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Lob und Tadel: Multikulti-Service in London

18.12.2014

Mitten in Soho gibt es ein lustiges Lokal, das heißt wagamama. Es serviert japanisches Essen jenseits des Mainstreams. Es gibt davon in UK viele, sie sehen alle gleich aus: Eine Halle mit Tischen und Bänken, weiße Wände, also an Schlichtheit nicht zu überbieten. Das Essen ist leicht exotisch, gut und leistbar. Das Besondere ist der Service. Ich kenne die vielen anderen wagamamas nicht (allein in London gibt es noch zwei), aber der Laden in Soho lebt eindeutig von seinem Personal. Die eine Kellnerin war eine Punkerin mit Nasenring, ihr Kollege ein lässiger Typ mit osteuropäischen Akzent und lustigem Hut. Ein anderer ist schwarz und muskelbestückt, eine Asiatin trägt ein schrilles grellgrünes Kleid aus lauter Plastikstückchen, ihr Gegenstück ist ein elfenartiges blasses Mädel, offenbar aber kräftig genug, um in Windeseile die Teller heranzuschleppen. Eine übergewichtige tätowierte Britin scheint so etwas wie die Chefin zu sein, sie trägt eine dezente Freisprechanlage am Kopf.
Alle sind extrem freundlich, flink und wirken im Gespräch sehr kompetent. Sie erklären dem Erstbesucher aus dem Ausland geduldig die Welt von wagamama. Denn da stehen schon Sachen und Kombinationen auf der Karte, die man so und auf Englisch noch nicht gehört hat.
Machen die ein Casting, bevor sie ihre Leute anstellen? Muss man ein leichter Freak sein, um hier bedienen zu dürfen? Obwohl die britische Chefin ist sicher kein Freak. Und die anderen sind sicher auch ganz normale Briten. So ist das eben im neuen Britannien: Während die einen um ihr Englischsein fürchten, freuen sich die anderen über gelebte Multikulturalität.
t.vierich@wirtschaftsverlag.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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