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Michael Struck möchte weiter expandieren.

Meister der Reduktion

01.06.2017

Michael Struck ist mit seinen Ruby Hotels auf Expansionskurs und setzt dabei ganz auf „Lean Luxury“. Die ÖGZ sprach mit dem Gründer und CEO über neue Projekte und die Kunst, Charakter und Seele zu zeigen, und dennoch reduziert zu sein.

 

Spiegel machen die Zimmer größer - wie im Ruby Marie in Wien.

Herr Struck, Sie eröffnen Ihre Hotels in schwindelerregendem Tempo. Geht das so weiter?
Michael Struck: Na hoffentlich! Für heuer ist noch die Ruby Coco in Düsseldorf geplant, und für 2018 sind drei Häuser fix. Das wären dann acht Standorte bis Ende 2018.

Man hört, dass Sie in der Wahl Ihrer Standorte schnell entschlossen sind.
Ich entscheide schnell, aber das heißt nicht, dass wir nicht jeden Standort genau analysieren. 

Das Analysieren haben Sie in Ihrer Bostoner Consulting-Zeit gelernt …
Den Grundstock sicher. Wichtiger waren meine Jahre in der Schörghuber-Unternehmensgruppe. Dort habe ich für die Arabella und die Arabella-Starwood-Hotels Entwicklung, Immobilien und touristische Geschäfte geleitet. Später habe ich die Kameha-, Gold-Inn- und Dormero-Hotelgruppen aufgebaut. 

Da kamen Ihnen die Ideen für Ihre eigene Kette?
Ich sehe meine Häuser nicht als Kette. Das klingt nach dem seelenlosen Multiplizieren eines Grundkonzepts. Ich will, dass jedes Haus einen eigenen Charakter hat, eine eigene lokale Seele. Für mich sind sie Schwestern, unterschiedlich, aber sie gehören zur selben Familie.  

Wo kommen die Vornamen her? Die Ruby Sofie in der Marxergasse bezieht sich auf die Sofiensäle, die Ruby Marie auf die Mariahilfer Straße …
… und die Ruby Lissi am Fleischmarkt auf die Kaiserin Elisabeth. Die Ruby Lilly in München erinnert an die große unerfüllte Liebe des „Monaco Franze“. 

Und die Ideen für das Grundkonzept, wo kamen die her? 
Ganz einfach: Sie müssen sich nur die Gästebewertungen in der Vier- und Fünf-Sterne-Hotellerie anschauen. Was hat den Gästen gefallen, was nicht? Das Gute übernehmen Sie, das nicht so Gute lassen Sie weg. Marktforschung ist heutzutage recht einfach. (lacht)

Bis jetzt sind alle Häuser in guten Citylagen, aber nicht direkt im Zentrum.
So wird es auch bleiben. „Lean Luxury“ heißt, dass wir dem Gast jeden Luxus bieten, den er wirklich nutzt, aber alles weglassen, was er nicht braucht und was den Aufenthalt unnötig teuer macht. Deshalb ist die Lissi nicht direkt am Stephansplatz wie das Do&Co Hotel, sondern zwei Blocks entfernt am Fleischmarkt. So können wir die Nacht ab 69 Euro anbieten.

Die Zimmer sind kleiner …
… weil sich Gäste darin ohnehin nur zum Schlafen und Duschen aufhalten. Zum Ausgleich bekommen sie jeden erdenklichen Luxus. Bei der Einrichtung der Zimmer haben wir mit optischen Kniffen gearbeitet, damit sie groß und edel scheinen, von Spiegeln bis Glasduschen. Das Design ist erstklassig, die Materialien erlesen. Und die Details stimmen: von der überlangen High-Class-Matratze bis zum 1.700- Watt-Fön, damit die Damen ihre Haare schneller trocknen können. 

Und auf alles, was wenig genutzt wird, haben Sie verzichtet?
Neben der Fläche ist das Personal der größte Kostenblock. Die meisten Hoteliers schrauben nur am Personal-
block, wir an beidem. Es gibt kein Roomservice und keine Minibar. Beides ist sehr personalintensiv, wird aber nur von wenigen Gästen genutzt, Roomservice etwa nur von einem Prozent. Bei uns steht in jedem Stockwerk eine Galley-Kitchen, dort gibt es Getränke, Snacks und eine Bügelstation. Jedes Haus hat eine stylische Bar mit ausgewählten kleinen Speisen, die wird sehr gern frequentiert. In unserer „Library“ lässt es sich gut arbeiten oder einfach entspannen. Dort können die Gäste „alone together“ sein, wenn ihnen danach ist. Auf ein teures Restaurant haben wir verzichtet. Wozu auch? Im Umkreis gibt es genug Gastronomie. 

Die Lobbys sind sehr kuschelig …
Warum sollten sie größer sein? Der Gast hat online gebucht und online eingecheckt. Der Rezeptionist händigt ihm nur noch seine Keycard aus. Wenn der Gast wieder auscheckt, geht er einfach, weil die Zentrale ohnehin alles über seine Kreditkarte abrechnet. Minibar hat er ja keine gehabt. Die Keycard kann er gerne als Souvenir behalten. Die Sofie kommt mit neun Mitarbeitern aus, weil jeder mehrere Rollen hat. Die Rezeptionistin ist gleichzeitig Barkeeper, Kellner und Concièrge, und in der Nachtschicht bereitet sie das Frühstück vor.

Und die Zentrale rechnet alle Häuser ab.
Genau. Hier nutzen wir den Skaleneffekt: je mehr Häuser, desto günstiger.

Wenn Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren und alles weglassen, was nicht unerlässlich ist – warum dann Schnickschnack wie die Marshall-Verstärker in den Zimmern und E-Gitarren zum Ausborgen? 
Weil mir Musik wichtig ist. Ich wollte selbst mal Pianist werden. Musik ist Teil der Seele der Häuser, das zeigen wir auch mit DJs, Live-Konzerten und Jamsessions, die wir regelmäßig organisieren. Oder mit unserem Internet-Stream „Ruby-Radio“. Nach vorne, in Richtung Gast, zeigen wir Charakter und Seele, in jedem Haus auf seine Art. Nach hinten, bei den Verwaltungs- und Abwicklungsfunktionen, sind wir maximal standardisiert. Deswegen lässt sich alles so leicht multiplizieren.

Interview: Mara Leicht

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