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„Dreimäderlhaus“: Chefin Renate mit den Cousinen Lisi und Uschi (v. l.).

Mein Wirtshaus: Willkommen im Fünfmäderlhaus

22.09.2021

Eine Handvoll starker Gastro-Frauen sorgt im steirischen Ort Schaftal dafür, dass die Backhendln stets frisch paniert sind.

Eine 6.000 Quadratmeter große Erlebniswelt für Kinder lockt Familien mit Kindern an.
Gemütlicher Innenraum: Hier lässt es sich aushalten.

Im Traum war i heut in der Backhendlzeit.“ Dieser Text aus einem Hans-Moser-Lied ist nicht nur eine Liebeserklärung an Österreichs kulinarisches Kulturgut Backhendl, sondern trifft auch inhaltlich kaum sonst wo besser zu als auf den Ort Schaftal mit seinem Gasthaus Griesbauer. Denn in dem kleinen, verträumten Schaftal scheint die Zeit tatsächlich stehen geblieben zu sein: keine 20 Häuser im Ort, unverbaute Landschaft, Kühe auf den Wiesen, fast schon Almcharakter. Wer es nicht weiß, kann es kaum glauben, dass diese Idylle unmittelbar an eine Großstadt grenzt. Denn genau genommen liegt dieser Ort gerade einmal einen Kilometer Luftlinie von der Stadtgrenze von Graz mit seinen 300.000 Einwohnern entfernt.

Nicht verwunderlich also, dass diese Landschaftsidylle schon seit fast 100 Jahren ein Naherholungsgebiet für alle Städter ist, egal ob sie zu Fuß, mit dem Rad oder als Familienausflügler unterwegs sind. Auch früher ging man viel zu Fuß, wobei das gehobene Bürgertum mit der Pferdekutsche anreiste. Heute heißen die Kutschen Porsche, Ferrari oder Tesla. Der Zweck ist aber immer der gleiche geblieben. Prominente ja, doch niemals war der Griesbauer ein Schickimicki-Lokal. Die Klientel war immer schon bunt gemischt, Jung und Alt, vom Studenten bis zum Geschäftsmann, von der 50-plus-Gruppe bis zum Radler-Treffpunkt.

Durch den großen Spielplatz ist das Gasthaus heute besonders familienfreundlich und durch die vielen Sitzplätze sowohl drinnen als auch draußen ein Anziehungspunkt für größere Gruppen und Feiern jeder Art: Taufen, Weihnachtsfeiern, Firmenjubiläen oder einfach nur gemeinsam „anhocken“.

1924 eröffnet

Aber wie ist es dazu gekommen? 1923 kaufte David Unterer, der Großvater der heutigen Chefin, den Griesbauer mit seinem hart verdienten Geld in der Holzindustrie. Am 1. 1. 1924 wurde eröffnet. Als Familienbetrieb, der er bis heute geblieben ist. Lange führten seine Töchter Steffi und Rosi den Betrieb und machten in den 1970er-Jahren den Griesbauer von der Jausenstation zu einer der besten Backhendl-Adressen des Landes und weit über die Grenzen hinaus bekannt.

Steffi ist heute noch da, jeden Tag. Die über 80-Jährige begrüßt die Gäste, hilft in der Küche mit, schält die Erdäpfel, schneidet Karotten oder kümmert sich um das Besteck. Ansonsten hat aber die Tochter Renate das Zepter übernommen, zusammen mit ihren beiden Cousinen Uschi und Lisi. Die Arbeit ist perfekt aufgeteilt. Renate steht am Tischherd, die Cousinen sind für Service (Lisi) und für die Mehlspeisenküche (Uschi) zuständig. Cousine Hilde führt schon seit über 15 Jahren in der Küche ein strenges Regiment und hat die Paniertechnik zur Meisterklasse erhoben. So ist der Griesbauer ein klassischer Familien­betrieb, wo das Stammpersonal aus der Familie kommt. 

Ortszentrum

Chefin Renate hat schon als Kind im Betrieb mitgearbeitet und nach Gastronomieausbildung und Konzessionsprüfung den Betrieb 2006 übernommen. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es auch den Schwerpunkt Landwirtschaft mit ca. 30 Hektar Wiesen und Wäldern, der ab damals jedoch stillgelegt wurde.
Das Gebäude selbst ist über 300 Jahre alt, als Gaststätte wurde der Griesbauer bereits im 19. Jahrhundert erwähnt, und nach dem Krieg waren die Buslinie sowie der asphaltierte Straßenanschluss nach Graz und Schaftalberg die nächsten Meilensteine. Durch die erste öffentliche Fernsprechstelle im Ort, die Telegramm- und Poststelle und den Zigarettenverkauf wurde das Gasthaus praktisch zum Ortszentrum der Gemeinde Kainbach, zu der Schaftal gehört.

Handarbeit

Die frische Zubereitung in Handarbeit wurde immer beibehalten, trotz aller Möglichkeiten der heutigen Zeit. Und das ist auch der Unterschied zu vielen anderen Betrieben: Jedes Hendl wird nicht nur frisch zubereitet, sondern auch frisch paniert, sogar die Eier für die Panade werden immer händisch frisch aufgeschlagen. So gibt es in den Stoßzeiten zwei Personen, die ausschließlich panieren. Prinzipiell wird so gut wie alles selbst gemacht, von der Salatsauce bis zur Malakofftorte.

Die Speisekarte ist relativ klein, dafür ist alles immer frisch. Auch einige Klassiker der österreichischen Küche werden angeboten: Schweinsbraten, Cordon bleu, Wiener Schnitzel, im Sommer der Backhendlsalat mit steirischem Kürbiskernöl und eine Jausenkarte für die hungrigen Spaziergänger und Radfahrer sowie seit heuer auch täglich eine vegane Speise.

Die Zutaten werden alle regional und direkt gekauft wie die Hendln, die Brösel vom regionalen Bäcker, Eier, Bohnen alles aus der Umgebung. Die Weine kommen von der Südsteirischen Weinstraße, z. B. von den Weingütern Skoff oder Regele, wobei Letzterer mit seinem Gelben Muskateller den idealen Begleiter zum Backhendl gefunden hat. Die Rotweine kommen direkt von Weinbauern aus dem Burgenland. Aber sogar Milch oder Topfen werden direkt von benachbarten Produzenten bezogen. Durch die hohe Qualität nimmt die Gästezahl zu, oft an der Grenze zur Belastbarkeit für Küche und Service. Und in der heutigen Stress- und Fastfood-Zeit will es auch nicht jeder Gast immer wahrhaben, dass ein gutes Backhendl Zeit braucht und alles frisch zubereitet noch einmal ein paar Minuten mehr.

Spielplatz lockt Familien an

Besondere Attraktion ist der neue Spielplatz auf über 6.000 Quadratmetern, unter anderem seit wenigen Wochen mit dem ersten Kinder-Labyrinth in Österreich. 

Durch die riesige Außenanlage bzw. den großen Gastgarten ist man bisher gut über die Corona-­Einschränkungen hinweggekommen. Das Abholgeschäft hat es zwar immer gegeben, wurde aber in dieser Periode weiter ausgebaut. 
Für die Zukunft gibt es schon die nächsten Projekte, die den Standort stärken sollen. Das laufende Investment in den eigenen Betrieb sieht weitere Attraktionen vor, wie einen Wanderweg mit Waldlehrpfad und Schau-Kräutergarten sowie eine Rutschbahn für die Kinder vom gegenüberliegenden Wiesenhang direkt in die Erlebniswelt Griesbauer.  

Autor/in:
Martin Kienreich
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