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Neue europäische Weinordnung

19.01.2007

Um sich im weltweiten Wettbewerb behaupten zu können, braucht Europa eine Reform des Wein-marktes. In dieser milliardenschweren Diskussion ist Josef Pleil Österreichs gewichtige Stimme.

Der umtriebige Präsident des Österreichischen Weinbauverbands, in seiner Jugend Mitglied einer Combo namens „The Green Veltliners“ und in den letzten Jahren Motor der ersten kontrollierten Ursprungsbezeichnung für Wein in Österreich (Weinviertel DAC), ist an der geplanten Neuorientierung der Rahmenbedingungen für den gesamten europäischen Wein maßgeblich beteiligt. Josef Pleil organisierte etwa 2004 das Treffen des OIV (Internationalen Weinbauverbands) in Wien, um für die österreichische Position – Wein als Kulturgut mit Herkunftscharakter – Werbung zu machen. Statt mit grob-dirigistischen Maßnahmen wie der vorgeschlagenen Rodung von mehr als 10 % der europäischen Weinbaufläche müssen vielmehr die Produkte „so verbessert und gestaltet werden, dass sie nachgefragt und angenommen werden“, argumentiert Pleil.

Weg mit dem Speck?
Der Europäischen Kommission wird ja nicht erst seit dem WTO-Abkommen von vor einem Jahr vorgeworfen, steigende Importe aus Drittländern quasi verursacht zu haben. Die Kommission betont ihrerseits, die von ihr getroffenen Vereinbarungen dienen in erster Linie dem Schutz der geographischen Bezeichnungen der EU und sollen darüber hinaus eine internationale Anfechtung der strengen önologischen Praktiken in der EU hintanhalten. Zuletzt lies sie mit dem Vorschlag aufhorchen, 400.000 Hektar Weingärten in der Union roden zu wollen. Für die Umsetzung hat die Kommission zwei Wege vorgeschlagen, einen „schnellen“ und einen „weniger schnellen“. Auf Letzterem würde innerhalb von fünf Jahren die Verringerung der Weinbaufläche unter Beibehaltung des bisherigen Systems der Auspflanzrechte stattfinden. Der Budgetaufwand für diese Rodung wird mit 2,4 Milliarden Euro angegeben, das entspricht € 6.000 pro Hektar.
Seltene Einigkeit besteht in dieser Frage zwischen praktisch allen weinproduzierenden Ländern der EU: Sowohl der „schnelle“ als auch der „weniger schnelle“ Weg werden äußerst kritisch beurteilt und müssen neu überdacht werden. Einigkeit besteht jedoch bei allen Mitgliedsstaaten über die Richtigkeit und Notwendigkeit einer Reform des europäischen Weinmarktes.
Nationaler Finanzrahmen
Die Meinungen der einzelnen Länder darüber, welche Maßnahmen zur Verringerung des Wein-Überschusses geeignet sind, divergieren je nach Interessenslage. „Die Probleme in Deutschland, das nur 40 % des Eigenbedarfs produziert, sind anders gelagert als in Spanien, woher viele Anträge zur Überschuss-Destillation kommen“, erklärt Josef Pleil. Österreich wünsche sich als Lösung einen „nationalen Rahmen finanzieller Natur“, mit dem jedes Land und seinen eigenen Bedingungen entsprechend agieren kann. In Österreich, das ziemlich genauso viel Wein produziert wird wie konsumiert, hat andere Probleme als z. B. Frankreich oder Italien, wo die Produktion die Inlandsnachfrage um ein Mehrfaches übersteigt.

Natürlich haben Länder ohne eigenen Weinbau einen gänzlich anderen Zugang zu dieser Materie. Fest steht, dass die ursprünglich zur Überbrückung gedachten Marktinterventionsmaßnahmen wie Destillation und Lagerhaltung längst zu Dauereinrichtungen geworden sind, und dass in den letzten 15 Jahren die Importe aus Drittländern von 2,3 auf 11,8 Millionen Hektoliter gestiegen sind. Die heiße Phase der Diskussion – südliche Länder fordern etwa, dass nicht mehr mit Saccharose, sondern nur mehr mit Mostkonzentrat „aufgebessert“ werden darf - wird ab April 2007 erwartet. Die neue europäische Weinmarktordnung soll mit dem Wirtschaftsjahr 08/09 in Kraft treten.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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