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Michaela Altenberger ist Beraterin bei Kohl & Partner mit den Schwerpunkten Organisation und Führung

Neue Ansätze der Führungskräfteentwicklung

31.01.2013

Wien/München. Gute Mitarbeiter, überhaupt Mitarbeiter zu finden wird immer schwieriger. Liegt das tatsächlich nur an der Führung? Was kann ein Unternehmer in Zukunft selbst dazu beitragen, dass er Führungskräfte und gute Mitarbeiter an sein Haus bindet? Tipps und Informationen von Michaela Altenberger, Beraterin bei Kohl & Partner.

Das Thema Führen ist nicht nur in der Hotel-Branche zu einem Dauerthema geworden. Unzählige Bücher und Kurse beschäftigen sich damit. Das schnelle Allheilmittel wurde bisher noch nicht entdeckt. Eines zeichnet sich jedoch ab: Firmen oder Hotels, die sich mit diesem Thema innerhalb ihres Unternehmens intensiv beschäftigen, geht es auch finanziell sehr viel besser. Sie sind innovativer wie andere, stabiler und effizienter im Ertrag.

Mitarbeiter haben hohe Ansprüche
Bis vor einigen Jahren waren die Anforderungen an das eigene Führungsverhalten noch nicht so stark nachgefragt.  Doch die Rahmenbedingen haben sich massiv geändert: die Branche hat es mit sehr vielen jungen Menschen zu tun (42 % der Beschäftigte sind unter 30 Jahren); die heutigen Lehrlinge und 20 jährige haben andere Führungsansprüche wie die Generation davor. Heute wollen engagierte Mitarbeiter vor allem eines: Persönlichkeiten, Leader mit Vorbildwirkung und einer klaren Sprache. Gute Leute suchen eine noch bessere Führungskraft, bei der sie eine persönliche Weiterentwicklung erfahren. Sie wollen nicht in Kurse gehen, sondern sich „on the job“ entwickeln. Sie haben eine große Sehnsucht nach Menschen die erkennen können, welches Potential in ihnen (wirklich) steckt. Diese Ansprüche der Mitarbeiter an die Unternehmer und seine Führungsmannschaft sind hoch. Diese unterschiedlichen Bedürfnisse der neuen Generation Y zeigen schon ihre Wirkungen in allen Branchen, nicht nur im Tourismus. Sie haben nicht gelernt mit Autoritäten und damit auch mit Befehlen umzugehen. Sie sind es gewohnt, Dinge auszudiskutieren und wollen den Sinn dahinter verstehen. Ein wertschätzender Umgang ist ihnen wichtiger als Karriere. Sinnhaftigkeit und Selbstentwicklung sind wichtige Themen bei engagierten jungen Menschen.

Wo bitte kann ich Führen lernen?
Es gibt Menschen die mit einem natürlichen Führungstalent auf die Welt kommen; die meisten von uns müssen sich darin üben. Führen kann man nicht aus Büchern lernen sondern nur in der Praxis, im täglichen Tun, im Gegenüber des Anderen. Erst im Grenzbereich der eigenen Führungserfahrung ist das Lernen erlebbar. Diese Spannungen, die bei jeder Entwicklung normal sind, müssen innerhalb des Unternehmens bearbeitbar gemacht werden. Bücher oder allgemeine Kurse helfen dabei nur bedingt. Hier sind kompetente Rückmeldungen gefragt, aus den eigenen Reihen oder vom Chef.  Eine hohe Führungskultur in einem Unternehmen zu entwickeln, ist einer der Schlüsselfaktoren für die Zukunft. Lars Thomson, Trendforscher aus der Schweiz meinte dazu anlässlich eines Vortrages: „In Zukunft wird Wachstum nicht mehr vom Zugang zum Kapital abhängen, sondern vom Zugang zu Menschen“.

Was können nun Unternehmer tun?
Im Berateralltag ist oft zu erleben, dass mehr als drei Viertel der Unternehmer das sehr wichtige Thema „Führung“ „outsourcen“ statt es zur Chefsache zur machen. Sie kaufen sich Wissen für ihre Führungskräfte, in Form von Seminaren und Weiterbildungen. Diese punktuellen Schwerpunkte sind hilfreich, erzeugen jedoch nicht den gewünschten Effekt für das gesamte Haus. Um eine ganze Führungsmannschaft in die gleiche Richtung zu bewegen braucht es mehr als nur einzelne Kurse, sondern die Entwicklung einer gemeinsamen Führungssprache mit dem Unternehmer zusammen. Mit der richtigen Unterstützung, mit einem speziell für ihn angefertigten Rahmen kann er seine Rolle als Mentor, Coach und Leader ausbauen und gegenüber seiner Führungsmannschaft sichtbar machen. Die Begabung, täglich die einzelnen Führungsaufgaben meistern zu können, muss gefördert werden. Dieser Prozess entwickelt das gesamte Führungs-Team und auch jeden einzelnen, dort wo er oder sie es brauchen. Küchenchefs benötigen andere Führungsfertigkeiten wie ein SPA Managerin und doch können sie voneinander lernen. Der Unternehmer selbst wird in dieser neuen Rolle als sehr wirksam wahrgenommen und es erhöht sich die Bereitschaft sich von ihm führen zu lassen.

Warum soll ich mir das alles antun? 
Wenn eine Führungskultur sichtbar und wirksam wird spüren dass Gäste und Mitarbeiter. Wer zufriedene Führungskräfte hat, hat weniger Probleme mit den Mitarbeitern und dadurch bleiben sie länger dem Unternehmen verbunden. Eine Rezeptionistin zu ersetzen, bis sie gefunden und wieder eingearbeitet wurde,  kostet dem Unternehmen 7.000 bis 10.000 Euro Fluktuationskosten. Und noch eines ist nicht zu unterschätzen: Mitarbeiter sind heute mehr denn je, Markenbotschafter.  Sie transportieren Tag für Tag die Unternehmens- und Marken-Kultur des Hauses an den Gast. Jedem Unternehmer ist es überlassen wie dieser sein Marketingbudget verteilt, jedoch dieser Kontaktpunkt Mitarbeiter-Gast  wird in der Zukunft ausschlaggebend sein für den (monetären) Erfolg. Ähnlich wie bei den Gästen wird die Mund zu Mund Propaganda ein wichtiger Faktor werden um überhaupt auf dem riesigen Feld der Arbeitsangebote wahrgenommen zu werden und gute Leute anzuziehen bzw. zu halten.

Michaela Altenberger

Michaela Altenberger ist Beraterin bei Kohl & Partner, www.kohl.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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