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„Liquid Market“: Ein Befreiungs-Shake für die Bar-Szene

13.08.2020

Dass nach langem Hin und Her das Cocktail-Festival doch als Open Air stattfinden konnte, macht der Nachgastronomie etwas Hoffnung. Zwei ausverkaufte Tage gaben den Organisatoren recht. Mit Diashow!

Müde, aber dankbar fasste Mastermind Bert Jachmann unmittelbar nach dem Ende des dreitägigen Wiener Cocktail-Fests „Liquid Market“ seine Emotionen zusammen: „Wir danken allen Bars, Partnern und allen Gästen, dass wir gemeinsam einen so schönen und entspannten Markt feiern durften“. Die Corona-bedingte Odyssee seines Festivals hinterließ auch bei der Frohnatur, die früher im „Volksgarten“, „Fabio’s“ oder „heuer“ hinter der Bar stand, Spuren. Erst stand die komplette Absage des mittlerweile in ganz Mitteleuropa etablierten „Liquid Market“ im Raum. Dann stand eine Variante mit fixen Zeiten für die Besucher in den leeren Suiten des Hotel „Andaz“ im Raum. Auch Tickets dafür wurden bereits verkauft.

Neue Location

Zehn Tage vor dieser „Mini-Bar“-Version zog Jachmann die Reißleine und verlegte den Event in das ehemalige Sophien-Spital, wo normaler Weise die Foodtrucks von „Wild im West“ für gastronomische Experimente sorgen. Tatsächlich erwies sich die neue Location als echter Glücksgriff: Mit Ausnahme der Warteschlagen bei den wenigen Toiletten kamen sich die Gäste nie zu nahe auf dem weitläufigen Areal. Dafür bot das Set-up auch kleineren Unternehmen die Möglichkeit zur Präsentation. Zwischen den 35 Bars bekamen auch Start ups viel mehr Aufmerksamkeit: Mario Nestlehner etwa stellte seinen Barutensilien aus Bambus („bambam“) vor, während die Salzburger Aktivisten von „Damn Plastic“ weitere nachwachsende Alternativen für den  Mix-Alltag präsentierten.

Anspruch und Alltagsflucht zugleich

„Ausverkauft“ an zwei der drei Veranstaltungstage bedeutete jeweils 1.000 Besucher, die sich von der Lebensfreude der Bars anstecken ließen, die auch aus München („Zephyr“), Linz („Frau Dietrich“) oder Salzburg („Darwin’s“) ins Sophienspital gekommen waren. Die Drink-Kreationen, das ergab der Lokalaugenschein der ÖGZ, waren jedenfalls schon lange nicht so elaboriert wie heuer. Mit einem simplen Highball als flüssiger Visitenkarte wollte sich im stressfreien, „kleinen“ Rahmen keine der Bars präsentieren.

Das vielleicht kräftigste Lebenszeichen aber gab das „Tiki-Dorf“, das nach fünf Monaten ohne live ausgetragenen Cocktail-Bewerb diese Säule des modernen Bartendings wieder zurück zu den Gästen brachte. Julia Kub und Markus Altrichter vom Veranstalter „Oldjudge“ konnte dazu sogar deutsche Barprofis begrüßen – den Sieg allerdings holte sich der Lokalmatador Marcel Katzer („Moby Dick“). Und in unsicheren Zeiten bekam sogar sein Preis Symbolcharakter: Ein 1.000 Euro-Reisegutschein, den Markus Altrichter mit den Worten überreichte: „Wenn das halt wieder möglich ist“.

Autor/in:
Roland Graf
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