Direkt zum Inhalt

Lukullischer Geburtstag

03.11.2005

Der Name Zauner steht heute wie damals für Genuss von feinstem Adel. Im Herzen des Kaiserstädtchens Bad Ischl befindet sich die bezaubernde Konditorei, die 1832 ihre Pforten öffnete. Die hohe Kunst der Confiserie stand seit jeher im Mittelpunkt: Der Original Zaunerstollen feiert seinen 100. Geburtstag.

Über die Jahrhunderte und alle äußeren Veränderungen hinweg behielt die Konditorei Zauner ihre noble Eleganz, bewahrten sich ihre Zuckerbäcker den Willen zur Perfektion sowie die Freude an der Kreativität, und manchmal führt sogar das Schicksal Regie: Eines Tages – man schrieb das Jahr 1905 – legte ein gewisser Josef Nickerl, ehemaliger Patissier im berühmten Karlsbader Hotel Pupp, glänzende Zeugnisse vor und verfeinerte zum Einstand ein mitgebrachtes Rezept, womit die berühmten „Ischler Oblaten“ geboren waren. Durch den großen Erfolg der Oblaten entstand aber ein Problem, denn nicht alle Oblaten entsprachen den strengen Maßstäben, die bei Zauner angelegt wurden. Manche waren ungleichmäßig in der Farbe oder ein wenig verzogen oder zerbrochen. Sollte man diesen Oblatenbruch, der von Geschmack und Zusammensetzung her tadellos war, einfach wegwerfen?
Aus Oblatenbruch wird der Zaunerstollen
Dem ökonomischen Nickerl ging das gegen den Strich. Er zerkleinerte die Oblatenreste, vermischte sie mit einer nougatartigen Haselnuss-Schokolade-Masse und formte daraus kleine Makronen, die vor allem für den Verkauf an Kinder gedacht waren. Schon bald war die Bitte: „Für einen Kreuzer Nickerl-Batz!“ - so hatten die Kinder die neue Leckerei getauft - die am häufigsten gehörte Bestellung in der Konditorei. Aber nicht nur die Kinder, sondern auch Erwachsene, egal ob Einheimische oder Touristen, bestellten den Nickerl-Batz.
Die große Nachfrage ließ Viktor Zauner hellhörig werden. Und er begab sich mit Nickerl in Backküchen-Klausur. Sie mischten und schmeckten ab, ergänzten und ließen weg, machten versuchsweise Törtchen, Kugeln und Rollen. Aber sie waren noch nicht zufrieden. Der Geschmack, die Konsistenz, das Schmelzen auf der Zunge – einmalig! Doch die Anbietform gefiel nicht. Eines Tages pressten sie die Masse in eine längliche Kuchenform, ließen sie im Ofen trocknen und schnitten sie dann in fingerdicke Scheiben, ohne Ausbrechen oder Zerbröseln. Viktor ließ sich ein Stück im Mund zergehen und begann zu schmunzeln: „Jetzt haben’s wir.“ Doch Nickerl schüttelte nachdenklich den Kopf: „Noch nicht ganz, Herr Cheff! Mir fehlt noch was … vielleicht … wie wär’s, wenn wir das Ganze mit Schokolade überziehen? Ich meine, mit einer dicken, leicht schmelzenden Schokoladeglasur?“ Viktor Zauner stimmte dem Vorhaben zu und so entstand 1905 der „Zaunerstollen“, eine einmalige Köstlichkeit, die – oft kopiert, doch nie erreicht – einen Siegeszug um die Welt antrat und zu einem süßen Symbol für Bad Ischl und die österreichische Konditorkunst wurde.
Konfektgrösse
Heute werden cirka 100.000 Packungen Zaunerstollen jährlich (erhältlich in vier verschiedenen Größen ) nach derselben handwerklichen Methode und nach derselben unveränderten Rezeptur hergestellt. Zaunerstollen werden in die ganze Welt versandt oder als süßes Mitbringsel aus Bad Ischl direkt im Hause Zauner verkauft. Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums gibt es im Hause Zauner den Stollen in Konfektgröße als Geschenkpackung.

Info: Konditorei Zauner, Tel. 06132/233 10-13, www.zauner.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Gruppenbild mit Schülern in der Berufsschule für Gastgewerbe in der Wiener Längenfeldgasse. Stehend (v. l.): Ludwig Mühlhofer (Stieglbrauerei), Christoph Scheriau (Raschhofer),  Robert Raidl (Berufsschule Längenfeldgasse), Reinhard Bayer (Stift Schlägl). Sitzend (v. l.): Heinz Wasner (Brauerei Zwettl), Andreas Urban (Schwechater Brauerei, Juryvorsitzender), Nicole Wassermann (Bräu am Berg), Michael Göpfart (Brauerei Murau).
Gastronomie
05.12.2019

Der diesjährige ÖGZ-Biercup stand im Zeichen des Gastro-Lieblings „Bockbier“. Auch heuer wieder saßen Braumeister in der Jury und kosteten sich durch die eingesandten Proben.

Tourismus
04.12.2019

Jedes Jahr vergibt das Bundesministerium für Nachhaltigkeit undf Tourismus gemeinsam mit mit der Hotel- und Tourismusbank und der Österreich Werbung eine Million an Anschubfinanzierungen für ...

Hotellerie
04.12.2019

In Salzburg werden Anbieter von Privatzimmern auf Airbnb und Co künftig verpflichtet, sich zu registrieren. Das neue Nächtigungsabgabegesetz soll Chancengleichheit mit gewerblichen Betrieben ...

Das Shisha-Rauchen in Lokalen bleibt in Österreich weiter untersagt.
Gastronomie
04.12.2019

Das seit1. November geltende allgemeine Rauchverbot in der Gastronomie gilt auch für Shisha-Bars. Das stellte der Verfassungsgerichtshof fest. Die ÖGZ hat mit dem Branchenobmann der Shisha-Bars ...

Restaurantleiter Daniel Gross ist am Millstätter See heimisch geworden.
Gastronomie
04.12.2019

Wenn ein Hotelier im Nachbarort die Wirtshauskultur wiederbelebt, freut das nicht nur die Touristen am Millstätter See, sondern auch die Einheimischen. Wenn man sich um sie bemüht.

Werbung