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Horst Moser hat vor zwanzig Jahren die Biogast gegründet.

Mit Bio hebt man sich von der Masse ab

03.10.2019

Die Biogast wird 20 Jahre alt. Wir haben den Gründer und Geschäftsführer Horst Moser auf der neunten Biogast-Messe in Wels getroffen und mit ihm über Bio im Landgasthof gesprochen.
 

Reichlich Betrieb auf der Biogast-Messe in Wels.
Bio-Lebensmittel gibt es mittlerweile in jedem Bereich: vom Whisky bis zum Ziegenkäse.

Zwischen 1992 und 1998 betrieb Horst Moser zusammen mit einem Partner einen Großhandel für den Biofachhandel. Dann stieg er aus und gründete 1999 mit der Biogast einen Großhandel speziell für die Gastronomie. Damals traf er auf viele Leute in der Gastronomie, die nichts mit Bio anfangen konnten. „Da musste ich noch viel Überzeugungsarbeit leisten und habe auch selbst eine Menge über Bio gelernt“, erinnert er sich. 2004 ist Christof Kastner auf ihn zugekommen. Der hatte einen Artikel über den Biogroßhändler in der ÖGZ gelesen. „Wir bei Kastner hatten uns schon seit ein paar Jahren mit dem Thema Bio beschäftigt“, erinnert sich Christof Kastner. „Mein Vater war 20 Jahre Umweltgemeinderat in Zwettl.“ 
Kastner hatte zwei Jahre zuvor Bio-lebensmittel ins Sortiment genommen, war aber noch nicht zufrieden. Ihm fehlten die Connections in die Bioszene. Die hatte Horst Moser. Umgekehrt konnte Kastner beim Thema Logistik helfen. Also tat man sich zusammen. Seit 2005 ist Kastner an der Biogast beteiligt – und hat das nie bereut. „Im Gegenteil: Bio ist ein absolutes Wachstumssegment“, sagt Christof Kastner. Heute liegt der Anteil von Bio bei über 20 % des Gesamtumsatzes von Kastner. Den Einkauf und das Sortiment von Biogast verantwortet bis heute Horst Moser und sein Team. 

ÖGZ: Wie entwickelt sich Bio in der Gastronomie?
Horst Moser: Das Interesse in der Gastronomie steigt seit Jahren kontinuierlich. Von unseren Umsätzen gehen rund 25 Prozent in die Gastronomie. Aber verglichen mit dem LEH ist der Anteil an Bio in der Gastronomie generell immer noch verschwindend klein.

Warum sind die Gastronomen so zurückhaltend?
Es ist sicher eine Preisfrage. Auch die Zertifizierung ist ein Thema. Obwohl es keine Verpflichtung gibt, sich zertifizieren zu lassen, wenn man Bio auf die Karte setzt. Was meiner Meinung nach nicht richtig ist, weil es jene benachteiligt, die sich zertifizieren lassen. Es sollte zumindest die Verpflichtung zu einer Teilzertifizierung geben. Damit die Ehrlichen nicht die Dummen sind. 

Geht es bei Bio nicht letztlich auch um Qualität? Oder um das Tierwohl?
Da kommt vieles zusammen. Der CO2-Ausstoß der biologisch wirtschaftenden Landwirtschaft ist weit niedriger als in der konventionellen. Auch der Geschmack ist ein Thema: Bio muss besser schmecken. Das ist der Anspruch.
Ist mittlerweile nicht Regionalität wichtiger als Bio?
Für mich ist das eine Augenauswischerei. Was heißt denn Regionalität? Ist das ein Qualitätsbegriff? Nein! Bio ist ein Qualitätsbegriff. Regionalität ist gut für die Wertschöpfung in der Region. Auch kurze Wege sind gut. Aber wenn man das konsequent zu Ende denkt, landet man bei Bio. Regional ist gut, Bio ist besser.

Interessieren sich Gastronomen für Fragen des Tierwohls?
Ich würde es mir wünschen! Und ich setze auf die junge Generation. Bio wird immer mehr werden. Weil auch die Gäste immer mehr danach fragen. Ich bin seit 1992 in der Bio-Branche tätig. Damals wurde ich belächelt. Mittlerweile liegt der Bio-Anteil in der Landwirtschaft in Österreich bei rund 25 Prozent. Bio ist in der Gesellschaft angekommen. Jetzt ist genau der richtige Moment, um sich als Gastronom mit Bio zu positionieren: Es gibt eine Nachfrage, und ich kann mich von der Masse abheben. Mit Bio biete ich ein qualitativ besseres Produkt, das ich zu einem besseren Preis verkaufen kann. 

Was raten Sie einem Landgasthof mit preissensibler und konservativer Kundschaft?
Er sollte damit anfangen, regional-biologisch einzukaufen und mit seinen Gästen darüber zu kommunizieren. Er sollte über Qualität reden. Oder nehmen Sie Teigwaren, da ist der Preis von unseren Bioprodukten oft sogar günstiger als der von konventioneller Markenware. Auch bei Milchprodukten geht das recht einfach. Und bei einer Bio-Bäckerei wie Öfferl schmeckt man einfach den Unterschied. Ich würde ganze Komponenten austauschen und das kommunizieren: Alle meine Milchprodukte sind jetzt Bio. Oder mein Rindfleisch ist komplett  Bio und aus der Region. Beim Gemüse kann ich einen saisonalen Schwerpunkt setzen, dann ist Bio manchmal sogar günstiger. Auch hier schmeckt man einfach den Unterschied.

Wirkt sich bei Ihnen der Trend zum Vegetarischen und Veganen aus?
Wir werden das auf der kommenden „Gast“ in Salzburg ausprobieren. Dazu wird es einen Schwerpunkt gemeinsam mit der Veganen Gesellschaft geben. Auch auf diesen Trend muss die Gastronomie eine Antwort finden. 

Kann man Flüssgei in Bio-Qualität bekommen?
Ja, kein Problem. Auch aus Österreich. Und das schon seit Jahren.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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