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Kann man auf große OTAs verzichten?

Neustart ohne Booking.com?

27.04.2020

Warum Hoteliers auf Booking.com verzichten sollten, erklärt unser Gastautor, der Tiroler Berater Michael Anfang. Schon vor dem Auftreten des Corona Virus habe sich gezeigt, dass die zu zahlenden Provisionen bei vielen Hotelbetrieben einfach zu hoch sind.

über Michael Anfang  Michael Anfang ist selbständiger Berater der Hotellerie. Wertschöpfungssteigerung, Marketing und Onlinevertrieb steht im Mittelpunkt seiner Tätigkeit.

Booking.com – als eine der beliebtesten Buchungsplattformen – verlangt bis zu 15 Prozent Provision für jedes gebuchte Arrangement. Das entspricht bis zu 50 Prozent des Gewinns! Den Hotels, Land und Finanzamt entgehen dadurch enorme Einnahmen. Für einen erfolgreichen Wiederaufbau des Tourismus ist es essenziell die Wertschöpfung im eigenen Land zu halten. Ihre Abwanderung sollte auch von Seiten der Politik nicht länger hingenommen werden.

Wertschöpfung im eigenen Land

Mit der Programmierung einer eigenen, konkurrenzfähigen Plattform wäre es relativ einfach alle heimischen Betriebe attraktiv online buchbar zu machen. Natürlich will sich seit Tiscover niemand freiwillig diesem Projekt widmen, auch wenn es heute sehr viel einfacher und günstiger wäre eine geeignete Lösung mit allen Raffinessen zu verwirklichen. Die bestehenden Plattformen vermitteln Hoteliers den Eindruck, dass der Preis immer im Mittelpunkt steht. Das Gegenteil ist der Fall: Im Fokus steht die ehrliche und detaillierte Darstellung der gebotenen Leistung.

Der Preis im Mittelpunkt?

Plattformen (OTA’s) geben Hoteliers den Eindruck, dass es immer um den Preis gehe. Das trifft jedoch nur dann zu, wenn Darstellung und Hotelinformationen zu schwach sind. Gäste wählen in Sekunden und entscheiden sich für das beste Angebot. Dieses muss aber nicht das günstigste sein. Als Berater habe ich noch nie einem Hotelkunden empfohlen seine Preise zu senken, sondern wir haben gemeinsam an einer verbesserten Darstellung gearbeitet und in den meisten Fällen die Preise sogar erhöht.

Kontakt mit „echten“ Menschen

Darüber hinaus sollten sich Hoteliers gerade jetzt die Frage stellen: Warum soll jemand in mein Hotel kommen? Trivialitäten haben keinen Platz mehr, das Angebot muss echt und ehrlich sein. Ehrlich wäre auch zu sagen: „Keine Buchungsgebühren, keine versteckten Provisionen!“ Direkt beim Hotel zu buchen zahlt sich immer aus. Fragen werden beantwortet, ein passendes Zimmer wird empfohlen, Sonderwünsche können besprochen und berücksichtigt werden. Das alles trägt zu einem unvergesslichen Urlaubserlebnis bei. Diese Chancen gehen bereits bei der Buchung verloren, wenn diese nicht direkt zustande kommt.

Corona-Krise als Chance

Corona wird die Tourismusabhängigkeit in Tirol schonungslos zu Tage bringen. Nur Hotels, denen es gelingt mit guten Ideen und einer hervorragenden Dienstleistung ihre Preise durchzusetzen, wird es auch in Zukunft gut gehen. Der Stillstand, verursacht durch die Corona-Krise, ermöglicht dabei einen kompletten Reset der Buchungsbedingungen für einen Urlaub in Tirol. Die Zahl von Nächtigungsstatistiken sollte endgültig vorbei sein – es braucht Wertschöpfungsstatistiken. Denn die Wertschöpfung vor Ort ist das Einzige was zählt! Damit werden lokale Mitarbeiter entlohnt und belohnt, damit werden Investitionen getätigt und Handwerker aus der Region beschäftigt. Damit zahlt man Abgaben und Steuern im eigenen Land.

Der erste Urlaub nach Corona wird vielen Menschen in besonderer Erinnerung bleiben. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass es ein positiv unvergesslicher wird. Jetzt ist es Zeit für neue Stammgäste, die direkt buchen – in einer „Booking.com-freien“ Zone!

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