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Der Südtiroler Christian Zandonella ist der neue Chef im Ritz-Carlton Vienna.

Neuer Ritz-Carlton-GM: „Nicht so ­melancholisch sein“

11.04.2017

Seit Februar ist der Südtiroler Christian Zandonella neuer GM im Ritz-Carlton Vienna.

Christian Zandonella (39) hat klare Meinungen. „In unserem Segment besteht die Kunst zu überleben darin, sich dem Fortschritt anzupassen – ohne darüber das Menschliche zu vergessen“, sagt der neue Chef des Wiener Ritz-Carlton und lehnt sich entspannt zurück. Für ihn ist damit die vieldiskutierte Frage nach technologischer Innovationen versus persönlichem Service auch schon wieder beantwortet. „Wenn sich drei von zehn Kunden einen mobilen Check-in wünschen, mache ich ihn. Die anderen können ja weiterhin den Concierge fragen.“ Oder die neuen Fernseher in den Zimmern, die der Gast mit seinen persönlichen Devices koppeln und dann eigene Bilder anschauen und Musik abspielen könne. Das sei bester Technologieeinsatz zum Wohle des Gastes. Wer ihn nicht wünsche, müsse ihn ja nicht nützen. 

Diese Freiheit unterscheide sein Haus von anderen Luxusherbergen entlang des Rings. „Wir sind erst seit fünf Jahren hier. Und keiner Tradition durch die Historie verpflichtet.“ Genau das sehe er als große Stärke an: „Wenn ich in der Rooftop-Bar ein Sushi-Konzept einführe, ist mir niemand böse.“ 

Kein Verdrängungswettbewerb

Die Ausgangslage scheint perfekt. Im Februar habe er ein wirtschaftlich bereits erfolgreiches Haus übernommen, sagt er, und müsse sich keine Sorgen um die internationale Klientel machen. Das würde ihm das globale Netzwerk, gepaart mit dem lokalen Marketing, ins Land bringen. „Unsere Kette hat sehr loyale Kunden, speziell in Nordamerika. Wir bringen neue Gruppen in die Stadt, die nur herkommen, eben weil es hier jetzt ein Ritz-Carlton gibt.“ Kein Verdrängungswettbewerb also im dicht gepackten Wiener Luxussegment, sondern für die Stammkunden eine neue Destination, in der man bisher als Marke nicht präsent war: „Wir leben vom Vertrauensvorschuss in den Heimatländern.“

Zandonellas ganz konkreter Auftrag lautet, nach den internationalen Kunden nun auch den Wienern ans Herz zu wachsen. Sei es, indem er sie zum Blick über die City von der genannten Rooftop-Bar ermuntert (mit und ohne Sushi). Oder indem er sie ins hauseigene Steakhouse einlädt („Wir haben eines der besten Steaks der Stadt!“). Oder indem er sie auffordert, sich im Stadthotel „einfach einmal etwas zu gönnen“. Er wolle ein offenes Haus mit Bindung schaffen, sagt Zandonella, „aber nicht über die historische Geschichte, sondern mit neuen Ansätzen. Wir können uns das erlauben.“ 
Weit gereist, viel gesehen
Christian Zandonella wurde 1978 in Südtirol geboren und bis 1998 in München zum Hotelfachmann ausgebildet. 2004 ging er als Restaurantmanager bei Ritz-Carlton in Cancun an Bord. Nach einem Managementtraining im Le Bernardin in New York City führten ihn die weiteren Stationen als Assistant Director F&B auf die Cayman Islands und nach Barcelona, als Hotelmanager nach Capri, als F&B Director ins legendäre Adlon Kempinski nach Berlin und als Hotelmanager ins Ritz-Carlton in Toronto. „Was Kanada so schwierig macht, ist die Weite“, sinniert er, „da ist Wien viel besser.“ Letzte Station vor Österreich war Bahrain, wo er sein Hotel & Spa von der Nummer acht im Mittleren Osten zur Nummer eins hochpushte.  
Und jetzt eben Wien, für ihn „ein Ort, der Sehnsucht weckt. Und der auf der ganzen Welt positiv besetzt ist. Allein wegen des Themas Sicherheit.“ Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Gleichzeitig erlebe er die Stadt im Vergleich zu anderen als „melancholisch“, der Vergangenheit verhaftet, zögerlich und wenig inspiriert, Neues auszuprobieren: „Dabei würde Wien so leicht nichts umwerfen.“ Und natürlich als bürokratisch: „Allein das Umschreiben meines Führerscheins hat Wochen gedauert!“ Mit „melancholisch“ beschreibt der neue Generaldirektor übrigens auch die hiesige Luxushotellerie: „Auch die sollte sich ruhig ein wenig mehr trauen.“ 

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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