Direkt zum Inhalt

Mehr Arbeitskräfte durch höhere Preise

02.02.2004

Wifo-Arbeitsmarktstudie: Egon Smeral sieht auch Ganzjahrestourismus und mehr Saisonniers als Ausweg.

Einen deutlichen Arbeitskräftemangel im Tourismus, der auch in näherer Zukunft noch bestehen bleibt, ortet eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), die jetzt im Auftrag der Tourismussparte der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) durchgeführt wurde.
So seien laut Studienautor Egon Smeral die gerne zitierten offiziellen Arbeitslosenzahlen in der Branche nur die halbe Wahrheit, da speziell in den Zwischensaisonen rund 60 Prozent der Arbeitslosen über eine Wiedereinstellungszusage verfügen und daher nicht vermittelbar sind. Bei zahlreichen anderen wiederum würde es entweder an der Qualifikation oder an der geographischen bzw. zeitlichen Flexibilität mangeln. Von den durchschnittlich rund 30.000 Arbeitslosen (im Schnitt 20.000 in der Hauptsaison, 50.000 in der Nebensaison) könnten maximal zehn Prozent tatsächlich vermittelt werden.
Um diesem Problem gegenzusteuern, riet Smeral der Tourismuswirtschaft zu mehr Saisonniers aus den EU-Beitritts- ländern, zu Preiserhöhungen sowie zur Etablierung eines Ganzjahrestourismus.
Platz nach oben
Dabei hätte Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern durchaus Preisspielraum nach oben, die es dem Unternehmer erlauben würden, hochqualifiziertes Personal einzustellen. Smeral: „Solange hierzulande allerdings keine höheren Preise beim Verbraucher durchzusetzen sind, bleibt einem fast nichts anderes übrig, als auf schlecht bezahlte Leu-
te, also Saisonniers etwa aus den neuen EU-Beitrittsländern, zurückzugreifen.” Die Authentizität des Produktes setze dieser Praxis allerdings gewisse Grenzen. In einem tiroler Gasthof erwarte sich der Gast eben - zumindst auch - tiroler Personal.
Ein weiterer Lösungsansatz laut Smeral sei der Weg hin zu einem "qualitativen Ganzjahrestourismus". Ganzjahresstellen seien eben für potentielle Arbeitskräfte ein größerer Anreiz.
Reformen nötig
"Gewusst haben wir es schon immer, jetzt haben wir es schwarz auf weiß", kommentierte Tourismusspartenobmann Johann Schenner die Ergebnisse der Studie, die über 5 Jahre lang alle Tourismusbeschäftigten mit Sozialversicherungsnummer unter die Lupe nahm. Wegen des zu befürchtenden Arbeitskräftemangels seien eine Reform der Arbeitslosenvermittlung, eine erleichterte Beschäftigung von Saisonniers, die Umsetzung von bilateralen Beschäftigungsabkommen mit den EU-Beitrittsländern sowie ein Überdenken der siebenjährigen Übergangsfrist für Arbeitskräfte aus den Beitrittskandidaten notwendig, forderte Schenner.

Auch Erwin Buchinger vom AMS Salzburg kann die Aussagen der Wifo-Studie bestätigen: „Diese Inhalte decken sich größtenteils mit unseren Erfahrungen. Es wird wohl in Zukunft die Schere immer weiter auseinandergehen: Auf der einen Seite personalintensive Spitzenbetriebe, die sich das auch leisten können, und auf der anderen Seite die große Anzahl der Unternehmer, die entweder die Selbstausbeutung erhöhen oder den Personalstand radikal senken müssen.“
Neue Job-Plattform im Internet
Eine innovative Lösung zur aktuellen Arbeitsplatzmisere bietet dagegen eine Kooperation der Firmen „Gastrojobs“ und „hogast“. Auf einer gemeinsamen Internetplattform (www.gastrojobs.com oder www.hogastjob.com) können sich sowohl Unternehmer als auch Arbeitssuchende hier mit Jobprofil, Lebenslauf, Foto, etc. selbst darstellen. Andererseits kann man aber auch auf eine Datenbank von durchschnittlich 12.000 registrierten Bewerbern zurückgreifen. Diese Datenbank wird alle zwei Wochen aktualisiert. Gastrojobs-Chef Marcus Kleemann: „Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich sämtliche Angebote nach verschiedenen Parametern wie Ort- oder Zeitvorgaben auswählen lassen.“ Die Nutzung dieser Plattform ist für Schulen und Arbeitnehmer gratis, für Unternehmer kostet eine Jahreslizenz 990 Euro.
Unterstützung kommt zu dieser Kooperation auch vom AMS. Buchinger: „Solche private Initiativen erhöhen die Transparenz der Arbeitsvermittlung und nützen so der Branche und dem Markt.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Monika und Herbert Karer: Sie ist die Küchenchefin, er leitet den Service.
Gastronomie
29.10.2020

Serie Mein Wirtshaus: Herbert Karer ist Obmann des Vereins Innwirtler, einer Gemeinschaft von regional engagierten Wirten im oberen Innviertel. Einer ländlichen Region, die auch mit Corona vom ...

Gastronomie
29.10.2020

Rund um uns herum muss die Gastronomie entweder völlig schließen oder hat mit einem Ausgehverbot zu kämpfen. Es ist abzusehen, dass das bei uns auch kommt. Die Frage ist nur noch wann

Sollen die Herkunft von Lebensmitteln auch in der Gastronomie gekennzeichnet sein?
Gastronomie
29.10.2020

Die Forderung nach einer verpflichtenden Lebensmittelkennzeichnung in der Gastronomie ist ein heiß diskutiertes Thema. Wir wollen wissen, wie Sie darüber denken.

Gastronomie
29.10.2020

ÖGZ-Umfrage: Die Forderung nach einer verpflichtenden Lebensmittelkennzeichnung in der Gastronomie ist ein heiß diskutiertes Thema. Wir wollen wissen, wie Sie darüber denken.

Hotellerie
28.10.2020

Rette sich wer kann: In Deutschland wird gerade der Lockdown beschlossen, in Österreich droht demnächst Ähnliches.

Werbung