Direkt zum Inhalt

Lob und Tadel: Winterurlaub in den Alpen: Realsatire?

02.03.2016

Wie realistisch war bzw. ist Felix Mitterers "Piefke Saga"? Der Chefredakteur des Wirtschaftsverlags, Stefan Böck, meint: Den Wahrheitsgehalt des vierten Teils, der vor 25 Jahren in der Zukunft spielte, kann man erst heute erfassen, wenn man in den österreichischen Alpen auf Skiurlaub fährt.

Dieser Tage feiert die „Piefke-Saga“ ihr 25-jähriges Jubiläum. Der TV-Vierteiler von Felix Mitterer hat damals für Aufsehen gesorgt, heute genießt er Kultstatus, unter Einheimischen und Piefkes gleichermaßen. Am heftigsten wurde die vierte Folge der Serie diskutiert, die Mitterer 1993 nachgereicht hat und die in einem fiktiven Tirol der Zukunft angesiedelt ist. Die norddeutsche Familie Sattmann trifft dabei auf ein komplett künstliches Land, die Berge sind aus Müll, die Kühe aus Plastik, überall ertönt Schunkelmusik übelster Sorte und tumbe Einheimische grinsen künstlich lächelnd aus ihrer Einheitstracht. Damit, so der Kommentar vieler Zuseher, habe Mitterer übers Ziel hinausgeschossen: Eine derart durchgeknallte Horrorvorstellung sei wirklich zu absurd. Zu absurd? Ich behaupte, ein Skiurlaub mit Familie im Jahr 2016 kommt dieser Vision recht nahe. 100 Prozent Kunstschnee zwischen braunen Wiesen, Volksmusikgedudel in der Seilbahn, Plastikkühe am Rand des künstlichen Sees, Reklametafeln und Bildschirme, wohin man schaut. Im Tal donnert der LKW-Verkehr und bringt das Fertigessen aus der Fabrik in die Hotels und zu den Gasthöfen. McDonald’s im Tal, Burger auf der Hütte, serviert von sächselnden Kellnern in Pseudotracht. Die Speisekarte eine Convenience-Orgie, egal ob Pommes, Schnitzel, Knödel oder Apfelstrudel: Es kommt praktisch alles aus der Packung.
Felix Mitterer hat in der Serie auch den immensen Druck, der auf den Gastronomen, Hoteliers und Gemeinden lastet, aufgezeigt. Bankkredit, Bettenauslastung, Gästebespaßung, Alkohol, Größenwahn und Wachstum um jeden Preis bringen seine Figuren an den Rand des Wahnsinns. Auch daran hat sich wohl wenig geändert. Ein Lob deshalb allen Regionen, Hoteliers und Gastronomen, die auf die Bremse steigen, nachdenken und innovative, sanfte, langsame und ursprüngliche Konzepte verwirklichen.

s.boeck@wirtschaftsverlag.a

t

Autor/in:
Stefan Böck
Werbung

Weiterführende Themen

Das Panorama von Sillian.
Tourismus
03.10.2019

Ein Blick hinter die Kulissen von zwei benachbarten Osttiroler Gemeinden zeigt auf, wie unterschiedlich sich die Besitzerstruktur im Tourismus entwickeln kann.

 

Die einzelnen Proben wurden vorab nummeriert, anschließend verkostet und schließlich von der Expertin bewertet.
Gastronomie
26.09.2019

Topfen ist Everybody’s Darling. Kein Kaffeesieder, kein Gastwirt, der nicht das eine oder andere süße Topfenprodukt auf der Karte stehen hat. Wir haben uns durch zehn TK-Fertigprodukte gekostet – ...

Tourismus
26.09.2019

Von Alibaba bis Tencent: Unser Experte Florian Größwang von der ÖW durfte als Teil einer österreichischen Delegation einen Blick hinter die Kulissen der chinesischen IT-Riesen werfen. Das Learning ...

Tourismus
18.09.2019

Kein Ende der Debatte um die Wiener Sonntags- öffnung. ÖAAB zur ÖHV: „No-Na-Umfrage“.

Expertise
22.08.2019

Expertise: Der Hype um Chatbots im Tourismus war groß. Ebenso die Ernüchterung. Das lag daran, dass die Technik nicht ausgereift war. Heute ist das anders.

Werbung