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M-hm, Sommerwein!

15.07.2004

Jetzt ist der Sommerwein wieder in aller Munde. Gemeint ist hier der typisch österreichische, frische, mittelgewichtige Weißwein des Jahrgangs 2003. Weil es von diesem eine enorme Fülle gibt, ist hier nur vom Veltliner und Riesling unter 13% die Rede.

An den Sommer 2003 wird man sich noch lang erinnern: Von Mai bis Ende September durchwegs tropische Temperaturen konfrontierten die Winzer mit einer Ausnahmesituation, die neben Potential auch einige Risiken barg. Dass dies kein gewöhnlicher Jahrgang werden würde, war bald jedermann klar. Mitte August wurden Reifegrade wie sonst nur Mitte September gemessen, manche Sorten waren ihrer Zeit sogar an die sechs Wochen voraus. In diesem Hitzejahr gab es ideale Bedingungen für Rotweine, fast keine Botrytis und damit wenig edelsüße Weine sowie schwierige Voraussetzungen für trockene Weiße der unteren und mittleren Gradationen. Der frühe Lesezeitpunkt war in allen Gebieten im doppelten Wortsinn von entscheidender Bedeutung für Weine, die Frische und Frucht bewahren sollten: im kalendarischen wie im uhrzeitlichen Sinn. Die Lese erfolgte etliche Woche früher als in durchschnittlichen Jahren, und wer nicht früh genug aufstand und damit kühles Traubengut einbrachte, hatte es schnell mit der Oxydation zu tun. Dazu kam, dass eine intensive und gezielte Laubarbeit vonnöten war, um die Trauben vor „Sonnenbrand“ zu schützen.

Wem das gelang, der konnte mit dem physiologisch hochreifen Material auch in den unteren und mittleren Gradationen elegante, aromatische Weine erzeugen. Und der USP des österreichischen Weins, sein ureigener Charakter, liegt ja in diesen typischen Tropfen, die auf der ganzen Welt immer mehr Freunde finden und auch internationalen Gästen bestens bekannt ist.

Nicht jeder Sommerwein ist auch ein Terrassenwein: Weil die Reife eben im allgemeinen höher war als üblich und manche gastronomisch relevanten Weinbaubetriebe keinen oder nur wenige Weine unter 13% anbieten, haben wir uns entschlossen, den Begriff „Sommerwein“ etwas weiter zu fassen. Und nachdem in einem Nachrichtenmagazin die Behauptung aufgestellt wurde, dass man heuer überhaupt nur bei den „großen Namen“ kaufen könne, machten wir die Probe aufs Exempel und stellten neben eine Auswahl von Weinen hoch renommierter Erzeuger einige weniger stark vertriebene Tropfen. Die wichtigsten heimischen Weißweinsorten, Grüner Veltliner und Riesling, mit Vertretern unter 13% Alkohol stehen daher im Mittelpunkt unserer Sommerwein-Verkostung. Entgegen mancher Erwartungen präsentierten sich auch die Rieslinge bereits in einem sehr zugänglichen Zustand, und es war bei manchen Herstellern ein Trend zum deutschen Stil, also mit spürbarem Restzucker, erkennbar. Manche Speisen, wie feine Fisch- oder Seafood-Gerichte werden durch einen schönen Riesling ja erst gekrönt, und zur klassischen österreichischen Küche von Schnitzel bis Tafelspitz passt ja sowieso am besten ein Grüner Veltliner dieser Klasse. Im Sommer sollten diese halt nicht zu schwer sein.

Als „Terrassenweine“ bezeichnen wir die Vertreter dieser Sorten unter 12%, und vor allem Welschriesling, Muskateller oder Sauvignon blanc. Und das ist eine ganz andere Geschichte.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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