Direkt zum Inhalt
Fachkräfte fehlen in Küchen wie in Hotels.

Lösungen für den Fachkräftemangel

14.06.2018

Eine Expertenrunde diskutierte Flexibilität, Jobsharing, Kinderbetreuung und positive Tourismusgesinnung.

Über Fächkräftemangel im Tourismus wird viel geklagt, das Arbeitsmarktservice (AMS) findet kaum Inländer, die in der Tourismusbranche arbeiten wollen, derzeit floriere die Wirtschaft, also stehe der Tourismus in Konkurrenz mit anderen Branchen, erklärte Tirols AMS-Chef Anton Kern bei einer Veranstaltung der Arbeiterkammer. „Um heimische Arbeitskräfte zu bekommen, muss der Tourismus mehr für die Mitarbeiter tun.“ Von zwei Dritteln der Betriebe gebe es negative Rückmeldungen von Arbeitskräften – „da passt dann etwas nicht“. Kern forderte in der Tourismusbranche ein „Klima, das für die Mitarbeiter attraktiver ist“. Gefragt seien Möglichkeiten der Kinderbetreuung ebenso wie ein wertschätzender Umgang und Karriereperspektiven. Auch die Fünf-Tage-Woche solle öfter möglich sein, die Möglichkeit von Kurzurlauben auch innerhalb der Saison Erholung bringen. 

Mehr Flexibilität

Das wünschen sich auch viele Hoteliers – und setzen das auch um. Allein, auch das hilft nicht immer. Florian Werner, Hotelier in St. Christoph, richtet sich durchaus auch nach den Wünschen des Personals: „Wenn jemand sagt, er will nur im Jänner und Februar arbeiten, dann nehme ich ihn und suche jemand anderen für Dezember und März.“ Trotzdem würden ihn die Personalkosten „auffressen“. Deshalb müsse bei den Personalkosten gespart werden, an der Anzahl der Mitarbeiter, nicht am Gehalt von hochqualifizierten Mitarbeitern. Das kann dann aber schnell auf die Servicequalität durchschlagen. Gäste wollen ja verwöhnt werden. Ein Teufelskreis?

Muss sich Tourismus ändern?

Die Experten bei der Veranstaltung der AK waren sich einig: Der Tourismus müsse sich ändern. Schließlich sei er eine Schlüsselbranche für Tirols Wirtschaft. Er generiert rund 3 Mrd. Euro an direkter Wertschöpfung, weitere 2,8 Mrd. Euro indirekt. Allerdings wirke sich die hohe Anzahl ausländischer Arbeitnehmer (ca. 50 %) auch aus: „Viel an Einkommen und damit an Kaufkraft fließt aus Tirol ab“, sagt Ökonom Stefan Aigner.
Auch beim Nachwuchs waren alle einer Meinung: Der müsse gepflegt werden, besonders im Tourismus. Und da hilft dann auch kein Jammern über den angeblichen Sittenverfall bei kommenden Generationen. Die Jugend wolle einfach nicht mehr als 40 Stunden arbeiten, auch nicht jedes Wochenende und nicht immer am Abend. Heute wird mehr Flexibilität erwartet – nicht nur im Tourismus. Deshalb müssen verstärkt Teilzeit- und Job-Sharing-Modelle diskutiert und angeboten werden. Kleine Tourismusbetriebe könnten gemeinsam Kinderbetreuungseinrichtungen schaffen. 

Die qualifizierten Abgänger von Tourismusschulen arbeiten oft nach wenigen Jahren lieber im Einzelhandel. Auch andere Branchen machen diesen gut ausgebildeten Leute lu-krative Angebote. Da muss man tatsächlich gegenhalten – schnell.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
Werbung

Weiterführende Themen

Markus Grießler (WKW, Spartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft, Mitte) und Alexander Stauder (Geschäftsführer „Zum weißen Rauchfangkehrer“, Zweiter v.r.) gemeinsam mit drei ehemaligen Lehrlingen und jetzigen Mitarbeitern Moritz Deppe, Dana Grosschaedl und Mustafa Zawari (v.l.n.r.).
Tourismus
06.11.2019

Die Wirtschaftskammer Wien zeichnete das Restaurant „Zum weißen Rauchfangkehrer“ als Tourismus-Lehrbetrieb des Jahres 2019 aus.

 

Das Panorama von Sillian.
Tourismus
03.10.2019

Ein Blick hinter die Kulissen von zwei benachbarten Osttiroler Gemeinden zeigt auf, wie unterschiedlich sich die Besitzerstruktur im Tourismus entwickeln kann.

 

Tourismus
26.09.2019

Von Alibaba bis Tencent: Unser Experte Florian Größwang von der ÖW durfte als Teil einer österreichischen Delegation einen Blick hinter die Kulissen der chinesischen IT-Riesen werfen. Das Learning ...

Tourismus
18.09.2019

Kein Ende der Debatte um die Wiener Sonntags- öffnung. ÖAAB zur ÖHV: „No-Na-Umfrage“.

Expertise
22.08.2019

Expertise: Der Hype um Chatbots im Tourismus war groß. Ebenso die Ernüchterung. Das lag daran, dass die Technik nicht ausgereift war. Heute ist das anders.

Werbung