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Das Restaurant „Fera“ im Hotel Claridge’s vereint prachtvolles Ambiente mit relaxter Gemütlichkeit.

London Calling

27.11.2014

Die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs zieht nicht nur Touristen in ihren Bann. Wir haben Österreicher getroffen, die in London richtig durchstarten.

Text: Bernadette Altenburger

 

Seit 150 Jahren wird im renommierten Fünf-Sterne-Hotel „The Claridge’s“ im Londoner Stadtteil Mayfair der Nachmittagstee zelebriert. Wir sitzen an einem der Tische im Foyer des Art-déco-Juwels und dürfen aus 24 verschiedenen Teesorten wählen. Henrietta Lovell, die die ganze Welt nach den besten Tees durchkämmt, ist als Expertin für die hohe Qualität der Aufgussgetränke zuständig, erzählt die Kellnerin. Zum Tee bekommen wir Finger-Sandwiches, Scones mit Clotted Cream (eine Art Streichrahm aus roher Kuhmilch) und Marco Polo Jelly (Marmelade, gemacht aus einer Schwarzteemischung) und zum Schluss kleine süße Backwaren serviert – alles auf edlem weiß-grün gestreiftem Porzellan. Ein Duo untermalt dieses kulinarische Erlebnis mit Klavier- und Cellomusik. Eleganter haben wir noch nie Tee getrunken, und es hätte uns daher kein bisschen gewundert, wenn auf einmal die Queen erschienen wäre.

Karrierechance Ausland
Stattdessen treffen wir zwei Oberösterreicher, die im hoteleigenen Restaurant „Fera“ – lateinisch für „wild“ – arbeiten. Benjamin Hofer ist Restaurant Director und Anton Tossmann einer seiner sechs Assistenten. Insgesamt kümmern sich rund 40 Servicemitarbeiter um die großteils internationalen Gäste. 100 Sitzplätze gibt es, und diese sind so gut wie jeden Abend vergeben. Die relaxte, bodenständige und persönliche Ausrichtung, gepaart mit dem britisch-modernen Kochstil von Küchenchef Simon Rogan, kommt gut an. Dabei hat das Fera erst im Mai 2014, nach einer Adaptierung der Räumlichkeiten und mit neuem Konzept aufgesperrt. Es war, wie Benjamin erzählt, in London die Eröffnung des Jahres. Unter der Ägide von Gordon Ramsey, der bis Mitte 2013 für zwölf Jahre das Restaurant im Claridge’s betrieben hat, gab es schon mal einen Stern. Und nach nur vier Monaten ist auch das Fera mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet worden. „Das kam absolut unerwartet und war auch nie ein Ziel, ist aber eine Supergenugtuung für die harte Arbeit“, erzählt Ben. Und: „Wir wollen noch besser werden!“

Der 35-Jährige aus dem Bezirk Steyr-Land besuchte die Hotelfachschule in Bad Ischl und absolvierte in Linz einen Universitätslehrgang für Tourismusmanagement. Dann ging er nach Russland auf ein Flusskreuzfahrtschiff, später verschlug es ihn nach Großbritannien, wo er sich vom Back of House Manager bis zum Restaurant Director hocharbeitete. Berühmte Londoner Hotels wie das „The Berkeley“ und das „Town Hall Hotel“, in dem er eng mit dem berühmten Nuno Mendes zusammenarbeitete, finden sich in seinem Lebenslauf. Ebenfalls rasch die Karriereleiter emporgeklettert ist sein Assistent Toni, der aus dem Bezirk Eferding stammt. Nach eineinhalb Jahren in London ist er bereits Assistant Manager. Auch er war in Bad Ischl und dann unter anderem im Fabios (Wien) und im Aiola City (Graz). Kurz bevor Toni nach London ging, hätte er fast zu Hause ein Wirtshaus aufgemacht. Nach einigen bekannten Restaurants wie Hakassan und Viajante startete der 28-Jährige heuer im März seinen Job im Fera.

 

Und was braucht man, um für das Ausland gewappnet zu sein? „Die richtige Einstellung und Wille. Damit kann man schnell raufkommen“, so Toni. „Auslandserfahrung ist wichtig. Es öffnen sich andere Herangehensweisen an die Gastronomie, und man sieht vieles, was es in Österreich nicht gibt“, berichtet Ben. Die beiden Bartträger, die, wie sie lachend erzählen, die Ersten seit 100 Jahren im Hotel sind, die Gesichtsbehaarung tragen dürfen, wirken trotz der 60 bis 70 Wochenstunden äußerst motiviert: „London ist kulinarisch eine sehr spannende Stadt. An jeder Ecke sieht man neue Konzepte. Die Gäste sind sehr anspruchsvoll und interessant.“ Ob sie, inspiriert von ihrer Auslandserfahrung, vielleicht in Österreich ein Restaurant eröffnen? „Irgendwo im Hinterkopf ist die Rückkehr geplant“, meinen sie.

Weinrevolution
Zum Menü darf die passende Weinbegleitung nicht fehlen. Ein Blick in die Weinkarte des Fera zeigt, dass auch hier Österreich vertreten ist. Importiert werden die Weine von einem jungen Wiener, der im Stadtteil Shoreditch einen etwas ungewöhnlichen Shop betreibt. Der „Boxpark“ besteht aus aufeinander gestapelten Schiffscontainern, in denen noch bis Mitte nächsten Jahres Geschäfte ihre Produkte verkaufen. Dann werden auf dem Gelände 2.000 Wohnungen errichtet. Peter Honegger und seine Freundin Daniela, die beide in London studieren, wollen mit „Newcomer Wines“ den Briten österreichischen Wein näherbringen. Neben dem Shop sind sie in Sachen Wein auch viel in Restaurants, Weinbars und Hotels unterwegs.

Klein, aber fein
Wie etwa im „The Hoxton“, einem Hotel wenige Minuten vom Boxpark entfernt. Dort kann man an der Rezeption rund um die Uhr (auch österreichische) Weine in Halbflaschen, Getränke und Snacks zu Supermarktpreisen kaufen. Das Hotel mit 208 Zimmern wurde 2006 anstelle eines alten Parkhauses eröffnet. Eine Übernachtung inkludiert eine Stunde gratis Telefonieren ins Festnetz, Tee und Kaffee können mittels Wasserkocher selber zubereitet werden. Nur das Frühstück hat einen Haken – es wird in einem Papiersackerl an ebendiesem vor dem Zimmer aufgehängt. Am Abend notiert man auf der Tasche die gewünschte Uhrzeit, und am nächsten Tag findet man darin Banane, Müsli und Orangensaft. Die Zimmer sind klein, aber praktikabel und stylisch eingerichtet. USB-Ports vereinfachen das Aufladen elektronischer Geräte, da diese Stecker genormt sind. Und das Wichtigste: Die Zimmer sind sauber und ruhig!

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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