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Die sechs Winzer der Gruppe WienWein: Christ, Cobenzl, Edlmoser, Fuhrgassl-Huber, Mayer am Pfarrplatz und Wieninger.

Neue Lagen für Wien

20.04.2017

Die Großen des Wiener Weinbaus bewerten die Lagen neu. Ab dem Jahrgang 2017 gibt es „Erste Lagen“ nach deutschem Vorbild.

Nussberg: Erste Lage Preussen.

Viel Neues haben die letzten sechs Monate für Sommeliers gebracht. Da war die Abschaffung bzw. Umbenennung ganzer Weinbaugebiete. Oder auch die neue drei-stufige Sekt-Klassifizierung. Und jetzt kommt eine im Endausbau fünfstufige Einteilung der Wiener Weißweine. Genauer gesagt haben sich die größten Produzenten der Bundeshauptstadt zusammengetan und auf ein neues System verständigt. Die sechs Mitglieder der Gruppe WienWein (Christ, Cobenzl, Edlmoser, Fuhrgassl-Huber, Mayer am Pfarrplatz, Wieninger) vereinen einen Produktionsanteil von rund 40 Prozent in der Gegend. 
Vorläufig werden nur sie auf ihren Grünen Veltlinern, Rieslingen, Weißburgundern und dem Wiener Gemischten Satz die neuen Bezeichnungen führen. Vor allem bei Letzterem – mit 180 Hektar Anteil an der 612 Hektar großer Wiener Rebfläche ein wichtiger Faktor – kommt es dabei zu Überschneidungen, da er auch der offiziellen DAC-Verordnung unterliegt. Beim „Mischsatz“ aus den Toplagen darf man sich also auf dreizeilige Wein-Namen am Etikett einstellen, wie man das etwa auch von den österreichischen Traditionsweingütern (ebenfalls eine Winzer-Vereinigung) in den DAC-Gebieten Traisental, Kamptal oder Kremstal kennt. Ab dem Verkaufszeitpunkt 1. September 2018 wird es also beispielsweise einen „Wiener Gemischter Satz DAC Ried Wies­thalen Erste Lage“ geben. 

Herkunftsdefinitionen

Einen Grund, warum WienWein (wie bereits beim Wiener DAC, der ebenfalls großteils vom Verein definierte Grundlagen festschrieb) vorpreschte, liefert Rainer Christ: „Großlagen und Rieden wurden in Wien bisher mitunter verwechselt.“ Zudem wisse man durch das einzigartige Wiener Rebflächen-Verzeichnis „auf den Quadratmeter genau, wo eine Lage beginnt und endet“, so der in Neustift ansässige Thomas Huber. „Streitigkeiten wie in anderen Gemeinden haben wir dadurch nicht.“
Die vorläufige Spitze der Lagen-Einteilung nach „privatrechtlichen Statuten der Gruppe WienWein“ wird die Bezeichnung „Erste Lage“ tragen, erklärt Gerhard J. Lobner von „Mayer am Pfarrplatz“. Bis zur Einigung habe es einige nächtelange Sitzungen gegeben, verrät Winzer Michael Edlmoser der ÖGZ. Wie viele Flaschen geöffnet wurden, bleibt unbekannt. Letztlich habe aber eine Orientierung an der Lagen-Klassifikation im Burgund, aber auch an der deutschen Qualitätshierarchie der Prädikatsweingüter geholfen. Somit gibt es nun folgende Einteilung:

Gebietswein (Trauben stammen aus ganz Wien)
Ortswein (Wein aus einer Großlage oder Katastrale, z. B.: Nussberg oder Bisamberg)
Riedenwein (Lagen-Charakter und abgegrenzte Parzelle innerhalb von Katastrale)
Erste Lage (via Definition und Verkostung vom Verein bestimmter „Terroir-Wein“)

Lustige Weinbauern?

Ziel der Gruppe WienWein ist auch, die 140 restlichen Wiener Winzer vom neuen System zu überzeugen. „Es soll kein Club von sechs lustigen Weinbauern sein“, versucht Fritz Wieninger den Vorwurf eines Zwei-Klassen-Weinbaus zu entkräften. Bewusst wirbt die Sechser-Gruppe um Bewerbungen der anderen Winzer, auch „wenn die Neuklassifizierung nicht allen schmecken wird“. Jene 18,4 Hektar (oder 2,9 Prozent) der Wiener Rebfläche, die „Erste Lagen“ darstellen, seien allerdings keine Monopollagen der großen sechs. Vor allem steht die Lagenklassifikation nach internationalem Vorbild allen offen. Denn gegen eine Gebühr befinden die WienWein-Winzer, verstärkt um noch nicht benannte Experten, über die Aufnahme weiterer Weine unter die „Ersten Lagen“. 

Wenig überraschend befinden sich mit „Preussen“, „Rosengartl“, „Ulm“, „Gollin“ und „Langteufel“ gleich fünf der zwölf neuen Top-Bezeichnungen am Nussberg, Wiens wohl bekanntestem Weingebiet. Die mit 25 Hektar größte potenzielle „Erste Lage“ stellt allerdings der Bisamberg mit seinem Filetstück „Wiesthalen“ dar. Dazu kommt im 21. Bezirk auch die halb so große Ried „Falkenberg“. Grinzing ist mit dem „Seidenhaus“, „Schenkenberg“ und „Steinberg“ vertreten. „Sätzen“ und „Himmel“ am Maurerberg komplettieren das Dutzend. Da das Aufnahme-Prozedere für einzelne Weine unter den „Erste Lagen“-Schirm (die Winzer müssen dafür übrigens nicht „WienWein“ betreten) erst ab 2019 möglich ist und eine drei Jahrgänge umfassende sensorische Überprüfung des Terroir-Charakters vorsieht, wird allerdings bis 2022 kein anderer Winzer dieses Prädikat erhalten. Zudem sieht das Statut Mengenbeschränkungen (4.500 Liter Höchtsertrag) und Mindestalter der Rebanlagen (zwölf Jahre) vor.

Auch Rotwein-Sorten, so die WienWein-Gruppe, seien auf lange Sicht ein Thema. „Von dieser Maßnahme werden ohnehin erst die nächsten Generationen profitieren“, sieht Fritz Wieninger einen historischen Schritt für Wiens Winzer. Ebenfalls angedacht ist nämlich, in einigen Jahren die „Große Lage“ nach deutschem Vorbild zu etablieren. Bis dahin muss aber erst einmal der Jahrgang 2016 verkauft werden. Laut Michael Edlmoser war das abgelaufene übrigens „ein geiles Weinjahr mit allem, was der Kunde will: Frucht, Säure und moderatem Alkohol“. Und einer vertrauten Nomenklatur am Etikett!

Autor/in:
Roland Graf
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