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Mordalarm im Wiener Café

28.11.2006

Morde über Morde, aber das Wiener Kaffeehaus lebt ! Es war die mörderischste Nacht, die Wien erlebte - hunderte Morde innerhalb von wenigen Stunden.Bei der zweiten Wiener Kriminacht stürmten gleich 16.000 Besucher dieWiener Kaffeehäuser.

Die Krimiautoren der zweiten Wiener Kriminacht im Kaffeehaus beim Eröffnungsfest

Serienmorde, Meuchelmorde, Eifersuchtsmorde, Giftmorde - und natürlich jede Menge Polizistinnen und Polizisten, Ermittler, Detektive - Mordalarm in allen 23 Bezirken, und - typisch für Wien, alle Morde wurden in Kaffeehäusern verübt. Am 28. September fand das zweite Gipfel-Treffen der Krimi-Autoren im Rahmen der „Kriminacht im Wiener Kaffeehaus“ statt. Es war wahrlich eine mörderische Nacht für 52 Wiener Kaffeehäuser, die von rund 16.000 Besuchern gestürmt wurden. „Wir wollen mit dieser Aktion durchaus die Erinnerung an die großen Zeiten der Wiener Literaten-Cafés aufrechterhalten, gleichzeitig aber auch unsere Kaffeehäuser als Orte der Begegnung vorstellen“, erklärt Günter Ferstl, Fachgruppenobmann der Wiener Kaffeehäuser.

Große Krimi-Autoren
Schon zur Premiere der Kriminacht kamen bekannte nationale und internationale Autoren, allen voran Donna Leon, die ihren 13. Brunetti-Roman vorstellte. Auch diesmal lasen in über 50 Kaffeehäusern mehr als 60 internationale und nationale Autoren und über 15 Schauspieler (Erika Pluhar, Nina Proll, Adi Hirschal und Heinz Holecek) aus aktuellen Krimis. Stargast 2006 war die Italo-Engländerin Magdalen Nabb, deren Maresciallo Guarnaccia schon seit Jahren erfolgreich am Arno ermittelt. einige Wien-Bezüge hat Star-Autorin Magdalen Nabb: „Ich habe diese Einladung nur angenommen, weil jetzt „Sturm-Zeit“ ist, denn ich liebe Sturm - und Champagner !“ In Wien war die seit den 70er Jahren in Florenz lebende gebürtige Engländerin schon öfter, sei es wegen der Breughel-Bilder oder der Lippizaner - hatte sie doch selbst einen der weißen Hengste in ihrem Besitz! „Meine Geschichten bekomme ich von den Carabinieris. In einem Krimi sind immer drei wahre Kriminalfälle verpackt“, so Magdalen Nabb, die im Café Bräunerhof ihr neuestes Maresciallo Guarnaccia-Buch („Eine Japanerin in Florenz“) vorstellte. Ein kalter Schauer lief auch den Zuhörern bei einer Melange im Café Lusthaus über den Rücken, als der Däne Leif Davidsen aus seinem neuen Thriller „Der Feind im Spiegel“ las. Aus Berlin wiederum reiste Leonie Swann an, die mit ihrem Krimi „Glenkill“, in dem Schafe ermitteln, für Furore sorgte, oder der ebenfalls aus Deutschland kommende und in Istanbul geborene Akif Pirincci, der mit seinen Katzenkrimis, die in 17 Sprachen übersetzt und auch verfilmt wurden, weltweite Berühmtheit erlangte.
Natürlich waren auch die Stars der heimischen Krimiszene in Wien auf Mörderjagd: Stefan Slupetzky, Alfred Komarek und Ernst Hinterberger, die junge Garde vertreten durch Sabine Naber, Beate Maxian und Thomas Wollinger sowie Eva Rossmann und Pavel Kohut. Sogar Menschen vom Fach wie die Polizisten Peter Steinbach und Max Edelbacher machten mit.
Im Cafe Korb saßen die Besucher bei Erika Pluhars Lesung sogar auf dem Boden, Nina Proll las auf der summerstage aus Wolf Haas, das Cafe Hummel platzte bei Adi Hirschals Lesung aus allen Nähten, ebenso das Café Museum mit Ernst Hinterberger oder das Café Weimar bei Alfred Komarek. Insgesamt lasen in über 50 Kaffeehäusern über 70 Krimi-Autoren und Prominente, von Sandra Cervik über Karl Markovics, Peter Patzak, Georg Springer, Gerald Matt bis zu Heinz Holecek, Edi Finger jun. oder Bibiane Zeller, und Ernst Grissemann.

Krimi-Fest
So ein Krimifest muss wohl gut organisiert und vorbereitet sein. Kriminacht-Erfinder Christian Pöttler: „52 Wiener Kaffeehäuser bespielen bedeutet auch einen großen organisatorischen Aufwand, aber der Erfolg der letzten Kriminacht bestärkte uns, das Angebot auszuweiten. Mit der Kriminacht bieten wir Kunst für alle.“ Anlässlich der Eröffnung der Kriminacht lud der Hauptsponsor Erste Bank zum Eröffnungsfest in sein Eventcenter am Petersplatz. Moderator Peter Resetarits sah auf Grund der Örtlichkeit - die Nähe zur Bawag auf der Tuchlauben - einen spannenden Konnex zwischen Banken und Kriminalität und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Offiziell eröffnete Wiens Bürgermeister Michael Häupl die zweite Wiener Kriminacht: „Ohne Krimi geht auch ein Bürgermeister nicht ins Bett! Alles was in Wien mehr als einmal stattfindet, hat schon Tradition. Und dass die zweite Kriminacht ein Erfolg wird, davon bin ich überzeugt und werde mich selbst auf Wanderschaft durch die spannende Krimiwelt des Zuhörens begeben.“
Beim Krimi Chill-out im Café Stein um 23 Uhr wurde der Erfolg noch bis in die Morgenstunden mit den Krimiautoren, Schauspielern und allen Kriminacht-Verantwortlichen gefeiert und gleichzeitig mit der Planung der Kriminacht 2007 begonnen. Wie schon im letzten Jahr standen vor allen Kaffehäusern Menschentrauben mit Gästen, die drinnen einfach keinen Platz mehr fanden, sodass Günter Ferstl, Obmann der Wiener Kaffeehäuser, sich freudig die Hände rieb: „Mit dieser Aktion knüpfen wir endlich wieder an die großen Zeiten der Wiener Literaten-Cafés an!“ Kulinarisch verwöhnt wurden die Gäste mit „blutigen“ Snacks wie Mini-Blutburger mit Zwiebelsenf, „mörderisch“ scharfe Jack the Ripperl, erstochene ­Canapeétrümchen, Lachs im Senfgefängnis oder einer Tomatensuppe genannt „Bloody Mary“. Den süßen Abschluss bildete ein Kuchen im ­Fadenkreuz mit blutiger Crème.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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