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Mehr Geld für die Vermarktung

21.07.2011

138 Millionen Nächtigungen werden für Österreich nur erreichbar sein, wenn konzentriert gearbeitet und mehr Marketingbudget mobilisiert wird, sagt Fachverbandsobmann Klaus Ennemoser

Fachverbandsobmann Klaus Ennemoser rechnet vor: Wenn 40 Cent pro Nächtigung für die ÖW-Budget eingesetzt werden, dann müsste das bei angestrebten 138 Mio. Nächtigungen 55 Mio. € sein

In den vergangenen Jahrzehnten habe Österreichs Tourismus in jeder Hinsicht ein großartiges Produkt aufgebaut. Bei der ständigen Weiterentwicklung und Verbesserung sei allerdings die Vermarktung ins Hintertreffen geraten. Eben an dieser Stelle wünscht sich Dr. Klaus Ennemoser, Fachverbands­obmann der Hotellerie, eine konsequente Gegenbewegung und führt dazu prägnante Zahlen ins Treffen. „Mit einem Budget von 50 Mio. € für die Österreich Werbung werden derzeit pro Nächtigung rund 40 Cent Marketingmittel zur Verfügung gestellt. Nun lautet das definierte Ziel, bis 2014 138 Mio. Nächtigungen zu verwirklichen. Niemand wird erwarten, dass so etwas mit weniger Budget möglich ist. Umgelegt auf das Verhältnis von Nächtigungen und Geldmittel müssten daher rund fünf Millionen € mehr für die Österreich Werbung zur Verfügung stehen, und das möglichst 2012, damit die Marketingbemühungen auch bis 2014 greifen könnten“, führt Ennemoser aus.

Im Vergleich mit den touristischen Mitbewerbern sei diese Budgetsteigerung geradezu unverzichtbar. Die Schweiz habe etwa gerade 11 Mio. € Sonderzusatzbudget zur Ankurbelung des Tourismus beschlossen. Der Mittelwert der staatlichen Marketingbudgets in den EU-Ländern betrag ca. 77 Cent pro Nächtigung. „Auf dieser Basis müssten der ÖW 96 Mio. Jahresbudget zur Verfügung stehen“, stellt Ennemoser die Relationen klar.

Investiert sehen will der Interessenvertreter die zusätzlichen Mittel vor allem in neue Zielmärkte. „Mit dem Start der Allianz der zehn habe man hier schon die richtigen ­Maßnahmen eingeleitet, so Ennemoser.
Wir müssen hier aber noch deutlich konzetrierter vorgehen“, ist Ennemoser überzeugt. Es gebe gerade bei der Vermarktung weiteren Koordinierungsbedarf auf allen Ebenen, vom typisch österreichischen KMU-Hotelbetrieb über die Destinationen, die Landestourismusorganisationen bis hin zur Österreich Werbung.
Auslastung stärken

Damit will der Hoteliervertreter vor allem einer Schwäche der heimischen Berherbergungswirtschaft den Kampf ansagen: einer zu geringen Bettenauslastung. Bei 31,4 Prozent lag sie im Jahr 2010. Tedenziell ging es damit zwar deutlich aufwärts, immerhin um plus zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Ein wirklich gesunder Durschnittswert ist nach meiner Einschätzung allerdings bei 50 Prozent erreicht, und bis dahin ist noch ein weiter Weg“, weiß Ennemoser.

Eine höchst hilfreiche Maßnahme, diesem Ziel näher zu kommen, sieht der Interessenvertreter in der vom Fachverband schon mehrfach deponierten Forderung nach Senkung der Mehrwersteuer auf Übernachtungen. In 17 von 27 EU-Ländern beträgt der Mehrwertsteuersatz auf Logis unter der Hälfte des im jeweiligen Land normalen Mehrwertsteuersatzes. Vor diesem Hintergrund komme der Mehrwertsteuer eine zunehmende Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit der Länder zu.

„Nun ist mir klar, dass in knappen Budgetzeiten die Forderung nach einer Steuersenkung den Stellenwert von einem Wunsch ans Christkind gleichkommt“, weiß Ennemoser, wenn da nicht Deutschland als Fallbeispiel ins Treffen zu führen wäre. Dort wurde die Mehrwertsteuer im Vorjahr von 19 auf 7 Prozent abgesenkt. Für Finanzminister Schäuble hat sich dadurch allerdings keine neue Einnahmenlücke aufgetan, im Gegenteil. Die Anzahl der Nächtigungen hat in Deutschland seither deutlich zugelegt. Unter Strich sind die Mehrwertsteuereinnahmen heute um rund 315 Mio. € höher als vor der Steuerreduzierung.

Eine volkswirtschaftliche Analyse des Linzer Univ.-Prof. Friedrich Schneider prognostiziert ähnliche Effekte für Österreich. Eine Halbierung des Mehrwertsteuersatzes von zehn auf fünf Prozent würde nach seiner Einschätzung einen Mehr­umsatz von 1,3 Mrd. € nach sich ziehen. „Daher fordert der Fachverband Hotellerie eben diese Halbierung des Mehrwertsteuersatzes für Österreich“, sagt Ennemoser.


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Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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