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Lernen oder buckeln?

07.07.2004

Eine aktuelle Studie untersucht die Erfahrungen von Tourismuschülern mit ihrer Ferialpraxis. Im Großen und Ganzen sind Schüler und Betriebe zufrieden. Verbesserungsmöglichkeiten gibt es dennoch.

An den heimischen Tourismusschulen ist neben dem regulären Schulunterricht auch eine Ferialpraxis in Tourismusbetrieben verpflichtend vorgeschrieben.
Nun wurde erstmals mit einer Studie untersucht, wie sich diese Praktika aus Sicht der Schüler darstellen. Michael Ruckenstuhl hat an der Tourismusschule Wien 21 im Rahmen einer fachspezifischen Arbeit mittels eines Fragebogens die Schüler aller 3., 4. und 5. Klassen aller fünfjährigen Tourismusschulen (also HLT und HLW) befragt, wie sie verschiedene Aspekte der Ferialpraxis einschätzen. Die Arbeit wurde von Online-Job-Börse Gastrojobs.at beauftragt und von DDr. Harald Richar betreut.
Im Großen und Ganzen eine zufriedenstellende Situation
Von den knapp 7.000 über das Unterrichtsministerium ausgeschickten Fragebögen wurden 1.257 Fragebögen retourniert, womit man doch von einer gewissen Repräsentativität der Daten ausgehen kann. Nur aus den Bundesländern Steiermark, Tirol und Kärnten war der Rücklauf eher bescheiden.
In punkto Angemessenheit der Bezahlung und Pünktlichkeit der Lohnauszahlung war ein überwältigender Teil der Befragten zufrieden bis sehr zufrieden. Knapp die Hälfte der Befragten (518) verdienten zwischen 400 E und 600 E, 254 Praktikanten konnten sich über eine Entschädigung zwischen 600 E und 800 E freuen und 221 Praktikanten gingen sogar mit mehr als 800 E in der Lohntüte nach Hause.
Weniger als 200 E verdienten 19 der Befragten, 193 Praktikanten kamen auf einen Lohn zwischen 200 E und 400 E.
Knapp zwei Drittel der Praktikanten (733) absolvierten ihr Praktikum in einem Hotel, ein Viertel (313) in einem Restaurant. Cafés (59), Bars (37) oder Reisebüros (107) spielten nur eine untergeordnete Rolle.
In Hotels und Restaurants kommen Praktikanten primär im Service zum Einsatz. Das hat auch klare, leicht nachvollziehbare Gründe. „Eine Ferialpraxis in der Küche bringt weder dem Praktikanten noch dem Betrieb etwas, weil als mehr oder weniger ungelernte Hilfskraft kann er eigentlich nur Hilfstätigkei-
ten verrichten. Da lernt der Praktikant dann nichts und wäre rasch frustriert“, so KR Anton Wrann von der Alten Post in Velden.
„Um an der Rezeption oder im Backoffice zu arbeiten, ist die Zeit der Praktika in der Regel zu kurz“, erklärt Hans Melcher, Obmann des Fachverbands Hottelerie. „Bei uns helfen Praktikanten, die über entsprechende Sprachkenntnisse verfügen, immer wieder an der Rezeption aus“, so Axel Pfefferkorn vom Hotel Pfefferkorns in Lech (siehe auch Stimmungsbarometer auf Seite 2) Trotz des unvermeidlichen Spannungsverhältnis zwischen „Learning by Doing“ und tatsächliche Hilfestellung für den Betrieb scheinen die meisten Betriebe eine vernünftige Balance zu finden. Laut Studie (siehe Grafik rechts unten) bewerteten 784 Praktikanten ihre Tätigkeit als „sehr“ oder „eher“ anspruchsvoll. Und auch die Bewertung „normal“, mit der 318 Personen den Anspruch ihrer Tätigkeit beschrieben, scheint ein noch durchaus akzeptabler Wert zu sein. Die Anzahl der Praktikanten, die ihre Tätigkeit als weniger bzw. gar nicht anspruchsvoll beschrieben, ist mit 91 bzw. 60 Nennungen wirklich niedrig.
Was die Vorbereitung durch die Schule betrifft, waren die Praktikanten (laut Selbsteinschätzung) für Service und Küche gut vorbereitet. Lediglich im Bereich Rezeption zeigt sich, dass die Ausbildung verbesserungsfähig ist.
Für Markus Kleemann von Gastrojobs.at zeigt die Studie jedenfalls, dass nicht nur die Betriebe sondern auch die Schüler mit ihren Ferialpraktika zufrieden sind. „Trotzdem starten viele Absolventen ihre Karriere in einer anderen Wirtschaftsbranche. Wir werden dieser Frage weiter nachgehen, weil die Arbeitsmarktsituation in der Tourismuswirtschaft weiter angespannt ist“, so Kleemann.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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