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Mogelpackung Wirtepaket

13.05.2020

Die Kritik am „Wirtepaket“, das von Seiten der Regierung als großer Wurf präsentiert wurde, wird größer. Die Prodinger Steuerberatung, spezialisiert auf Tourismusbetriebe, zum Beispiel hat die realen Auswirkungen der angekündigten Umsatzsteuersenkung an drei Modellbetrieben (beruhend auf echten Zahlen für 2019) berechnet. Und kommt auf ganz andere Zahlen als die von Finanzminister Gernot Blümel angeführten.

Die Senkung der Umsatzsteuer soll ab 1.Juli schlagend werden und bis Jahresende gelten. Prodinger hat für drei Beispiel-Betriebe die Auswirkungen berechnet. Die Umsatzzahlen stellen Ist-Zahlen aus 2019 dar, die Berechnung der Auswirkungen wurde für ein halbes Jahr erstellt aufgrund der angekündigten Senkung bis Ende des Jahres. Die Basiszahlen stammen aus dem wirtschaftlich sehr guten Jahr 2019. Für die zweite Jahreshälfte 2020 wurde daher ein 50%iger Umsatzrückgang berücksichtigt. „Dieser Rückgang ist aus unserer Sicht realistisch, da die Gastronomie vor allem auf Touristen angewiesen ist und hier noch sehr viele Unklarheiten vorliegen“, sagt Roland Pfeffer von Prodinger.

Durch die Senkung der Umsatzsteuer auf alkoholfreie Getränken steigt die Belastung durch Sozialversicherung. Eine Einkommensteuerbelastung wurde nicht berücksichtigt, da heuer ein Verlustjahr eintreten wird.

 

Die Beispielrechnung in Tausend Euro

 

 
Gesamtumsatz 2019 in Tsd. Euro
Umsatz AF Getränke
Vorteil durch gesenkte Umsatzsteuer
Nachteile durch erhöhte Sozialversicherung
Abgabenersparnis 2020
Abgabenersparnis monatlich
Betrieb in zentraler ländlicher Lage 444,24 37,39 0,85 -0,23 0,62 0,10
Kaffeehaus mit Gastronomie in ländlicher Lage 266,30 71,15 1,62 -0,43 1,18 0,20
Witrshaus in Wien 629,94 73,93 1,68 -0,45 1,23 0,20

Hinzuweisen ist, dass hier noch keine Verwaltungskosten berücksichtigt sind. Zum einen wird die Änderung der Umsatzsteuersätze unterjährig Umstellungsarbeiten im Rechnungswesen erfordern. Weiters werden die Registrierkassen und Gastroprogramme Updates erfordern, was zu zusätzlichem Aufwand führt. „Unter Berücksichtigung dieser Kosten ist fraglich, ob ein positiver Effekt verbleibt und sich dieser Verwaltungsaufwand überhaupt lohnt“, sagt Steuerexperte Pfeffer.

 

620 Euro weniger Steuern

Das bedeutet also, dass ein Landwirtshaus mit geschätztem 444.000 Euro Umsatz auf lediglich 620 Euro Ersparnis käme – aufs ganze Jahr 2020 hochgerechnet! Das ist wirklich nur ein ausgesprochen laues Lüftchen in der allgemeinen Flaute. Richtig lohnen tut sich eine Senkung der Mehrwertsteuer auf alkoholfreie Getränke nur bei Gastroriesen wie McDonald's. Eine Senkung auf alkoholische Getränke war laut Regierung aufgrund von EU-Vorgaben nicht möglich. In Deutschland senkt man die Umsatzsteuer auf Speisen von 19 auf 7 Prozent und belässt es beim Steuersatz auf Getränke von 19 Prozent. Aber auch in Deutschland zweifeln Experten, ob das der Gastronomie wirklich hilft. Trotzdem ist auch dort das Geschrei derer, die hier eine unzulässige Bevorteilung einer bestimmten Branche sehen, groß.

Blümel rechnet anders

Als die Regierung das Wirtepaket präsentierte, rechnete Finanzminiuster Blümel ganz anders:

Ein Gastronomiebetrieb in einer mittelgroßen Gemeinde (7.000 Einwohner):

•             Umsatz pro Jahr: 160.000 Euro

•             Steuern pro Jahr: 6.260 Euro

•             Steuern Neu: 2.390 Euro (Reduktion um mehr als 60%)

20 oder 200 Millionen?

Rechnet man die Prodinger-Zahlen zusammen, kommt man bei einem österreichischen Durchschnittsbetrieb auf rund 500 Euro Steuerersparnis. Das macht bei 40.000 Gastronomiebetrieben in Österreich eine Gesamtsumme von 20 Millionen Euro. Die Regierung spricht von 200 Millionen….

 

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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