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Licht und Schatten

10.03.2006

Toni Mörwald geht mit viel Zuversicht, saniert und mit einem neuen Finanzinvestor ins Jahr 2006.

Das Verhältnis von Toni Mörwald zu den Medien erscheint derzeit gespalten. Auf der einen Seite haben sie ihn großzügig begleitet auf seinem Weg vom kleinen Gastronomen aus Feuersbrunn bis hin zum Star unter Österreichs Top-Gastronomen.
362 Artikel in einem Monat
Auf der anderen Seite haben sie freilich keine Gelegenheit ausgelassen, die Probleme, die auf seinem Weg zum Ruhm auftauchten, gnadenlos auszuschlachten. „Das Institut für Markentechnik in Genf hat allein in der Zeit vom 15. 11. bis 15. 12. 2005 ganze 362 Medienberichte in In- und Ausland gezählt, die sich mit der Firma Mörwald befasst haben“, erzählt der Gastronom. Das Positive daran: Die Marke, die er um sich aufgebaut hat, verfügt augenscheinlich über eine hohe Bekanntheit und Emotionalität. Das Negative: die Inhalte der Berichterstattung. Sie sagten Mörwald die finanzielle Pleite nach, spekulierten über eine unlautere Beschaffung von Förderungsmittel und verwickelten ihn zum Drüberstreuen in regionalpolitische Machenschaften.
Und diese negative Artikelflut vermieste vielen Gäste den Besuch eines Mörwald-Restaurants und zog damit einen unmittelbaren wirtschaftlichen Schaden nach sich.
Ein zentrales Thema, mit dem sich die Journalisten befassten: Um der Pleite zu entgehen, hätte Mörwald seine Beziehungen genutzt und würde vom Land einen Zuschuss in Höhe von 700.000 E erhalten.
„Da ist kein wahres Wort dran. Wir haben bei der Landesregierung nie um eine Förderung angesucht“, versichert Mörwald.
Das Einzige, worüber mit dem Land verhandelt wurde, so ein Insider, war ein Zinsstützungskredit in Höhe von 250.000 E, und der sei zu so unattraktiven Konditionen angeboten worden, dass man dankend abgelehnt hätte.
Auch den überbordenden Schuldenstand seines Unternehmens relativiert Toni Mörwald. „Wie wir alle wissen, gibt es in Gastronomie und Hotellerie einen sehr hohen Verschuldungsgrad von 100 Prozent und mehr“, so der Gastro-Tausendsassa. Bei ihm hätten die Außenstände weit unter dem Branchendurchschnitt gelegen.
Neue Gerüchte
Und nunmehr also die neuesten Mörwald-Berichte in Format und Kurier. Sie vermelden einen Finanzpartner, der bei Mörwald eingestiegen sei, sodass dessen Finanzprobleme nunmehr vom Tisch seien. Von BA-CA bis zu Frank Stronach reichen die Spekulationen über den ominösen Geldgeber, in Gerüchten taucht gar Wiens Bürgermeister Häupl als Geldvermittler auf.
Toni Mörwald selbst bestätigt den Einstieg eines Finanzinvestors, dementiert aber alle in den Medien genannten Namen und gibt sich darüber hinaus wortkarg.
Jahr der Sanierung
Fakt ist, dass es im Vorjahr für die Mörwald Holding mit ihren Unternehmensschienen von der Haubengastronomie über die m.-Linie bis hin zum Catering tatsächlich raschen Handlungsbedarf gegeben hat. 2004 hatte Mörwald ein tief rotes Ergebnis geschrieben. Die Schulden stiegen. Und so forderte seine Hausbank Hypo-NÖ ein Sanierungskonzept von ihm ein. Da tat Mörwald einen Glücksgriff. Er engagierte den ehemaligen Schlumberger-Vorstand Josef Karner als Berater.
Dieser leitete in den vergangenen Monaten eine Reihe von Sanierungsmaßnahmen ein. Das von Mörwald betriebene Nescafé in der Kärntner Straße wurde ebenso aufgegeben wie das Restaurant in Grafenegg. Man stieg beim Personalstand und beim Wareneinsatz auf die Bremse. Das bemerkenswerte Resultat: Mörwald schrieb 2005 wieder schwarze Zahlen, war somit operativ saniert – und der Weg stand frei, einen Finanzinvestor ins Boot zu holen.
Geradezu maßgeschneidert für solche Projekte scheint die Lead Equities Unternehmensberatungs- und Beteiligungs AG. Als Private Equity Fonds investiert sie in mittelständische Unternehmen der Old Economy und stellt Eigenkapital zur Finanzierung von Unternehmenswachstum zur Verfügung. Dieser Fonds hält nun 51 % der Mörwald Holding. Unter dem neuen Mehrheitseigentümer zeichnet Toni Mörwald weiterhin für die Geschäftsführung verantwortlich und kann sich seinen aktuellen Plänen widmen. „Wir haben in den einzelnen Unternehmensbereichen ein hervorragendes Team, mit dem wir wie bisher das Geschäft konsequent auf unserer Marke aufbauen und weiter entwickeln werden“, kündigt Mörwald an.
Ein Schwerpunkt für die Zukunft ist zudem die Kochschule. Eine echte Schlüsselrolle in der Firmenentwicklung könnte dem Catering zukommen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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