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Lehrlingsrecruiting: Ein Weg aus der Misere?

30.11.2016

Es wird immer schwieriger, guten Nachwuchs zu finden. Darum werden sich Betriebe künftig stärker im Lehrlingsrecruiting engagieren müssen

Aus dem wird noch mal was, scheint der strenge Lehrherr auf diesem Foto zu denken.

Wer mit Betrieben im Tourismus spricht, erfährt, dass die Zeiten hart sind. Und es stimmt: Die Herausforderungen, denen sich die Branche stellen muss, sind groß. Eine davon ist wirklich existenzbedrohend: der immer größer werdende Mangel an gutem und motiviertem Nachwuchs. 

Die aktuelle Situation stellt eine Melange aus verschiedenen Zutaten dar. So stehen insgesamt deutlich weniger Jugendliche zur Verfügung als noch vor einigen Jahren. Dazu kommt die Konkurrenz der Schulen. Gerade für Fachhochschulen hängen Finanzierung und Existenz direkt an der Schüleranzahl. Die Absolventen verschärfen dann das Problem zusätzlich, denn die erwarten Führungsjobs. Klar, ihren Eltern wurde das auch als Argument für die Schulgebühren verkauft. Yasmin Aziz-Trebesiner von der Verkehrsbüro-Gruppe: „Pro Jahr haben wir rund 200 Absolventen an den Fachhochschulen. Gleichzeitig fehlen uns aber die Mitarbeiter an der Basis.“ 

Realistisches Bild

Dazu kommen hippe Trends, die auf den zweiten Blick wenig nützlich sind. Fernsehköche wie Jamie Oliver zeigen, wie cool Kochen ist. Nur leider hat das wenig mit der Realität einer Hotelküche zu tun – die Unzufriedenheit ist also vorprogrammiert. Auch die Ausbildungspflicht macht vielen zu schaffen. In Zukunft drängen wohl verstärkt Menschen in Ausbildungen, die eine solche gar nicht absolvieren wollen. Und die Gastronomie ist ein Bereich, in dem manche glauben, dass es auch mit niederen Qualifikationen noch reicht. Es gilt also, ein realistisches Bild an Jugendliche und deren Eltern zu vermitteln. Denn Berufe im Tourismus bieten sehr gute Berufsaussichten. Wie ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer anlässlich des Tages der offenen Hoteltür betonte: „Die Top-Hotels stellen in den nächsten Jahren noch mehr Mitarbeiter ein. Und das ist ziemlich einzigartig.“ Und auch für Jugendliche, die gerne im Ausland arbeiten möchten, gibt es kaum eine bessere Grundlage.

Die Herausforderung ist, diese Informationen an die Zielgruppe zu bringen. Wenn man recherchiert, wie viele Medien außerhalb der Branche über den Tag der offenen Hoteltür berichtet haben, ergibt das eine überschaubare Liste. Auch so manchen Lehrlingswettbewerb kennt außerhalb der Branche so gut wie niemand. Vielleicht liegt es daran, dass die Geschichten nicht spannend genug sind. 

Erfolgsstorys erzählen

Dabei würde sich gerade diese Branche anbieten, um tolle Erfolgsstorys zu erzählen. Weltweit engagieren Hotels und Restaurants mit Vorliebe Fachkräfte aus Österreich. Wenn beispielsweise Starkoch Wolfgang Puck erzählt, dass seine Grundbasis eine Kochlehre war, erreicht man wahrscheinlich mehr als mit noch so vielen Brancheninitiativen. 

In diesem Zusammenhang könnte man auch Alumni-Netzwerke ehemaliger Lehrlinge gründen. Nicht zufällig erzählt jede Hochschule, die etwas auf sich hält, wer alles an ihr promoviert hat. 
Auch dabei geht es um einen unbestrittenen Marketingleitsatz: „Don’t sell them a product, tell them a story.“ Aber wer sorgt dafür, dass Menschen dann informiert werden, wenn sie gerade rundum zufrieden sind? Was spricht gegen einen Infofolder über Karrierechancen beim Überreichen der Rechnung nach einem Sonntagsbrunch? So kommt die Information direkt zur Zielgruppe, ohne dass die Zielgruppe zur Information kommen muss. Denn der Tourismus bietet Chancen wie kaum eine andere Branche. Sorgen Sie dafür, dass auch Ihre Kunden das wissen.

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