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Nicht nur die Engländer trinken Tee

12.12.2006

Draußen ist es kalt, drinnen wohlig warm. Was passt da besser zur Stimmung als eine heiße Tasse Tee? Und zwar am liebsten Kräuter- oder Früchtetee, wenn es nach dem Durchschnittsösterreicher geht. Das Segment macht zwei Drittel des hierzulande konsumierten heißen Getränks aus, wobei Früchtetee die Nase vorn hat, sich aber Kräutertee vor allem dank zahlreicher Innovationen „super entwickelt“, wie Helmut Grafinger vom Österreichischen Tee-Institut erläutert.

Europaweit liegen heimische Kräuter- und Früchteteetrinker mit gut 80 Litern (460 Gramm) pro Kopf und Jahr an erster Stelle, belegen Zahlen des Instituts. Erstmals seit Jahren waren Früchtetees 2005 (wertmäßig minus 4,2 Prozent) rückläufig. Sie blieben aber auch 2005 stärkstes Teilsegment. Der Gesamtkonsum in allen Segmenten (inklusive Schwarz- und Grüntee) stieg nach zwei Prozent im Jahr 2004 im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent. Der österreichische Gesamtmarkt betrug den Angaben zufolge 2005 ca. 3.000 Tonnen, der Wertumsatz 90 Mio. Euro. 80 Prozent der wertmäßigen Umsätze seien im Lebensmittelhandel erzielt worden, sieben Prozent in den Fachgeschäften und elf Prozent in der Gastronomie, heißt es.
Bei den klassischen Tees sind österreichische Konsumenten zurückhaltender: Im Schnitt trank jede Person im vergangenen Jahr etwa 205 Gramm grünen Tee und Schwarztee (rund 46 Liter, das entspricht 400 Tassen), so das Tee-Institut. Nach Jahren der rückläufigen Entwicklung habe sich grüner Tee mit plus 9,1 Prozent mengenmäßig zum Vorjahr kräftig erholt, weiß Grafinger. Auch Schwarztee konnte mit plus 2,6 Prozent erneut an Bedeutung gewinnen.
Damit liegt Österreich beim Pro-Kopf-Konsum von klassischem Tee einer Statistik des Tee-Instituts zufolge weit abgeschlagen hinter den Iren (2,96 kg) und Libyern (2,92 kg). Erst auf Platz fünf folgen die Briten (2,24 kg), ein Durchschnitts-Italiener konsumiert gar nur 80 Gramm jährlich.
Gute Tradition in Österreich
Wenn Österreicher von Tee sprechen, meinen sie Kräuter- und Früchtetee, stellt Tee-Importeur und -verkoster Stephan Krömer von Teegarten fest. Ist klassischer Tee gemeint, läuft er unter „russisch“. Österreich habe eine gute Teetradition, meint der Fachmann. Obwohl Teebeutel-Verkäufe stagnierten, sei dies bei Grüntee nicht der Fall. 80 bis 90 Prozent des in Österreich verkauften Tees würden den Ladentisch im Beutel verlassen. Der Anteil an lose verkauftem Tee nehme aber stetig zu.
Nach wie vor gut angenommen werden aromatisierte Tees, die bereits seit 30 bis 40 Jahren auf dem Markt sind. Der bekannteste ist der Earl Grey, ein Schwarztee mit dem Aroma der Zitronenfrucht Bergamotte. „Interessanterweise halten sich auch Tees mit Kirsch- oder Vanillegeschmack“, informiert Krömer. Eigentlich sei ein guter Tee aber an sich bereits so aromatisch, dass er keiner Zusatzstoffe bedürfe.
Biologischer Anbau gefragt
Den Trend, Grüntee zu einem Wellness-Produkt zu erklären, versteht der Experte. „Das hat seinen Ursprung in den Forschungen über Grüntee, die die gesundheitsfördernde Wirkung nachgewiesen haben.“ Auch würden die auf Körper und Gesundheit bedachten Konsumenten zunehmend Wert auf biologische Tees legen. „Immer mehr Plantagen stellen um, vor allem in Indien und Sri Lanka“, sagt Krömer. Der Druck dazu komme vor allem aus dem für Teeproduzenten wichtigen Markt Deutschland.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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