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Man muss den Konsumenten respektieren

09.12.2010

Sascha Cumia, GF von Campari-Austria, sprach mit Clemens Kriegelstein über Österreichs Aperitifkultur und Spirituosenmarkt

Der gebürtige Italiener Sascha Cumia arbeitet seit 2000 für die Gruppo Campari. Seit 2007 ist er Geschäftsführer von Campari Austria.

ÖGZ: Herr Cumia, Campari und Aperol, die beiden größten Marken Ihres Hauses, sind typische Aperitifmarken – wie entwickelt sich dieser Markt in Österreich? Tut man sich schwer im Land der Prosecco- und Biertrinker?

Sascha Cumia: Campari hat tatsächlich eine sehr lange Tradition in Österreich und ich denke, es ist bei vielen Leuten fest verankert, vor dem Essen einen Campari als Aperitif zu trinken. Natürlich muss man immer daran arbeiten, ein Produkt modern und im Kopf der Konsumenten zu halten, aber bei unseren Studien kommt regelmäßig heraus, dass Campari extrem gute Bekanntheitswerte in Österreich hat. International ist Campari auch größer als Aperol. In Italien und Österreich hingegen ist Aperol größer.


ÖGZ
: Wie sind beide Marken positioniert?
Cumia: Campari ist der klassische Aperitif. Den trinkt man vor dem Essen, meist mit Soda oder Orangensaft gespritzt. Aperol dagegen kann man zwar auch als Aperitif genießen, den kann man aber auch den restlichen Abend weiter trinken, etwa als Aperol Spritz. Auch zum Essen, zum Beispiel zu einer Pizza, passt Aperol hervorragend.

ÖGZ: Wie liegt Österreich beim Konsum im internationalen Vergleich?
Cumia: Aperol hat in Österreich einen Pro-Kopf-Verbrauch, der auf dem Niveau von Italien liegt. Offensichtlich treffen wir damit den Geschmack der Österreicher sehr gut. Und beim Campari-Konsum liegt Österreich auch unter den Top-5-Ländern weltweit. Österreich ist also ein extrem interessanter Markt für uns. Auch weil Österreich ein Land ist, in dem die Gastronomie noch eine große Rolle spielt. Es ist ja so, dass die Bedeutung der Gastronomie abnimmt, je weiter man in den Norden kommt. Aber in einem kleinen Lokal noch einen Aperitif zu nehmen, bevor man essen geht, das machen die Österreicher fast so gerne wie die Italiener.


ÖGZ
: Wer ist der typische Konsument?
Cumia: Also gerade Aperol ist inzwischen so breit aufgestellt, dass man kaum mehr von einer bestimmten Zielgruppe sprechen kann, auch wenn in den TV-Spots eher eine junge, urbane Klientel angesprochen werden soll. Aber der Großteil der Konsumenten ist etwa zwischen 18 und 30. Den Campari-Konsumenten würde ich etwas älter einschätzen, so zwischen 25 und 45, teilweise noch etwas älter. Das hängt mit der längeren Tradition von Campari in Österreich zusammen. Aperol hat sich ja erst seit fünf bis sechs Jahren entwickelt – in der Tat, gab es das Produkt schon früher, aber war sehr klein.


ÖGZ
: Beide Marken stehen für ein gewisses Italo-Flair. Verkauft sich das daher im Sommer besser als Winter?
Cumia: Ja, auf jeden Fall. Campari und Aperol trinkt man speziell im Sommer, wenn man im Garten oder auf einer Terrasse sitzt.


ÖGZ
: Wie teilt sich denn Ihr Umsatz zwischen Gastronomie und Heimkonsum auf?

Cumia: Etwa 50:50. Wobei der Gastroanteil bei Aperol etwas größer ist, was immer für die Gesundheit einer Marke spricht.

ÖGZ: Gibt es Initiativen seitens Campari, um den Konsum in der Gastronomie zu unterstützen?

Cumia: Natürlich sponsoren wir regelmäßig mal einen Event oder einen Gastronomen und bei Aperol schauen wir, dass wir dieses Streetlife-Konzept aus der Werbung umsetzen können und sind da auch bei etlichen Veranstaltungen sehr erfolgreich dabei. Allerdings glauben wir, dass es wichtiger ist, regelmäßig gute Kontakte zu den Gastronomen zu pflegen und ein offenes Ohr für sie zu haben, als heute mal einen Riesen-Event zu schmeißen und morgen ist man wieder weg. Wir haben für nächstes Jahr ein paar interessante Konzepte für die Gastronomie im Kopf. Die Details kann ich aber jetzt noch nicht bekannt geben.


ÖGZ
: Welche weiteren Marken neben Campari und Aperol haben Sie im Programm?
Cumia: Speziell der Vodka-Bereich ist für uns interessant. Hier haben wir mit Russian Standard eine Marke mit viel Potenzial im Programm. Aber auch Skyy wird sehr gut angenommen. Auch X-Rated, ein Likör auf Vodka-Basis hat sich toll entwickelt. Und mit Wild Turkey haben wir einen interessanten Bourbon, und Bourbon hat in Österreich immer eine gewisse Relevanz gehabt.


ÖGZ
: Welche Aperitif- bzw. Spirituosentrends sehen Sie sonst für die nächsten Jahre?

Cumia: Ich sehe für die nähere Zukunft keine großen Veränderungen. Der Vodka-Hype hat zur Zeit nicht mehr den Schwung von früher. Ich denke, Aperol wird weiter wachsen. Und ich sehe Potenzial für Convenience-Produkte wie das fertig gemixte Campari-Soda. Damit haben wir schöne Umsätze erzielt.  Wichtig bleibt auch in Zukunft – für uns jedenfalls –, den Konsumenten zu respektieren, ihm einen Gegenwert zu liefern, den er sich erwartet. Man kann heute einen billigen Vodka teuer verkaufen, aber es bleibt trotzdem ein billiger Vodka. Man verärgert bloß den Kunden dadurch. www.camparigroup.com

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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