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Lehrlingsmisere in der Gastronomie

22.08.2013

Die Gastronomie ist die einzige Branche, in der es mehr offene Lehrstellen gibt als Lehrplatzsuchende. Was sind die Gründe dafür, dass Jugendliche nicht im Gastgewerbe arbeiten möchten?

Mit Juli 2013 werden laut AMS 1.073 Köche, 1.135 Restaurantfachmänner/Restaurantfachfrauen und 404 Hotel- und Gastgewerbeassistenten (HGA) gesucht. Warum ist diese Branche für Jugendliche so unattraktiv?

In den letzten Jahren haben viele Betriebe weniger Lehrlinge aufgenommen. Aufgrund der fehlenden Fachkräfte scheint jetzt aber eine Trendwende stattzufinden. Wer seine Lehrlinge selber ausbildet, kann persönlich dazu beitragen, gutes Personal im eigenen Betrieb zu rekrutieren.Während Koch und HGA durchaus attraktiv und in der Statistik der häufigsten Lehrberufe weit oben zu finden sind, wird es immer schwieriger, junge Leute für den Lehrberuf Restaurantfachmann/Restaurantfachfrau zu begeistern, weiß Rudolf Komaromy, Vorsitzender der vida-Bundesfachgruppe Tourismus.

Strukturwandel

„Dies hat auch damit zu tun, dass sich generell die Struktur der Restaurants oder der Hotellerie gewandelt hat und Buffets auch von ungelernten Kräften betreut werden können." Auch die Bezahlung spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Es gibt viele Lehrberufe mit einer höheren Lehrlingsentschädigung als im Hotel- und Gastgewerbe (aktuell 591 Euro). Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Arbeitszeit. Der Lehrling darf ab 16 Jahren schon bis 23 Uhr arbeiten. „Das ist für manche nicht gerade erstrebenswert, um in diesen Beruf zu gehen", ergänzt Komaromy.

 

Aktuell sehr zufrieden mit ihren Lehrlingen zeigt sich Angelika Jensen vom Restaurant „Zum lustigen Bauern" in Zeiselmauer (NÖ): „Die beiden sind sehr engagiert, wollten diesen Beruf tatsächlich ergreifen und machen bei Lehrlingswettbewerben mit. Auch bilden sie sich privat weiter, gehen essen und schauen sich andere Betriebe an." Es sei natürlich schon so, dass man auch an Lehrlinge komme, die keine Ahnung haben, was sie überhaupt tun wollen. „Und bei manchen – das muss man einfach sagen – fehlt’s am Hausverstand. Das liegt halt an der Erziehung und am Elternhaus", so Jensen weiter. Generell würden im lustigen Bauern nur Lehrlinge ab 16 Jahren beschäftigt. Die seien schon eine Spur reifer und auch körperlich kräftiger, was in dieser anstrengenden Branche von Vorteil sei. Aber dass es in der Pubertät immer wieder mal zu Problemen komme, sei klar, das müsse jeder Lehrherr wissen.

Imageaufwertung

Neben der mangelnden Reife ist es oft auch der Fall, dass viele nur einen Übergangsjob suchen. „Das hat bei den Ausgelernten ganz bestimmt auch mit der Entlohnung zu tun, denn die ist nicht gerade sehr hoch. Einerseits gibt es die Festlöhne, aber es gibt auch den Lohn, der abhängig vom Umsatz ist. Unser Ansinnen ist es, den Lehrberuf wieder attraktiver zu machen", meint Komaromy. Auch die WKO bemüht sich um das gastgewerbliche Stiefkind und möchte das Image der Lehrberufe steigern. Daher haben die Fachverbände Gastronomie und Hotellerie im letzten Jahr die „Glücksbringer-Kampagne" ins Leben gerufen. „Zweck der Kampagne ist, die gast-gewerblichen Lehrberufe als besonders attraktiv darzustellen", so Dr. Thomas Wolf, GF Fachverband Gastronomie in der WKO. Auf der Homepage www.glücksbringer.cc können sich Lehrstellensuchende über die einzelnen Lehrberufe informieren und über eine Lehrstellenbörse bewerben. Lehrbetriebe können ihre offenen Lehrstellen kostenlos eintragen.

Perspektiven bieten

Die Wichtigkeit der Lehrlingsausbildung hat auch die Systemgastronomie erkannt. „McDonald’s hat eine eigene Lehrlingsakademie aufgemacht und überhaupt keine Problem damit, Lehrlinge zu bekommen. Sie zahlen mehr als den normalen Kollektivvertragslohn, auch die Lehrlings-entschädigungen sind höher als in der normalen Gastronomie (1. Lehrjahr 695 Euro, im 2. Lehrjahr 762 Euro und im 3. Lehrjahr 968 Euro). McDonald’s bietet ein eigenes Ausbildungsprogramm an, bei dem Wert auf Management gelegt wird. Damit gibt es für die jungen Leute Perspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten", berichtet Rudolf Komaromy.


Text: ÖGZ-Redaktion

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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