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Luftreiniger gegen Corona?

03.11.2021

Luftreiniger werden für Innenräume als Virenkiller angepriesen. Wie sie funktionieren, wie viel sie kosten und ob sie wirklich gegen die Verbreitung von Corona-Viren helfen, haben wir uns angesehen.

Viren mögen es warm, feucht und möglichst windstill. Geschlossene Räume mit vielen Menschen sind ein „ideales Habi­tat“ für sie. Mit sinkenden Temperaturen unAd der Indoor-Saison steigt – wie man im Herbst und Winter des Vorjahres schmerzlich erfahren musste – auch wieder die Ansteckungsgefahr.

Jeder Mensch stößt kleine Tröpfchen, sogenannte Aerosole, aus. Sie fungieren als Träger für Bakterien und Viren. Sind es bei einem ruhig atmenden Menschen etwa 100 Tröpfchen pro Sekunde, verdoppelt sich diese Zahl beim Sprechen, und beim Niesen explodiert sie auf etwa 20.000 Tröpfchen. Beim Singen, besonders lauter Unterhaltung und erst recht beim Tanzen liegt die Menge der freigesetzten Tröpfchen zwischen einigen hundert und mehreren tausend – pro Person und Sekunde.

Wie lässt sich das Risiko reduzieren?

Der Idealfall ist ein schütter besuchter Raum, in dem ständiger Luftzug herrscht. Das Gegenteil dessen also, was in einem hoffentlich gut besuchten Gastronomie- oder Hotelbetrieb erwünscht und oft auch technisch möglich ist.

Variante zwei wäre häufiges Stoßlüften, was aber erstens die Wärme nach draußen befördert, zweitens zugempfindliche Gäste vertreibt und auch von räumlichen Gegebenheiten wie dem Vorhandensein von Fenster/Türen an gegenüberliegenden Enden der Räume abhängig ist. Die dritte Möglichkeit besteht in der Verwendung von Luftreinigern.

Wie funktioniert ­Luftreinigung?

Grundsätzlich sind sich die verfügbaren Geräte in vielen Punkten ähnlich: Sie saugen Umgebungsluft an, schicken sie durch eine Reihe von Feststofffiltern (für Staub, Feinstaub, Mikropartikel), manche bestrahlen sie zusätzlich mit UV-C-Licht, und alle blasen die gereinigte Luft wieder aus.

Gute Geräte verwenden sogenannte HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Air), deren H-Klassifizierung nach DIN-EN- 1822-Norm die Filterleistung angibt: Für die Hepa-Klasse H13 muss der Filter 99,95 Prozent der Schwebestoffe einfangen, für H14 muss die Leistung bei 99,995 Prozent liegen.

Die Kubatur zählt

Welche Gerätegröße zum Einsatz kommt, wird von der Größe des Raumes bestimmt. Die kleinsten und günstigsten Luftreiniger schaffen 30 Quadratmeter, ein Zimmer mit 5 x 6 Metern also. Die größten Geräte eignen sich für Flächen bis und sogar über 200 Quadratmeter.

Die vom Hersteller als Maximalwert angegebene Fläche im Einsatz völlig auszureizen ist jedoch nicht sinnvoll: Diese Leistung wird nur bei „Vollgas“ erreicht, was mit entsprechendem Stromverbrauch sowie einem auch auf Maximallautstärke laufenden Gerät verbunden ist. Zudem dauert es länger, bis die Luft einmal durchgefiltert ist – die Effizienz leidet. Speziell in langen, breiten Räumen empfiehlt es sich eher, mehrere Luftreiniger (als Wand- oder Standgeräte) im Raum zu verteilen.

Das kosten die Geräte

Die Preise starten bei rund 800 bis 1.000 Euro für eine Fläche von 70 Quadratmetern (nur Filter), ein Gerät von Miele für bis zu 200 m2 liegt bei einem Nettopreis von 5.190 Euro (Filterung und Bestrahlung).

Im Betrieb fast wichtiger als die reinen Gerätekosten sind jene für die Filter. Deren Standzeiten unterscheiden sich je nach Hersteller teils deutlich, zudem können die Preise für ein Filterset zwischen 40 und 150 Euro liegen. Einen teuren Filter häufig wechseln zu müssen – gar für mehrere Geräte – wird rasch zum exklusiven Missvergnügen. 

Allheilmittel Luftreiniger?

Was Luftreiniger schaffen, ist eine deutliche Reduktion der Aerosolzahl in der Raumluft. Einen echten Schutz vor Ansteckung können jedoch selbst die besten Geräte nicht bieten. Im direkten Face-to-Face-Kontakt ist eine Infektion weiterhin möglich – allerdings dann als Einzelfall und nicht automatisch als Cluster.

Autor/in:
Matthias Hauptmann
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