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Mehr als nur Bio und Regionalität

29.06.2017

Nachhaltigkeit ist zu einem zentralen Thema im Gastro-Großhandel geworden. Dabei geht es um mehr als um Produkte. Die ÖGZ hat mit einigen großen Playern über das Thema gesprochen.

 

Nachhaltigkeit wird in der Gastronomie immer wichtiger. Gäste wollen wissen, woher die Zutaten stammen, auf welche Art und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden. Transgourmet ließ sich dieses Ergebnis vom Meinungsforscher Marketagent erheben. 52 Prozent meinen demnach, dass artgerechte Tierhaltung ihnen sehr wichtig sei. Fast 90 Prozent der Österreicher sind auch bereit, für entsprechende Gerichte mehr zu bezahlen. So weit die gute Nachricht für alle Gastronomen. 

Richtige Geschichten erzählen

Die richtige Präsentation samt entsprechendem Storytelling gewinnt dadurch an Bedeutung – am Point of Sale sowie im Online-Shop. Einzelne Gastro-Großhändler kreieren eigene Produktlinien. Transgourmet führte beispielsweise die Linie Vonatur ein und bietet auch entsprechende Unterstützung für den Point of Sale über eine Toolbox mit Infos wie Videos an. 1.500 Bio-Produkte sind derzeit im Sortiment. Kastner hat schon lange eine eigene und sehr erfolgreiche Biolinie, die "Biogast". Außerdem ist der Waldviertler Christof Kastner darum bemüht als 100% österreichisches Unternehmen einen großen Teil der Wertschöpfung und der Kaufkraft in Österreich zu belassen. Um dieses Engagement sichtbar zu machen, werden heimische Produkte speziell gekennzeichnet - beispielswesie mit einem Österreich-Button auf den Regaletiketten. Etwa 60% des Umsatzes werde mit regionalen, österreichischen Produkten gemacht.

Einen ähnlichen Weg schlägt auch AGM ein. Dabei setzt man auf die etablierte Eigenmarken „Ja! Natürlich“ und „Da komm ich her!“. Je nach Saison hat man 500 bis 2.000 regionale Artikel im Angebot. AGM setzt dabei auch auf das Nachhaltigkeits-Label „Pro Planet“. 

Auf eine enge und ausgewählte Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten setzt Manfred Kröswang, Geschäftsführer des gleichnamigen Anbieters. „Zum Beispiel ist Wech der einzige Geflügelproduzent in Österreich, der die Produktion vom Elterntier bis zum Verkauf kontrolliert und damit das Prinzip des geschlossenen Kreislaufes praktiziert. Rund 200 Vertragsbauern, meist Bergbauern bis in über 1.000 m Seehöhe, erwirtschaften sich mit der Geflügelzucht ein sicheres Einkommen“, erklärt Kröswang die Vorzüge nachhaltiger Produktion, welche letztlich kleinstrukturierte Landwirtschaft stärkt.

Welche Gütesiegel?

Ähnlich sieht es Eurogast-Österreich-Geschäftsführer Alexander Kiennast. „Wir führen aufgrund der starken regionalen Verankerung der einzelnen Mitglieder sehr viele Produkte, die unmittelbar aus der Region, teilweise von Kleinstbetrieben aus der Nachbarschaft kommen.“ 
Über die Branche hinweg zeigt sich eine immer stärkere Durchdringung von Gütesiegeln, die den Kunden Sicherheit geben können. Aufgrund der Vielzahl der Siegel, kann es für Gastronomen und Kunden aber schnell unübersichtlich werden. Zu den am bekanntesten Siegeln zählen jedenfalls: AMA, Fair-trade, Bio, UTZ, MSC, ASC und Ohne Gentechnik hergestellt.

Ersetzt Regionalität Bioqualität?

Erkennbar ist, dass das Thema Regionalität bei Produkten zunehmend an Bedeutung gewinnt. Marktbeobachter sprechen sogar davon, dass regional wichtiger als bio geworden ist. Auch beim Thema Kaffee gibt es derzeit die Diskussion, ob Direct Trade nachhaltiger ist als das etablierte Fairtrade-System. 

„Es ist eine deutliche Entwicklung beim Bewusstsein für Regionalität unter den Kunden und deren Gästen spürbar. Die Gäste möchten vermehrt wissen, woher Gastronomen ihre Produkte beziehen, und lassen beim Restaurantbesuch auch zunehmend nachhaltigkeitsrelevante Kriterien in die Konsumentscheidung einfließen“, spricht Rewe-Pressesprecher Paul Pöttschacher für AGM. 

Bei Transgourmet rechnet man damit, dass das Thema Nachhaltigkeit im Gastro-Großhandel noch weiter an Bedeutung gewinnen wird. Vor allem das Thema Fleisch liege den Kundinnen und Kunden besonders am Herzen. Dementsprechend kündigt man an, das Sortiment weiter auszubauen. Christof Kastner meint dazu: "Wir gehen davon aus, dass der Klimawandel und das sich ändernde Bewusstsein der Bevölkerung und der Politik unseren Alltag, allem voran die Mobilität sowie den Energie- und auch den Lebensmittelbereich massiv beinflussen werden und Themen wie Nahversorgung, bilologisch nachhaltige Lebensmittel, vegane Lebensmittel, Produktqualität und -herkunft stark an Bedeutung gewinnen werden." Manfred Kröswang ist hier vorsichtiger: „Für das Geschäft im engeren Sinn hat Nachhaltigkeit keine riesige Bedeutung, weil man nur bei wenigen Kunden mit diesen Maßnahmen punkten kann.“

Kröswang bekennt sich aber zu einem weitreichenden Nachhaltigkeitsdenken, das nicht bei Produkten aufhört: „Wir machen Mitarbeiter- und Umweltmaßnahmen und soziale Projekte, weil sie uns wichtig sind und zu unserer Unternehmenskultur passen – nicht, weil wir damit mehr Umsatz machen wollen“, erklärt Kröswang. Eine Meinung, die seine Mitwerber teilen. Doch welche Nachhaltigkeitsmaßnahmen (bzw. CSR-Maßnahmen) setzen die einzelnen C+C-Märkte, um dieser Verantwortung gerecht zu werden?

Nachhaltigkeit im Unternehmen

Aufgrund der Struktur der Unternehmensgruppe gebe es bei Eurogast keine einheitlichen CSR-Richtlinien, erklärt Alexander Kiennast. Die einzelnen Eurogast-Mitglieder bestimmen demnach selbst, welche Maßnahmen sie setzen. Im Rewe-Konzern, dessen Tochter AGM ist, gibt es konzernintern vier Säulen des nachhaltigen Handelns. Diese sind „grüne Produkte“, „Energie, Klima, Umwelt“, „Mitarbeiter und Mitarbeiterinneninnen“ und „gesellschaftliches Engagement“. AGM unterstützt dabei etwa die Initiative „United Against Waste“, welche sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt. 

Auch bei Transgourmet setzt man auf unterschiedliche Säulen der Nachhaltigkeit. Als erster Lebensmittelhändler hat man das Umweltmanagement seiner acht Standorte inklusive Logistik mit der ISO-Norm 14001 zertifizieren lassen.

Ebenso ein Thema sind Mitarbeiter: „Wir sehen es daher als unsere Pflicht an, neben sicheren Arbeitsplätzen auch die besten Rundum-Bedingungen zu schaffen“, erklärt Geschäftsführer Thomas Panholzer. So biete Transgourmet ständige Aus- und Weiterbildung, Gesundheits- und Fitnessprogramme, persönliche psychische Beratung in schwierigen Lebenssituationen durch den „Schutzschirm“, Mitarbeitereinkaufsrabatte und ein sehr gutes Betriebsklima. Zahlreiche Aufstiegschancen in einem expandierenden Unternehmen sprechen eine klare Sprache. 

Relativ umfassend sind die CSR-Maßnahmen auch bei Kröswang. Auch hier werden diverse Weiterbildungen für Mitarbeiter angeboten. Daneben optimierte man zuletzt die 120 LKW starke Flotte mit schadstoffarmen Fahrzeugen. Im Frischekompetenzzentrum installierte Kröswang ein Sole-Kühlsystem. Eine Anschaffung, die nicht nur den CO2-Ausstoß reduziert, sondern sich auch positiv auf die Betriebskosten auswirkt. Als Projekt im sozialen Bereich unterstützt Kröswang die SOS-Kinderdörfer. 

Christof Kastner kennzeichnet alle seine Maßnahmen im Bereich CSR mit dem Logo "Aus gutem Grund". "Vor allem im Bereich Biodiversität werden aktuell einige Projekte und Maßnahmen umgesetzt, die sowohl der Umwelt dienen als auch für unsere Mitarbeiter und Geschäftsbeziehungen von Bedeutung sind. Kürzlich wurden zum Beispiel Apfelbäume an Mitarbeiter und auch an Kunden und Partner verschenkt", sagt  Kastner.

Nachhaltigkeit ist also eine vielschichtige Materie. Diese hört längst nicht bei Produkten auf. Im besten Fall reicht sie von der Ausstattung und Energieversorgung der Märkte über die Sortimentsgestaltung und die sorgfältige Lieferantenauswahl bis hin zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. "Wir sind der Meinung, dass der Erfolg von Unternehmen heute mehr denn je davon abhängt, ob das Geschäftsmodell im Kern nachhaltig ist und gesellschaftliche Akzeptanz und Vertrauen findet", sagt Kastner. "Wenn das Hauptgeschäft nichts mit Nachhaltigkeit zu tun hat, sind aufgesetzte Greenwashing-Aktivitäten schnell durchschaut."

Autor/in:
Daniel Nutz
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