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Menage in der Manege

06.11.2006

Herbstzeit ist Gastro-Zirkuszeit! Während in Wien Reinhard Gerers Palazzo in seine fünfte Saison startet, haben Eckart Witzigmann und Bernhard Paul mit dem Bajazzo in München eine neue Show gestartet.

Essen im Zirkus ist nach wie vor ein Bombengeschäft, zumindest wenn man es richtig macht. In Wien geht ab Freitag, den 27. Oktober Reinhard Gerers Palazzo in seine fünfte Spielzeit.
Und auch in Deutschland laufen die Palazzo-Aufführungen nach wie vor vor ausverkauften Zelten.
Auch Ableger in Amsterdam, Basel, Zürich sowie ab Mitte November in Prag sind laut Veranstalter bestens gebucht. Nachdem Eckart Witzigmann – Österreichs bekanntester Koch in Deutschland – seit 2001 gemeinsam mit der Palazzo-Veranstaltungsgesellschaft zusammengearbeitet hatte, wurde der Vertrag nicht mehr verlängert. Ebenfalls ab 27. Oktober kocht jetzt Alfons Schuhbeck im Münchner Palazzo-Zelt.
Zwei Österreicher geben Gas
Eckart Witzigmann wollte auf dieses lukrative Segment der Event-Gastronomie jedoch nicht verzichten und hat gemeinsam mit Bernhard Paul, der als Direktor des Zirkus Roncalli seit Jahren von Köln aus Deutschland mit gekonnten Inszenierungen begeistert, ein neues Projekt gestartet.
Die Premieren-Veranstaltung ging am Dienstag, den 17. Oktober in einem neuen 450 Personen fassenden Spiegelzelt im Münchner Schlossviertel Nymphenburg über die Bühne.
Weitere Bajazzo-Spielorte sind Düsseldorf, Köln, Frankfurt und Hamburg.
Dass sowohl das neu gegründete Witzigmann-Paul-Unternehmen namens „Bajazzo“ wie auch die bisherigen Palazzo-Platzhirschen nicht als „Wanderzirkus“ fungieren, sondern gleichzeitig in mehreren Städten auftreten, hat mit der Besonderheit des Geschäfts zu tun. Neben einer perfekten Logistik und einem Netzwerk an Künstlern geht es um einen Termin im Spätherbst.
Firmen statt Kinder
Gerade vor Weihnachten, wenn viele Firmen ihren Mitarbeitern oder Kunden etwas „Besonderes“ bieten wollen, bietet sich für Unternehmen ein Besuch eines Zirkus-Zeltes an.
Erstens versprechen die klingenden Namen der Köche (Witzigmann, Schuhbeck, Gerer), dass es tatsächlich hervorragende Gala-Menüs gibt, mit denen sich der Einladende vor seinen Gästen keine Blöße gibt. Und zweitens sorgt ein hochkarätiges Showprogramm dafür, dass das Tischgespräch in den Pausen zwischen den einzelnen Acts in Bewegung kommt.
Dafür sind z. B. in Wien zwischen 89 € und 139 € pro Person (exklusive) Getränke zu berappen, je nachdem, wo im Zelt man sitzt bzw. an welchem Wochentag man kommt. Beim Münchner Bajazzo ist das Preisniveau mit 99 € bis 147 € etwas höher als in Wien.
Eine enge Kalkulation
Trotz der recht stolzen Preise rechnet sich eine Aufführung nur, wenn sie so gut wie ausverkauft ist. Schließlich haben die Veranstalter – im Gegensatz zu herkömmlichen Gastronomiebetrieben – fast nur Fixkosten.
Um die Zelte Abend für Abend voll zu bekommen, ist neben stimmiger Werbung vor allem der Ruf des Veranstalters entscheidend, berichtet Oliver Jauk, der fürs Marketing der Wiener Palazzo-Produktionen verantwortlich ist und schon die fünfte Auflage der Show betreut.

Kamen zur ersten Wiener Palazzo-Staffel, die im Jänner 2003 beim Schloss Schönbrunn über die Bühne ging, nur bescheidene 6.000 Gäste, so konnten schon im darauf folgenden Herbst 20.000 Gäste begrüßt werden. Im vergangenen Herbst waren es bereits 30.000 Besucher. Ein Ergebnis, das man laut Oliver Jauk heuer noch toppen will: „Wenn es gut gemacht ist, kommen Gäste gerne immer wieder. Das ist wie bei einem normalen Zirkus, da geht man ja auch nicht nur einmal im Leben hin.“
Gut gemacht bedeutet, dass die gastronomische Leistung immer gleich gut ist, das Programm jedoch Jahr für Jahr wechselt. Dies wurde durch die Ausweitung des Konzepts auf mehrere Spielorte deutlich erleichtert.
Neben einer kompetenten Vermarktung der Abende sind es also vor allem die drei Komponenten Küche, Service und künstlerische Programmgestaltung, die zu einer gelungenen Aufführung dazugehören.
Was das kulinarische Konzept betrifft, gehen die beiden österreichischen Top-Köche Witzigmann in München und Gerer in Wien aus verständlichen Gründen sehr ähnliche Wege.
Vier simple Gänge mit jeder Menge edler Zutaten sorgen dafür, dass das Dinner trotz schwierigem Ambiente immer gelingt.
Der klassische Palazzo in Wien hat mehr „Varieté-Charakter“ und bietet im Vergleich der beiden Aufführungen die größere künstlerische Abwechslung.
Der Münchner Bajazzo setzt mit der „Allstar-Band“ hingegen auf ein fetziges Musical-Konzept, bei dem vor allem die Ohrwürmer der Zielgruppe (45 plus) gekonnt inszeniert werden.
Beide Programme eint jedoch die absolut professionelle Umsetzung eines Konzepts, das in dieser Form wohl noch einige Zeit für volle Zelte sorgen wird.

Infos: www.palazzo.org bzw. www.witzigmann-bajazzo.de

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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