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Mitarbeiternotstand

28.08.2015

Eine Rekordnächtigungszahl jagt momentan die nächste. Aber die gute Auslastung hat die Schattenseite Personalnotstand. Österreichs Hoteliers und Gastronomen geht das Personal aus.

In den touristischen Hochburgen finden sie schon lange nicht mehr genügend Einheimische. Vor allem Köche/-innen und Kellner/-innen sind Mangelware. Lange Zeit sind (Ost-)Deutsche eingesprungen. Aber die kehren nun wieder zurück nach Sachsen oder Thüringen, wo sie mittlerweile im Tourismus gebraucht werden. Ihre Rolle haben Ungarn und Slowaken übernommen, die mittlerweile nicht nur in Ostösterreich arbeiten, sondern bis nach Tirol auf Saison gehen.
Und außerhalb der Saison? Gehen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Tourismus stempeln. 2014 lag die Arbeitslosenrate in der Zwischensaison bei offiziellen 17,3 %. Das bezahlen die, die noch arbeiten. Deshalb wäre ein Kurzarbeitmodell für den Tourismus eine gute Idee, damit die Mitarbeiter ganzjährig beschäftigt bleiben können. Die Gewerkschaft lehnt das ab. Sie fordert eine bessere Bezahlung. So denkt auch die breite Mehrheit: Reiche Hoteliers beuten arme Saisonarbeiter aus. Stimmt das?
Drei Beispiele aus aktuellen Stellenangeboten: Wiener Vier-Sterne-Kongresshotel sucht Sous-Chef und bietet 1.809 (KV) plus Überzahlung je nach Qualifikation und Bereitschaft zu Früh-, Spät- und Wochenenddiensten. Housekeeping/Reinigungskraft für Kärntner Wellnesshotel: 1.180 netto plus Überbezahlung, Kost & Logis im Einzelzimmer, Wellnessbereich kann kostenlos benutzt werden, betriebliche PV und vieles mehr. Chef de Rang im Tiroler Oberland: 1.885 brutto plus Kost & Logis und Wellness. Alle bekommen Dienstvertrag, ganzjährig. Ist das wirklich so schlecht? Arbeiten, wo andere Urlaub machen? Mietfrei wohnen? Wellnessanlage nebenan? Lieber an der Supermarktkasse sitzen als in Kärnten Betten machen? Ein Problem bleiben die unattraktiven Arbeitszeiten: Abends bis ein Uhr kellnern und am nächsten Morgen Frühstück machen? Das verlangen viele Hoteliers. Das kann man auch anders organisieren, oder?

t.vierich@wirtschaftsverlag.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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