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Authentische Erlebnisse im Salzburger Land, etwa auf der Loseggalm ...

Man muss es inszenieren!

15.02.2016

Die ÖGZ unterhielt sich mit Leo Bauernberger, dem Geschäftsführer von Salzburger Land Tourismus, über die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Tourismus und touristische Inszenierungen.

... oder in einer Käserei.

Was muss, was kann man Touristen in einem alpin geprägten Land bieten – außer klassischem Wintersport und schöner Landschaft? „Naturnahe Tourismusformen“, sagt Leo Bauernberger. Bewegung in der Natur, am Berg, in allen Schwierigkeitsgraden. In Kombination mit kulturellen Attraktionen und Kulinarik. Bauernberger nennt zwei Initiativen, mit denen er sehr gute Erfahrungen gemacht hat: den Almsommer und die Via Culinaria.

Almwege

Vor zehn Jahren hat Bauernberger den Salzburger Almenweg ins Leben gerufen: ein Wanderweg über 300 km in 33 Etappen, von einer Hütte zur anderen. Teilweise mit Übernachtungen, immer mit Bewirtung. Auch ein Gepäcktransport ist möglich. „Das funktioniert hervorragend“, schwärmt Bauernberger. „Jedes Jahr haben wir rund 25.000 Besucher, die gezielt bestimmte Etappen abgehen.“ Einige 100 machen jedes Jahr sogar die gesamte Tour. 
Der Almenweg ist am Reißbrett entstanden und wurde mit Partnerbetrieben am Berg ausgerollt. Von 2.000 Almen hat man 171 zertifiziert, wenn sie u. a. heimische Produkte anbieten und auf wirklich schönen Plätzen liegen. „Wir haben das Programm gemeinsam mit der Salzburger Landwirtschaft, insbesondere mit der Almwirtschaft Salzburg, entwickelt“, sagt Bauernberger. „In Salzburg haben wir den großen Vorteil, dass wir landwirtschaftlich kleinteilig und dezentral strukturiert sind mit vielen Einzelbauern. Das erleichtert die Umsetzung solcher Projekte.“ Anders sehe das zum Beispiel in Tirol aus. Dort gebe es mehr Genossenschaften, für die Almen hauptsächlich eine landwirtschaftliche Produktionsstätte darstellen.

 „Wir haben Workshops veranstaltet, um unsere Almen zu entwickeln. Da geht es u. a. um Hygienestandards, EU-Auflagen. Die EU hat dieses Almenentwicklungsprogramm kofinanziert“, erinnert sich Bauernberger. „Heute ernten wir die Früchte: Der Markt reagiert sehr positiv. Auch der Bauernnachwuchs sieht die geschäftlichen Möglichkeiten. Unsere Gäste wollen authentische Menschen kennenlernen und authentische Produkte konsumieren. Das können wir ihnen mit unserem Produkt bieten. Die schönen Alpen sind zu wenig, man muss das Urlaubserlebnis inszenieren, griffige touristische Produktmarken prägen.“

In der Schweiz hat bereits ein Drittel bis ein Viertel der Almen zugesperrt. Im Salzburger Land konnte durch den Almsommer die Zahl der Almen gehalten werden, es sind sogar einige neue dazugekommen, die seit dem Krieg zugewachsen waren. „Jeder Bauer, der nicht mehr seine Alm bewirtschaftet, ist für uns Touristiker ein schwerer Verlust“, sagt Bauernberger. Das habe man im Salzburger Land verstanden: Die Landwirtschaft und auch die Wirtschaftskammer, die die Almen am Berg nicht als gastronomische Konkurrenz zu den Gasthöfen im Tal sieht. Das steht sogar im Regierungsprogramm der Landesregierung: Tourismus und Landwirtschaft müssen zusammenarbeiten! 

Gastrosophie

„Natürlich können wir Touristiker nicht alles selbst gestalten. Aber wie bei der Kultur können wir auch in der Landwirtschaft zur Zusammenarbeit motivieren“, sagt Bauernberger. Das gelte auch für die Kulinarik. Die hat beim gelernten Koch Bauernberger eh einen guten Stand. „Damit können wir der Globalisierung des Geschmacks etwas entgegensetzen!“ Seit fünf Jahren gibt es die Marke Via Culinaria – mit der man das reiche kulinarische Erbe der Salzburger Bischöfe pflegen möchte. Momentan gibt es acht kulinarische Wege durch das Land. Gerade denkt Bauernberger über einen neunten nach: auf barocken Spuren. 

Dafür arbeitet er mit dem Institut für Gastrosophie an der Salzburger Universität zusammen. Die Forscher sichten das kulinarische Erbe aus dem Barock. In Workshops wird man gemeinsam mit Köchen ausprobieren, wie man damals gekocht hat und was man davon auch heute noch kochen könnte. Man sucht nach Partnern in der Gastronomie, die so etwas umsetzen wollen und die auch noch in der Nähe barocker Attraktionen liegen. Im Mai wird man entscheiden, ob so sein Konzept tragfähig ist. Denn die schlimmste Sünde bei allen touristischen Inszenierungen ist, wenn es aufgesetzt wirkt. „Wir brauchen als Destination ein eigenes Profil in der Kulinarik, daran glauben wir ganz fest“, sagt Leo Bauernberger. Und daran arbeiten die Salzburger mit Verve.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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