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Legere Noblesse im Restaurant Herzig in der Wiener Schanzstraße.

New York trifft Wiener Fünfhaus

25.04.2019

Topkoch Sören Herzig hat jetzt in Wien sein eigenes Restaurant. Mit unkomplizierter Mittagsküche und exklusivem Fine Dining am Abend.

Sören Herzig

Nach sechs Jahren beim Drei-Sterne-Koch Juan Amador und einem Abstecher ins Aï wagte Sören Herzig nun den Schritt in die Selbstständigkeit. Und er geht in den 15. Wiener Gemeindebezirk. Nicht gerade die klassische Nobelgegend, aber das gehört zum Konzept dazu. Ein 1929 vom Architekten Michael Rosenauer entstandener Stilbau passt ganz gut.  

Loft-Atmosphäre

Die Inneneinrichtung kommt vom Büro KLK. Prägend im weitläufigen Lokal sind die bis an die Decke reichenden Fenster und ein glänzender, 100 Jahre alter Holzboden aus geölter Eiche. Die Wände, inklusive der Decke, sind in sattem Petrol gehalten und runden das Gesamtbild im „New York Gallery“-Stil ab. Man sitzt auf olivgrünen Wittmann-Sesseln mit Samtpolsterung. Auch die Schank, verkleidet mit einer Sonderanfertigung an Karak-Fliesen, in denen sich das Herzig-Logo (das Runen-Zeichen für Herz) wiederfindet, ist eine Maßanfertigung. Das warme Lichtkonzept von Molto Luce soll Heimeligkeit vermitteln. 
Kulinarisch fährt Herzig zwei Schienen. Am Abend steht „Fine Dining“ auf dem Programm. Auf dem kompakten Menü stehen Gerichte wie „Brathähnchen“ mit Sot-l’y-laisse (auch bekannt als Pfaffenschnittchen), Mimolette und Getreide, „Lammrücken“ mit Rhabarber, Dill und Anchovis oder „Palo Santo“. Als ganz besonderes Amuse-Gueule wird ein „Sniff“ gereicht – ein Reagenzglas, beispielsweise gefüllt mit einer Zwiebelsuppe und französischem Comté, das die Geschmacksnerven herausfordern soll. Ebenfalls serviert wird salzige Brioche mit Verhackertem und Salzbutter sowie Blunzen mit saurer Zwiebel und Apfel, dazu selbstgebackenes Brot aus der Blechdose. 

Carbonara als Signature 

Als Signature-Dish gilt jedoch Herzigs Miniatur-Carbonara mit luftigem Schinkenschaum und cremiger Pasta. Getafelt wird an elf runden Tischen, die großzügig verteilt und zusätzlich von Paravents abgeschirmt sind. Das siebengängige Menu kommt auf 135 Euro, die Weinbegleitung auf weitere 85 Euro (alkoholfreie Getränkebegleitung 45 Euro). Mit 8,50 Euro spielt der Mittagstisch in einer anderen Preisliga und auch Zielgruppe. Der Chefkoch serviert Hausmannskost (etwa Schweinsbraten). Alternativ werden Gnocchi mit Walnusspesto, Frischkäse und Spinat serviert. In seinem Team verlässt sich Herzig voll und ganz auf eine bereits gut eingespielte Zusammenstellung an Servicepersonal und Köchen. Jungsommelier und aufstrebendes Talent Johann Artner, zuvor bei Dinner by Heston Blumenthal und Steirereck, und Herzigs Verlobte Saskia Leberzipf, die nicht nur hinter den Kulissen mitanpackt, sondern auch die Gäste herzlich willkommen heißt, sind ebenfalls Teil des Teams und stellen eine wichtige Stütze dar. 

Autor/in:
ute.fuith
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