Direkt zum Inhalt
Michaela Reitterer, Präsidentin der ÖHV, fordert "Jobs rauf, Steuern runter".

Nächtigungsplus schafft Arbeitsplätze

06.08.2013

Wien. Die Hochsaison ist angelaufen, die Hotels sind voll mit Gästen und Mitarbeitern. Denn während andere Betriebe schließen: Hotels schaffen Jobs. Die ÖHV fordert daher eine Werbeoffensive und eine Steuerpolitik, die Arbeitsplätze vor Ort fördert statt bestraft, sprich eine Senkung der Lohnnebenkosten.

Im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Arbeitsplätze in Österreich um 0,6 Prozent. Im Tourismus lag das Plus bei 3,3 Prozent, war also mehr als fünfmal so hoch: „Wir haben so viele offene Stellen, vom Service über die Küche bis zum Online-Bereich: In ganz Österreich eröffnet ein Spitzenbetrieb nach dem anderen – und alle brauchen Mitarbeiter“, erklärt Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen hat die Hotellerie keine strukturellen Probleme.

Doppel so hohe Dienstleistungsbilanz
Für die Gesamtwirtschaft ortet Reitterer viel Potential in der Weiterentwicklung des Tourismus: In nur zehn Jahren hat der Dienstleistungssektor seinen Beitrag zur Dienstleistungsbilanz mit einer Steigerung von 3,6 Mrd. Euro auf 6,7 Mrd. Euro beinahe verdoppelt und damit das schnell wachsende Minus im Güterexport kompensiert. Maßnahmen wie die Flugabgabe, höhere Ortstaxen oder Lohnnebenkosten dagegen gefährden das Wachstum: „In den Tourismusorten stand in der Zwischensaison früher ein Baukran neben dem anderen. Jetzt sparen die Betriebe“, erklärt Reitterer. Den Hoteliers setzen die Belastungen stark zu. Viele von ihnen fahren die Investitionen zurück: 36,8 Prozent der Hoteliers senken die Ausgaben dafür – noch mehr als die 29,7 Prozent im Vorjahr. Mehr investieren wollen nur 5,7 Prozent, im Vorjahr was es mit 9,5 Prozent fast noch doppelt so viele. Da sollten die Alarmglocken schrillen: „Damit fehlen auch Aufträge im Gewerbe, Steuern, Kaufkraft, Arbeitsplätze. Den Turnaround werden wir erst schaffen, wenn die Einnahmen wieder steigen und die Kosten sinken“, erklärt Reitterer.

Lohnnebenkosten belasten die Hotellerie
Ein großes Problem dabei ortet die ÖHV bei den Lohnnebenkosten. „Der Bund kassiert Lohnsteuern in Rekordhöhe, gleichzeitig sinken Ergebnisse und Investitionen der Hotellerie. Da saniert sich wer auf Kosten unserer Mitarbeiter“, verweist Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), auf die steigende Steuerlast. Die Lohnsteuereinnahmen lagen im ersten Halbjahr um 4,1 Prozent über Vorjahresniveau. Dazu hat der Beschäftigungsrekord im Tourismus beigetragen, noch mehr aber die starken Lohnsteigerungen und die kalte Progression. Die Mindestlöhne samt Lohnnebenkosten stiegen um 150 Euro. Netto bleiben dem Mitarbeiter aber nur 62 Euro mehr. „Wenn 59 Prozent der Lohnsteigerung nicht beim Mitarbeiter ankommen, haben wir ein Problem. Das Problem ist das Steuer- und Abgabensystem, und es gehört rasch gelöst“, fordert Reitterer. Vor allem Einsteiger und Junge müssen laut Reitterer dringend mehr auf die Hand bekommen und fordert die Arbeitnehmervertreter im Nationalrat auf, gemeinsam mit den Arbeitgebern höhere Nettolöhne umzusetzen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Hotellerie
26.08.2020

Arbeitslosigkeit im Tourismus, Kräftebedarf in der Pflege: Hotellerie sieht Aschbacher-Pläne zur Abwerbung von Tourismus-Mitarbeitern kritisch.

Gastronomie
30.06.2020

Über 40% der F&B Fachkräfte denken darüber nach, die Branche zu wechseln

Hotellerie
19.05.2020

Römerquelle, Krone und Österreichische Hoteliervereinigung starten große österreichische Urlaubs-Promotion 

Hotellerie
05.05.2020

In einer Online-Präsidiumssitzung entwickelte die ÖHV konkrete Hilfsmaßnahmen zu Rettung bedrohter Arbeitsplätze in Hotels.

Familienurlaub wird der Urlaubstrend Nummer 1
Hotellerie
08.04.2020

ÖHV-Offensive für Tourismus-Arbeitsplätze: Statt Schockstarre neue Ideen entwicklen und umsetzen!

Werbung