frischgebackene Geschäftsführer von Werzer’s (Hotel Resort Pörtschach mit Badehaus, Hotel Velden, Hotel Wallerwirt) war lange Jahre Direktor der Tourismusschulen Bad Gleichenberg und zuvor unter anderem Marketing- und Verkaufschef sowie Hoteldirektor bei der Rosenberger-Gruppe. Heuer wollte er eigentlich in Pension gehen. Dann erreichte ihn ein Anruf von Hans-Werner Frömmel, dem Eigentümer von Werzer’s, der gerade sein Leitungsteam umgruppierte. Die Entscheidung fiel schnell. Wolfgang Haas kannte den Betrieb, er war dort öfter mit seinen Schülern im Einsatz und wohnte dort auch als Gast. Er nahm die Herausforderung an, einen gut laufenden Ganzjahresbetrieb mit 400 Betten, 55.000 Nächtigungen und 180 Mitarbeiter noch besser zu machen. Mit ihm arbeiten Yasmin Stieber-Koptik als Hoteldirektorin und Erwin Putzenbacher-Klinser als F&B-Direktor.

Stammgäste

Zu seinen wichtigsten Aufgaben zählt Haas den Ausbau als Ganzjahresdestination und die Pflege von Stammgästen. Es ist durchaus eine Besonderheit bei Werzer’s, dass die oft schon seit Generationen kommen. „Man glaubt ja gar nicht, was man bei unserem traditionellen ‚Gästecocktail‘ alles zu sehen bekommt: Die Leute zeigen uns Bilder von sich als Kind, als sie vor Jahrzehnten schon Gäste bei uns waren.“ Solch eine Bindung ist ein unbezahlbarer Schatz, der gepflegt sein will, ein Hotel aber auch vor besondere Herausforderungen stellt. 
Die größte Herausforderung auch im Werzer’s ist das Personal. „Das Wichtigste ist das Arbeitsklima, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen“, sagt Haas. „Dazu gehört eine gute Organisation der Arbeitsabläufe, ein perfektes Mise en place, damit man nicht ständig improvisieren muss. Wir stellen auch Mitarbeiterunterkünfte zur Verfügung, auch für unsere Praktikanten. Mitarbeiter dürfen unsere Infrastruktur mitbenutzen. Unsere Entlohnung liegt häufig über dem KV und wir wollen künftig verstärkt leistungsorientiert zahlen, vor allem im Management.“ Alle Mitarbeiter sollen künftig die Kärnten Card bekommen und die Gelegenheit, das Angebot ihrer Region aus eigener Anschauung kennenzulernen. Damit sie den Gästen wirklich etwas empfehlen können.

Konkurrenz

Im Winter steht man am Wörthersee in Konkurrenz mit den klassischen Skidestinationen, die besser zahlen können und wo im Winter auch das Trinkgeld lockerer sitzt. Auch Kreuzfahrtschiffe seien eine große Konkurrenz. Gerade ziehe die Eröffnung eines großen Schweizer Resorts (Bürgenstock am Vierwaldstädter See, wo der katarische Staatsfonds über 500 Mio. Franken investiert und 800 Mitarbeiter gesucht werden) „wie ein Tsunami“ durch Österreichs Hotel-Arbeitsmarkt. „Die wollen alle unsere gut ausgebildeten österreichischen Mitarbeiter!“ 
Also muss man sich selbst um die jungen Leute bemühen. Das bedeutet, Werbung für den Beruf zu machen, das schlechte öffentliche Bild zurechtzurücken. Haas versteht nicht, wenn Kollegen ihren Kindern diesen Beruf „nicht antun“ wollen. Er selbst bildet gerade elf Lehrlinge aus, sieben im Service, vier in der Küche. Das möchte er noch ausbauen. Er bietet berufspraktische Tage im Werzer’s Pörtschach, geht in die Schulen, zum Beispiel bei Projektstunden in Polytechnischen Schulen, nimmt an der Kärntner Lehrlingsmesse teil und an Freiluftveranstaltungen wie „Lehre on air“. Auch bei den ÖHV-Tagen der offenen Hoteltür ist er selbstverständlich dabei und lädt auch sonst ganze Schulklassen zur Betriebsbesichtigung mit Kurzpräsentationen der einzelnen Abteilungen. 

Lehrlingswerkstätte

Ganz neu ist „Werzer’s Lehrlingswerkstätte“: „Hier stehen die Lehrlinge und ihre Persönlichkeitsbildung im Mittelpunkt“, erklärt Haas. Sie werden im Umgang mit Stress trainiert und ihr Teamverhalten optimiert. Man ermuntert sie, bei Wettbewerben wie Amuse Bouche, Euroskills oder den Staatsmeisterschaften teilzunehmen und unterstützt sie dabei. Denn Lehrlinge brauchen Vorbilder. Mit Doris Klinser hat er eine Lehrlingsbetreuerin im Haus, die 1991 in Amsterdam Weltmeisterin im Service wurde. F&B-Direktor Erwin Putzenbacher-Klinser wurde 1989 Weltmeister im Service.
„Wichtig ist, bei den Eltern den Stellenwert des Tourismus zu stärken. Ohne deren Rückhalt ist es noch schwieriger. Auch die Werbung in den Schulen ist entscheidend, schon in der Grundschule!“, sagt Haas. „Man muss mit dieser gesamtgesellschaftlichen Situation umgehen, in der der Tourismus schlechtgeredet wird. Sonst können wir bald die steigenden Nächtigungszahlen nicht mehr bedienen.“ 
Er hat noch einen Tipp für Bewerber. Wolfgang Haas fragt gerne: „Was war Ihr größter Erfolg und Ihr größter Misserfolg? Man muss auch über Misserfolge sprechen können!“ Und er achtet darauf, wie Bewerber über ihren ehemaligen Arbeitgeber sprechen. Erfahrung ist wichtig. Wenn jemand öfter wechselt, fragt er nach den Gründen. „Auch darüber sollte man offen und ehrlich sprechen können.“

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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