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Leitfaden durch den Strompreisdschungel

20.12.2007

Wie ein üppig wuchernder Urwald präsentieren sich Österreichs Stromanbieter nach der Liberalisierung des Strompreises. Für den Kunden ist es oft schwierig, sich zurechtzufinden. Wie sieht es nun für die Gastronomie- und Hotelleriebranche aus?

Allen Daten und Fakten vorweg sei eines fest gehalten: Ein einfacher Vergleich zwischen den Stromtarifen der österreichischen Anbieter, ein Überblick auf einen Blick sozusagen, war für die Autorin dieses Berichts leider nicht zu schaffen. Zu unterschiedlich sind die Leistungskomponenten der Stromanbieter aufgestellt.

Es finden sich Parallelen – etwa der Verbrauch von mehr als 100.000 kWh als Messlatte, die bei den meisten Anbietern für individuelle Vereinbarungen eingezogen ist. Auch sind Gastronomie und Hotellerie im Regelfall keine Kundentypen, die zu branchenspezifischen Sonderkonditionen Zugang hätte – außer als Mitglied von Strompools, wie sie hogast, ögs oder Wirtschaftskammern anbieten. Unterm Strich bleibt – so meinen wir – dennoch ein halbwegs transparenter Einblick in eine Vielzahl von Angeboten, die es für gewerbliche Abnehmer gibt.

Energie AG Oberösterreich: Dr. Hans Zeinhofer von der Energie AG (Oberösterreich) erklärt, dass bei allen Gastronomie- und Hotelleriebetrieben mit einem Verbrauch über 100.000 kWh eine Lastprofilmessung durchgeführt wird und anschließend eine für die jeweilige Verbrauchersituation passende Vereinbarung getroffen wird. Der Energiespezialist aus Oberösterreich fügt hinzu: „Je länger die Vertragslaufzeit, desto günstiger fällt der Tarif für den Kunden aus und desto weniger spürt er Preiserhöhungen.“ Unter einem Jahresverbrauch von 100.000 kWh gilt der Standardpreis für Gewerbetriebe.

Energie Allianz Austria: Unter dem Dach der EAA haben sich EVN, Wien Strom und BEWAG als Angebotsgruppe zusammengeschlossen. Je nach Zielgruppe, Verbrauchsverhalten und Vertragslaufzeiten bieten die EAA-Stromversorger maßgeschneiderte Energiepreisprodukte an, wie Stefan Zach, Pressesprecher von EVN, erklärt: „Sehr gut angenommen wird die Energieberatung, speziell Energieberichte, auf Basis derer der Kunde oft schon mit einfachen Maßnahmen seinen Energieverbrauch ohne Komfortverlust deutlich senken kann. Zunehmendes Interesse besteht von besonders umweltbewussten Gastronomie- und Hotelleriebetrieben an Ökostrom.“ Zur Auswahl stehen drei Tariftypen. Für Kleinbetriebe wie zum Beispiel Imbisslokale oder Stehcafés gilt der MEGA-Tarif. Bei mittelgroßen Unternehmen wie kleinere Restaurants, Cafés, Bars oder Pensionen kommt der GIGA-Tarif und bei Großbetrieben wie große Restaurants, Pizzerias oder Hotels der VARIO-Tarif zur Anwendung. Die Tarife unterscheiden sich je nach Laufzeit und Saison. Bei großen Abnehmern wird überhaupt ein individuelles Paket ausverhandelt. Wer schließlich auf Naturstrom, der ausschließlich aus Kleinwasserkraft und Ökostromanlagen gespeist wird, Wert legt, ist beim NaturStrom-Tarif richtig aufgehoben. Dafür muss er allerdings sowohl einen Grundpreis bezahlen als auch pro kWh mehr berappen. Abgesehen vom individuellen VARIO-Tarif streckt sich das Preisband von 8,3430 bis 6,2830 Cent/kWh.

Energie Steiermark: In der Steiermark hat die Gastronomie einen besonderen Stellenwert, wie Mag. (FH) Urs Harnik-Lauris, Leiter der Konzernkommunikation von Energie Steiermark, betont: „Die enge Kooperation mit der Gastronomie ist nicht nur Teil des Tagesgeschäftes, sondern eine Partnerschaft, die wir bewusst pflegen. Dabei steht vor allem die Beratung betreffend die Optimierung des Lastverhaltens meist im Vordergrund. Unsere Kundenbetreuer bemühen sich vor Ort um eine an die individuellen Wünsche angepasste Energielösung, die auch dem Geschäftsmodell des jeweiligen Gastronomen entspricht. Aufgrund des hohen Individualisierungsgrades und unterschiedlicher Anforderungsprofile unserer Kunden sind wir stets um flexible Lösungen bemüht.“

Kelag: Ein laut Firmeneinschätzung hoher Stellenwert wird Kunden aus dem Tourismusbereich in Kärnten eingeräumt. In Zusammenarbeit mit hogast und größeren Hotelketten erstellt die KELAG spezielle Angebote abhängig von der Auslastung. Das Preismodell ist individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten. Kunden mit einem Stromverbrauch unter 100.000 Kilowattstunden steht das Kelag-PRO-Paket und das Kelag- DUO-Paket zur Auswahl. Bei beiden fällt ein Grundpreis an. Die Preise variieren zwischen 7,896 Cent/kWh und 4,9506 Cent/kWh.

Salzburg AG: Auch bei der Salzburg AG hat der Gastronomie- und Hotelleriebereich einen sehr hohen Stellenwert. Nach eigenen Angaben werden 99 Prozent der Branchenbetriebe, das sind rund 5.000, von der Salzburg AG versorgt. Ein wesentlicher Faktor in Salzburg ist die Zusammenarbeit mit der Firma hogast, die als gemeinsamer Einkäufer für einen großen Teil der Gastronomie und Hotelleriebetriebe auftritt. Hier werden die Preise je nach Verbrauchskategorien und Größenordnung angeboten. Ein weiterer wichtiger Partner im Gastronomiebereich ist die Firma ögs. Für die einzelbelieferten Hotellerie- und Gastronomiebetriebe in Salzburg wird ein auf den jeweiligen Betrieb je nach Verbrauchsverhalten abgestimmter Preis geboten. Kleinere Betriebe mit einem Jahresverbrauch unter 100.000 kWh werden mit drei Standardtarifen bedient. Alle drei sind mit einem Grundentgelt verbunden. Das Preisband pro kWh streckt sich von 7,8420 Cent bis 7,1420 Cent pro kWh. Pressesprecher Sigi Kämmerer unterstreicht: „Rund 90 % der an die Endkunden abgegebenen Energie stammt aus Wasserkraft oder Ökoenergie! Ein Umstand, der gerade in einem Tourismusland wie Salzburg, das von der schönen Umgebung lebt, von hoher Bedeutung ist!“

Tiroler Wasserkraft: In Tirol, dem österreichischen Tourismusland Nummer 1, hat das Stromkundensegment Gastronomie- und Hotellerie naturgemäß einen besonderen Stellenwert. Die Mitglieder der Sparte Gastronomie- und Hotellerie werden fast vollständig direkt oder indirekt mit Strom der Tiroler Wasserkraft versorgt. Im Zuge der Marktöffnung wurden erstmals die Energie-Produkte für die Kunden aus den Tiroler Tourismusbereichen gemeinsam mit Kunden sowie Vertretern der Tiroler Wirtschaftskammer entwickelt. Helmut Kettner von der TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG betont: „Wer die Dynamik im Tiroler Gastronomie- und Hotelleriebereich kennt, weiß, dass die Strompreisgestaltung ein permanent laufender Prozess der Anpassung und Weiterentwicklung ist. Um den Ansprüchen dieser Klientel gerecht zu werden, gibt es für sie maßgeschneiderte Angebote.“

Verbund Strom: Verbund Strom ist in ganz Österreich verfügbar. Die Preise sind nach Verbrauchsgrößen segmentiert. Dabei agiert Verbund Strom als Hecht im Karpfenteich. Das Preisband erstreckt sich von 6,36 Cent bis 4,40 Cent pro kWh; Für Betriebe mit einem Verbrauch über 100.000 Kilowattstunden pro Jahr wird der Preis individuell kalkuliert.

vkw: Andreas Neuhauser, Leiter des Bereichs Kommunikation der illwerke vkw, Vorarlberg, berichtet über Kooperationen: Beliefert werden die Hotel- und Gastronomiebetriebe über die hogast sowie über den Hotel-Gastro-Pool. Basis hierfür sind die speziell an das Verbrauchsprofil der Hotel- und Gastronomiebetriebe angepassten Energiepreise sowie Beratungsdienstleistungen in Bezug auf einen möglichst effizienten Einsatz von Elektrogeräten.“

Alternativen
Neben den großen Versorgern in den Bundesländern steht eine Reihe spezialisierter oder regionaler Anbieter im Einsatz.

oekostrom AG: Strom zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energieträgern, also kein fossil erzeugter Strom und kein Atomstrom, bietet die oekostrom AG in Wien, die Träger des österreichischen Umweltabzeichens „Grüner Strom“ sind. Der Tarif für den Gastronomie- und Hotelleriebereich beträgt 7,2 Cent pro kWh.
IKB: Die Innsbrucker Kommunalbetriebe AG (IKB) beliefert, so Manfred Kiechl, Bereichsleiter für Strom „derzeit ca. 500 Gastronomie- und Hotelleriebetriebe mit elektrischer Energie. Bei einem Verbrauch bis 15.000 kWh gilt der sogenannte StadtundStrom BUSINESS Tarif. Großkunden mit einem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 300.000 kWh erhalten ein tagesaktuelles Angebot.

Energie Klagenfurt GmbH: In Klagenfurt am Wörthersee mit seinen zahlreichen Hotel- und Gastronomiebetrieben besitzt diese Kundengruppe bei der Energie Klagenfurt GmbH einen hohen Stellenwert. Die Produkte sind allerdings nicht nur auf den Strompreis bezogen, sondern beinhalten umfassende Serviceleistungen.
Diese Strompreise werden mit dem Kunden meist individuell vereinbart. Die Kundenbetreuer stehen deshalb mit unseren Kunden laufend in Kontakt. Das „Rund-um-Sorglos“-Paket für die Gastronomie werde aus diesem Grund auch sehr gut angenommen.

Energie Graz: Energie Graz bietet aufgrund der unterschiedlichen Bedarfsstruktur für den Kundenkreis aus dem Bereich Tourismus kein Standard-Tarifmodell an. Die Preisgestaltung erfolgt individuell und abgestimmt auf das jeweilige Verbraucherverhalten. Dr. Stefan Altenhofer, Vertriebsleiter von Energie Graz, betont: „Das Stadtbild von Graz als Kulturhauptstadt 2003 ist geprägt von einer Gastronomiekultur, die ihresgleichen sucht. Hotellerie und Gastronomie gehören für den lokalen Energiedienstleister Energie Graz zu den absoluten Schlüsselkunden.“

Wels Strom: Die Wels Strom GmbH ist ein regionaler Energieversorger in Wels und Thalheim sowie einigen Nachbargemeinden, wo auch viele Hotels und Gastronomiebetriebe ansässig sind. Betriebe mit einer Verbrauchsmenge von bis zu 100.000 kWh können aus zwei unterschiedlichen Gewerbestrommodellen wählen. Für Verbraucher bis 12.000 kWh wird Profi Strom Lokal angeboten, darüber wird XL-Profi-Plus empfohlen. Das Produkt Profi Strom Lokal hat einen Produktmix aus 100 % Welser Wasserkraft. XL- Profi-Plus besteht zu 75 % aus Wasserkraft und Ökostrom. Für Verbraucher über 100.000 Kilowattstunden wird ein individuelles Paket geschnürt.

hogast und ögs
Die beiden Dienstleistungsunternehmen der Tourismuswirtschaft sind in den Leistungsangeboten schon verschiedentlich aufgetaucht. Die Wachstumsraten des hogast-Strompools betrugen in den letzten Jahren 20 bis 30 Prozent. „Die Gründe dafür sind einerseits die durch den Ausbau über dem österreichischen Schnitt liegenden Stromverbrauchszuwächse der Hotellerie und die sehr attraktiven Preise des hogast-Strompools“, erläutert Waltraud Huetz-Ebner von hogast.
Die von hogast über den Strompool versorgte Menge hat 2006 550 GWh betragen. Eng an den hogast-Strompool angekoppelt sind die Strompools für die weiteren hogast-Konzerngesellschaften Hotel Gastro Pool GmbH, HandOver-Beschaffungs- und Dienstleistungs- GmbH mit einem Gesamtverbrauch von nochmals ca. 25 GWH.
Die ögs bietet ihren Mitgliedsbetrieben exklusiv die Teilnahme am ögs-Strompool an. 40 % der ögs-Mitgliedsbetriebe sind auch tatsächlich Poolmitglieder. Poolverwalter ist die LPV Energiemanagement GmbH, welche österreichweit neben ÖGS namhafte Großkunden betreut. Bis 2009 sind die Preise im Strompool bei der Salzburg AG fix verhandelt.
Das Einsparungspotenzial für die Mitglieder liegt bei jährlich bis zu 20 Prozent.

Die Kammern
Strompools mit begünstigten Tarifen bieten auch die Wirtschaftskammern in den Bundesländern ihren Mitglieder an.
Die angegebenen Preise sind ausschließlich Energiepreise, gesetzlich vorgeschriebene Netzkosten, Steuern und Abgaben sind nicht berücksichtigt. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit der recherchierten Anbieter und Angaben.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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