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Blick vom Hotelzimmer im Miramar (Opatija).

Man spricht Österreichisch

25.09.2014

Rund um die Kvarner Bucht entwickelt sich ein Qualitätstourismus auf den Spuren des alten k. u. k. Gesundheitstourismus. Und das Schlemmerland Istrien ist nicht weit.

Der Salon in der Villa Astra (Lovran).
Das Kvarner Palace in Crikvenica.

Autor: Thomas Askan Vierich

 

Ein Hotel in bester Lage direkt am Meer. Mit 100-jähriger Geschichte. Leider seit Jahren eine Ruine. Das wird das Miramar in Crkvenica auch bleiben. Denn seine Reste stehen unter Denkmalschutz und sollen drei Millionen Euro kosten. Dennoch sieht man rund um die Kvarner Bucht immer weniger dieser ruinösen Überbleibsel ruhmreicher Zeiten. Als hier noch die Österreicher das Sagen hatten und die Region zwischen Lovran und Crkvenica zur „österreichischen“ bzw. „ungarischen“ Riviera ausbauten. Wiener Ärzte entwickelten hier Kurmethoden für die „besseren Kreise“. 
Jetzt haben die Österreicher wieder das Sagen. Fast jeder zweite Tourist spricht Österreichisch, viele Investoren kommen aus dem Norden. So auch der Salzburger Hotelier Wilfried Holleis, der zuletzt das Kvarner Palace in Crkvenica gekauft und renoviert hat. Seit heuer strahlt es in neuem Glanz. Was nicht jedem Stammgast gefällt, wie Hoteldirektorin Manuela Hierl berichtet: „Unsere Gäste, die bis letztes Jahr noch 30 Euro für ihre Halbpension bezahlt haben, wundern sich über das silberne Besteck und dass sie jetzt deutlich mehr zahlen sollen.“ Tja, nach dem Zerfall Jugoslawiens (und auch schon vorher) konnte man hier in prächtiger, wenn auch maroder k. u. k. Kulisse für wenig Geld Urlaub machen – wenn man keine hohen Ansprüche an Service und Qualität stellte. Doch dieses Billigmodell funktioniert heute nicht mehr. Heute möchten die großen Hotels an der Kvarner Bucht wieder echten Vier-Sterne-Tourismus bieten. Auch wenn sich manche „Grand Hotels“ bei näherem Hinsehen immer noch als übertünchte Billigabsteigen für Busreisende entpuppen.

Das Ende der Billigabsteigen
Nicht so das Miramar in Opatija, das ebenfalls der Holleis-Gruppe gehört. Hier hat Wilfried Holleis vor mehr als zehn Jahren die Villa Neptun gekauft, angeblich in erster Linie, weil er in Opatija als Kind oft urlaubte. Auch diese Villa war eine Ruine. Er hat sie entkernt, soweit das der Denkmalschutz zuließ, und mit drei Neubauten ergänzt. Daraus ist das Adria Relax Resort Miramar geworden. Zum Stammpublikum zählen überwiegend ältere Österreicher, die hier relativ preiswert Ferien auf anspruchsvollem Niveau verbringen können. Es gibt zwar anders als in Crkvenica keinen richtigen Strand, nur einen Felsvorsprung, auf dem sich die Liegen drängen, dafür aber einen tollen Blick über die Bucht, kristallklares Wasser, einen anständigen Wellnessbereich, der gerade erweitert wurde, und eine überdurchschnittlich gute kroatisch-internationale Küche von einem (natürlich) österreichischen Küchenchef. Alle sprechen Deutsch, von der Kärntner Hoteldirektorin bis zur kroatischen Masseurin. Die Stimmung im Haus ist trotz der Größe familiär-entspannt. Hier scheinen alle gerne zu arbeiten und zu urlauben.

Was in Crkvenica noch nicht ganz der Fall ist: Manuela Hierl und auch einige Gäste berichten von Problemen mit dem einheimischen Personal, das noch nicht ganz die österreichische Schlagzahl verinnerlicht habe. Aber das kommt sicher noch – wie auch die Revitalisierung des Hotelparks.

Erstklassig für Individualisten
Die Grünflächen in Opatija sind längst wieder in einem erstklassigen Zustand. Ein paar Kilometer weiter bietet Lovran sogar eine verschlafene mittelalterliche Altstadt. Fußfrei an der berühmten zwölf Kilometer langen Meerpromenade Lungomare glänzt die Jahrhundertwende-Villa Astra im venezianischen Stil. Der ehemalige Industrie-Manager Vjekoslav Martinko hat sie in den 1990ern stückweise von den Vorbesitzern erworben. Mittlerweile gehört Martinko auch die Villa nebenan.

Anders als in manchen Traditionshäusern, hat Martinko nicht mit dem Sandstrahler (kaputt)saniert, sondern liebevoll die alte Substanz ins 21. Jahrhundert herübergerettet. Hier kann der Individualist urlauben. Niemand besetzt Liegen am Pool mit Handtüchern, niemand kommandiert herablassend das Personal herum. Martinko träumt davon, seine Villen als Ort der Begegnung zu etablieren, wo man seinen Horizont auch innerlich erweitern kann. Er ist ein spiritueller Mensch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. „Damit bin ich sicher nicht allein“, sagt er. Übrigens auch auf gutem Deutsch. „Außerdem muss ich weiter investieren.“ Deshalb sucht er einen finanzkräftigen Partner, der mit ihm sein Konzept der spirituellen Begegnungen umsetzen möchte. „Sonst muss ich womöglich verkaufen, und dann werden das hier Luxusappartments für Private.“

 

Info
Kvarner Palace, Crikvenica
www.kvarnerpalace.info
Miramar, Opatija
www.hotel-miramar.info
Villa Astra, Lovran
www.lovranske-vile.com

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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