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Nicht daheim und doch zu Hause

21.05.2007

Die Tourismusanalysen der vergangenen Jahre zeigen wieder eine steigende Tendenz: Hat der Inlandsurlaub im letzten Jahrzehnt permanent an Marktanteilen verloren (1999: 32 % bis 2004: 25 %), so haben in den vergangenen beiden Jahren Inlandsreisen wieder an Attraktivität gewonnen und Marktanteile zurückerobert (+3 Prozentpunkte).

... die Action soll nicht zu kurz kommen

Die österreichischen Ferienregionen müssen die ausländische Konkurrenz wieder etwas weniger fürchten. Gegen die Faszination von Wärme, Ferne und Meer setzt der Österreichtourismus die Vielfalt von Natur, Kultur und Kulinarik. Vielleicht wird die sich abzeichnende veränderte Wettersituation das Reiseland Österreich aufwerten und den Inlandstourismus beleben.

Steiermark und Kärnten bleiben vorne, Tirol holt auf
Im inländischen Wettbewerb hat die Steiermark 1 Prozentpunkt eingebüßt und liegt wieder gemeinsam mit Kärnten an der Spitze der Inlandsurlaube. Tirol hat sich als Urlaubsdestination bei den Österreichern in den letzten Jahren stetig bis auf 5 % herangearbeitet. Die innovativen Sommeraktivitäten des Wintersportlandes zeigen deutlich wahrnehmbare Auswirkungen. Zeichnet sich da gar eine Ablöse an der Spitze ab?

Während die Deutschen ihren Inlandsurlaubern Meer und Berge anbieten können, muss in Österreich vor allem das Angebot an Naturbadeteichen und Schlechtwetterprogrammen noch verbessert werden. Naturnahe Erlebnisangebote haben in den letzten Jahren die Attraktivität eines Österreichurlaubes jedoch deutlich gehoben.
Die durchschnittlichen Allerweltsangebote ohne Profil, auch in manchen traditionellen Feriengebieten, kommen vor allem im Sommer zunehmend in Schwierigkeiten.

Ein regionales Eigenprofil zu entwickeln und dann zu demonstrieren, wird immer wichtiger: Urlaub ist immer auch Kontrast und Gegenwelt zum urbanen Alltag. Das Kontrast­erleben und der Wunsch nach Tapetenwechsel zählen zu den wichtigsten Antriebskräften für das Reisen.
2007 wollen 70 Prozent der Österreicher verreisen
Es herrscht weiterhin eine positive Urlaubsstimmung vor. Offensichtlich wächst das Vertrauen der Verbraucher in die nahe Zukunft wieder. Aufbruchstimmung ist angesagt. Fast jeder Zweite (42 %) will 2007 sicher verreisen (2006: 39 %), 30 % sind wie im Vorjahr noch unschlüssig. Ein gutes Viertel (28 %, 2006: 31 %) ist sich sicher, diesmal im Urlaub nicht zu verreisen.
Zwischen Reiseabsicht und tatsächlichem Reiseverhalten ist jedoch im Jahresvergleich kein direkter Zusammenhang abzuleiten. Auf große Planungen folgt oft Reisezurückhaltung (2001), auf Skepsis (2006) ein Rekordjahr.

Für Österreichs Tourismuswirtschaft erfreulich ist die außergewöhnlich positive Urlaubsstimmung in Deutschland. Die Deutschen wollen wieder mehr verreisen und die Krisenstimmung der letzten Jahre hinter sich lassen. Reiselust darf man wieder zeigen – wenn man sie sich leisten kann. Insofern kann es nicht überraschen, dass es trotz der überwiegend positiven Grundstimmung ökonomische Ungleichheiten im Reisemarkt auch weiter gibt.
Der Anteil der Reiselustigen ist unter den Höherverdienenden (über 2.500 Euro Haushaltsnettoeinkommen) unverhältnismäßig höher (60 %) als bei den geringer Verdienenden mit einem Einkommen von unter 1.000 Euro (22 %). Die soziale Kluft beim Reiseverhalten bleibt bestehen.
Wohin geht die Reise 2007?
Etwa jeder siebente Österreicher (14 %) mit festen Reiseabsichten will 2007 Urlaub im eigenen Land machen. Man weiß aber aus Erfahrung, dass der tatsächliche Anteil dann etwa doppelt so groß ist. Von der Ferne träumen und sich dann doch in den Bergen erholen. Das war immer schon die Urlaubsplanung der Österreicher. Bei den Deutschen ist Planung (23 %) und Wirklichkeit (34 %) vergleichbar, aber nicht ganz so weit auseinander. Alle anderen zieht es in das europäische Ausland (65 %) oder in außereuropäische Länder (13 %). Von den Unschlüssigen (30 %) verreisen aus Erfahrung etwa ein Drittel. Unter diesen ist der Anteil an Inlandsurlaubern besonders hoch.

Die Urlaubsvorstellung der Österreicher
Als wären aller Boomberichterstattung zum Trotz die veröffentlichten „Urlaubstrends“ an der Bevölkerung vorbeigereist: Für die Österreicher dominiert beim Haupturlaub die Sehnsucht nach Badeurlaub (39 %, 2004: 29 %) und Erholungs- bzw. Ausruhurlaub (19 %, 2004: 18 %). Wie in den Tourismusanalysen schon mehrmals betont, ist das Urlaubs­angebot für Daheimgebliebene ein, wenn auch anders zu gestaltender, Tourismusmarkt der Zukunft: Fast ein Viertel der Bevölkerung (23 %) gibt an, „es sich manchmal auch gerne zu Hause gemütlich zu machen“. Die Ferien als typischen Familienurlaub wollen in Zukunft nur 16 % gestalten.
Quelle: 12. Österreichische Tourismusanalyse/ift

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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