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Moskau-Shanghai-Berlin

01.06.2011

Leonard Cernko ging 2007 als aktueller Koch des Jahres nach Moskau, dann nach Shanghai. Seit Kurzem ist er Küchendirektor im Adlon in Berlin.

Leonard Cernko im Hotel Adlon, direkt vor dem Brandenburger Tor

Leonard Cernko hat schon in jungen Jahren für Aufsehen gesorgt. Als er 2004 mit gerade einmal 25 Jahren im Kloster Und in Krems auf Anhieb drei Gault-Millau-Hauben erkochte, staunte die Branche, woher dieser junge, damals unbekannte Koch eigentlich komme.

Seine ersten Sporen verdiente sich Cernko bei Toni Mörwald. Er arbeitete im Stammhaus Zur Traube in Feuersbrunn und bei zahlreichen Caterings. 2001 wechselte Cernko für zwei Jahre zu Reinhard Gerer ins Korso und danach für drei Jahre in das damalige 3-Sterne-Restaurant von Heinz Winkler in Aschau, bevor es zurück zu Toni Mörwald ins Kloster Und ging. Wieder zwei Jahre später, im Sommer 2006 wurde Cernko als bislang jüngster Preisträger von Gault Millau zum Koch des Jahres gekürt. Für viele kam es daher überraschend, dass der junge Mann das Kloster Und nur ein einhalb Jahre später verließ, um nach Moskau zu gehen.

Cernko hatte von seinem ehemaligen Chef Heinz Winkler das Angebot erhalten, für ihn die Küche seines neuen Restaurants „Jerobaom“ im Moskauer Ritz Carlton zu führen, eine in jeder Hinsicht reizvolle Aufgabe. Drei Jahre später – im März 2010 – ging er als Executive-Sous-Chef nach Shanghai ins „The Portman“ im Ritz Carlton, bevor er vor wenigen Wochen als Küchendirektor ins Hotel Adlon Kempinski nach Berlin wechselte.

Leonard Cernko im Interview

ÖGZ: Herr Cernko, nach fünf Jahren auf Wanderschaft sind Sie jetzt fast wieder zu Hause angekommen. Hat Europa mehr Lebensqualität als Shanghai?
Leonard Cernko:
Shanghai war extrem spannend, genauso wie Moskau und auch Berlin ist – soweit ich das nach ein paar Wochen beurteilen kann – ist eine wirklich reizvolle Stadt. Der Grund für den Wechsel nach Berlin hat aber nichts damit zu tun, dass ich nicht mehr in Shanghai bleiben wollte, sondern liegt im Reiz der Aufgabe hier im Adlon begründet. Solche Angebote gibt es nicht oft, da überlegt man sich gut, ob man so etwas ausschlägt. Mich hat die Aufgabe jedenfalls enorm gereizt.

ÖGZ: Zurück nach Österreich zieht es Sie nicht?
Cernko:
Momentan nicht, aber das hat mehr mit der Arbeit als dem Privaten zu tun. Ich war auch in den letzten Jahren im Urlaub immer daheim bei der Familie und Freunden. Außerdem ist die Kontaktpflege heute ja relativ einfach geworden, dank günstiger Telefontarife und E-Mail. Nur mit sozialen Netzwerken wie Facebook gab es in Shanghai ein Problem, weil diese in China ja verboten sind. Aber natürlich ist es leichter, von Berlin aus für ein paar Tage nach Österreich zu kommen als von Shanghai.

ÖGZ: Als Sie vor fünf Jahren zum Koch des Jahres ausgezeichnet wurden, haben Sie mit einer sehr kleinen Mannschaft gearbeitet und sind selbst am Herd gestanden. Das ist bei Ihrem neuen Job in Berlin ganz anders, oder?
Cernko:
Es hat mich immer gereizt, zu lernen und mich weiterzuentwickeln. Es hat mir auch große Freude gemacht, in einem vergleichsweise kleinen Fine-Dining-Restaurant wie dem Kloster Und zu kochen. In Moskau und dann in Shanghai sind ganz andere Dinge im Vordergrund gestanden. Hier im Adlon haben wir zwei Restaurants mit ihren eigenen Küchen und Küchenchefs. Dazu gibt es noch eine Küche für das Bankettgeschäft, das im Adlon eine große Rolle spielt. Neben organisatorischen Dingen will ich vor allem den Veranstaltungsbereich ausbauen.
 
ÖGZ: Sie reden vor allem von Veranstaltungen, aber nicht vom Luxusrestaurant Lorenz Adlon. Sie werden dort nicht selbst kochen?
Cernko:
Einige Journalisten haben geschrieben, dass ich eine neue Linie in unser Luxusrestaurant Lorenz Adlon bringen werde. So ein Blödsinn. Erstens haben wir dort mit Hendrik Otto einen hervorragenden Küchenchef, der weiterhin seine Linie fahren wird. Und zweitens reizen mich andere Dinge, als jeden Tag hinter dem Herd zu stehen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe den Kochberuf nach wie vor, aber es gibt in unserem Bereich so viele Möglichkeiten, gestalterisch tätig zu sein, dass ich nicht den Rest meines Lebens nur kochen will. Das Adlon gibt mir die Möglichkeit, in meiner neuen Rolle mehr Verantwortung zu übernehmen und darauf freue ich mich schon. Das Wichtigste im Leben ist es, sich ständig weiterzuentwickeln. Dazu bietet man mir im Adlon große Chancen, und die will ich auch nutzen.

Wolfgang Schedelberger

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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