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Blick auf die Therme Stegersbach mit den vier Wellness-Hotels: Falkensteiner, Puchas Plus, Larimar und Allegria.

Modelregion für die Energiewende

22.05.2019

In der Region Oberwart-Stegersbach lässt sich schon heute in die Energiezukunft blicken. Hotels können eine wichtige Rolle dabei spielen 

Rathausdach Ollersdorf mit Photovoltaik-Anlage.

Wenn vor zehn Jahren über die Energiezukunft gesprochen wurde, hörte sich das alles noch etwas kryptisch an. Man sprach von Smart Grids, davon, dass Unternehmen zu kleinen, dezentralen Energieproduzenten werden sollen. Das alles klang noch weit weg, der Strom kam aus großen Kraftwerken, betrieben von den großen Energieversorgern. 

Dass das alles heute keine Zukunftsmusik mehr ist, zeigt sich beispielsweise in der Innovationslabor-Region Oberwart-Stegersbach im Südburgenland. Und ein wichtiger Faktor bei der Umsetzung sind Tourismusbetriebe, wie beispielsweise die großen Thermenhotels der Gegend. 

Experten vor Ort

Heuer fand dort auf Initiative des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie die „Mission Innovation Austria Week“ statt, wo internationale Energieexperten über Innovationen, Forschungen und Lösungen zur Energiewende diskutierten. Die ÖGZ nützte diesen Anlass, um sich vor Ort ein Bild zu machen. 

Worum geht es? In zehn Gemeinden mit der überschaubaren Größe von insgesamt rund 20.000 Einwohnern hat man eine Modellregion geschaffen, die Prototyp eines regionalen Energiesystems werden soll. Es geht darum, genauso viel Energie zu gewinnen, wie die Region letztendlich verbraucht. Die Initiatoren haben bewusst eine Region gewählt, deren geografische und demografische Struktur eine Duplizierbarkeit auf andere Gemeindeverbände ermöglicht. 
Der Initiator des Programms „Stadt der Zukunft“ ist die Initiative act4.en-ergy. Initiator Andreas Schneemann versucht, neben den Gemeinden, Hotels und anderen Unternehmen auch Private mit an Bord zu holen. Je mehr, desto besser. „Jeder, der kann, soll seinen Strom selber produzieren, nur so kann die Energiewende gelingen“, sagt Schneemann im Gespräch mit der ÖGZ. Seine Initiative hilft dabei. 

Wie, das sieht man beispielsweise im Hotel Allegria, in dem auch die Mission Innovation Austria Week stattfindet. Für den Betrieb der 80 E-Golfcars hat man Photovoltaikanlagen auf den Carboards installiert. Zehn Ladestationen für E-Autos sind außerdem in Betrieb. E-Mobilität ist ein wichtiger Baustein beim Gelingen der Energiewende. Denn die Akkus der Fahrzeuge dienen als Speicher der produzierten Energie, solche Batteriespeicher sind neben thermischen Speichern wichtig, um die Modellregion am Laufen zu halten. Strom, Wärme und Mobilität greifen hier ineinander. 

Alle sollen Strom erzeugen

Apropos Strom: Am Dach des Alle-gria befinden sich zwei große Photo-voltaikanlagen. Betrieben werden sie nicht etwa von Allegria selbst, sondern von Andreas Schneemanns act4.energy. Das Angebot für Hotels lautet: Man stellt seine Dachflächen zur Verfügung, und diese werden dann für genau 12,5 Jahre zur Stromerzeugung genutzt, davon hat man als Hotel zunächst nichts, der Strom wird eingespeist. Nach Ablauf der 12,5 Jahre geht die Anlage aber ins Eigentum des Hotels über.

Es sind Projekte wie diese, mit denen die Anzahl der Anlagen gesteigert werden soll. Mehr als 400 Anlagen stehen bereits in der Modellregion. Bald sollen es 500 sein. Was alles möglich ist, zeigt ein Blick in den Nachbarort Ollersdorf. Dort entstand ein Salzwasserspeicher, in dem die überschüssige Energie gespeichert wird, selbst auf der Dorfkirche wurde Photovoltaik installiert. Es sind alles kleine Schritte, die aber als Kette einen großen Schritt vorwärts bedeuten können, wenn jeder mitmacht. 

Binnen eines Tages kommt so viel Energie von der Sonne, dass sie den Jahresverbrauch ganz Österreichs decken könnte. Es geht darum, diese bestmöglich zu verwerten. Dass in einem Land, dessen Tourismusverband mit 300 Sonnentagen im Jahr werben kann, auf Sonnenenergie gesetzt wird, liegt auf der Hand. Dem ist sich auch Hotelier Josef Puchas bewusst. Der fidele Unternehmer, den es aus der Steiermark ins Burgenland verschlagen hat, meint, dass Sonnenkollektoren am Dach auch gut fürs Image sind. „Die Leute schauen immer mehr aufs Grüne.“ Im Sommer, wenn die Klimaanlage in Dauerbetrieb ist, deckt er mit der Eigenproduktion den Verbrauch. Einspeisen zahle sich aber nicht aus, sagt der Hotelier, er verbrauche alles selbst. 

Autor/in:
Daniel Nutz
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