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Mini-Hotels für junges Publikum

16.07.2018

Hotels mit der charmanten Größe einer Privatunterkunft, dem vertrauten Service von Hotelketten und dem hippen Look von Boutique-Hotels boomen. Ein Erklärungsversuch der ÖGZ am Beispiel der „Autor Rooms“ in Warschau.
 

Der Boden knarzt. Auf den honigbraunen Parkettboden fallen die ersten Sonnenstrahlen des Tages durch hohe Fenster, vor denen der Tag in Warschau beginnt. Mitten im Zentrum der polnischen Hauptstadt versteckt sich im dritten Stock in einem Altbau eines der hippsten Hotels Warschaus. Autor Rooms ist eines jener Mini-Hotels, die aus dem Boden schießen und sich vor allem in der Zielgruppe der reiseaffinen Millennials großer Beliebtheit erfreuen. Das Konzept mit dem Feeling zwischen privater Airbnb-Wohnung, Hotelbrand mit solidem Service und coolem Boutique-Hotel kommt an, nicht zuletzt wegen stark individueller Gastroideen.

Altbauwohnung als Hotel

In der 200 Quadratmeter großen Altbauwohnung gibt es vier Zimmer zwischen 18 und 37 Quadratmetern, die je nach Saison um 75 bis 120 Euro pro Person verkauft werden – und das erfolgreich. „Die Buchungslage ist sehr gut. In der Hochsaison sind wir immer ausgebucht“, so Hospitality-Manager Barthelemy Bienfait. „In der Low Season kann es passieren, dass wir einen oder zwei Tage keine Gäste haben.“ Dann reagiert das Team kreativ: „Wir vermieten die Räume für Fotoshootings oder Events.“ Am Ende des Tages bleibt natürlich immer die Frage nach der Rentabilität eines Hotelbetriebes, egal ob mit vier oder 400 Betten. Große Hotelketten können Defizite durch besser laufende Häuser an anderen Standorten kompensieren – ein Vorteil, der kleinen Hotels fehlt: Fällt die Auslastung unter die Marke von 50 Prozent, ist es schwer, den Betrieb aufrechtzuerhalten. 
Der Erfolg von Autor Rooms misst sich aber nur vordergründig an der stabilen Buchungslage; das Geheimnis des Erfolges liegt im Konzept, das überhaupt erst zu den Buchungen führt: „Wir bedienen eine Nische zwischen billigem Hostel und Privatunterkunft auf der einen Seite und großen Brands und Luxushotels auf der anderen.“ Das Personal besteht aus acht Personen: Hospitality-Manager, Koch, drei Concierges – und drei Besitzer, die auch Partner in der Warschauer Kreativagentur Mamastudio sind: Sie hatten die Idee zu Autor Rooms und entwickelten die Marke. „Wir behandeln jeden Gast wie einen Freund, mit dem wir unsere beste Seite teilen wollen“, so das Trio über die Vision. Die beinhaltet auch ein stark personalisiertes Service: Wer bucht, bekommt nicht nur einen Schlüssel zu einem Zimmer, sondern zur ganzen Stadt, lautet das Credo. Statt einer Rezeption checkt man im Living Room ein, einem lichtdurchfluteten Raum, in dem es rund um die Uhr kostenlos Getränke für die Hotelgäste gibt. Zudem ist immer jemand da, der Tipps abseits der ausgetretenen Pfade gibt: von raren Opernkarten über eine Graffititour bis hin zu Tickets für die besten Nachtclubs. Im Living Room wird auch das Frühstück serviert, für jeden Gast frisch, individuell und zu einer Uhrzeit, die er bestimmt, auch am Nachmittag. Zudem arbeitet das Hotel mit einem Restaurant zusammen, das Gästen das Dinner direkt ins Zimmer liefert und serviert. Das größte Alleinstellungsmerkmal liegt aber im Design: Jedes Zimmer ist anders eingerichtet, das Interieur stammt von lokalen Designern und Start-ups, mit denen man kooperiert – die nächste Win-win-Situation: „Wenn einem Gast ein Stück aus unserem Hotel gefällt, stellen wir den Kontakt zum lokalen Designer her.“

 

Jasmin Kreulitsch, Warschau

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