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Nichtraucherbereiche funktionieren nicht

26.11.2018

Einer neuen Studie zufolge sind in Graz 80 Prozent der untersuchten Nichtraucherbereiche in sogenannten Mischlokalen stark mit Feinstaub belastet.

Rund ein halbes Jahr nach dem Kippen des Rauchverbots in der Gastronomie durch die Regierung zeigt eine weitere Untersuchung erneut die Schadstoffbelastung in Mischlokalen auf. In 80 Prozent der überprüften Gaststätten mit Raucher- und Nichtraucherbereich in Graz wurden im Nichtraucherraum gesundheitsschädliche Mengen an Feinstaub gemessen, berichtet die Steiermärkische Gebietskrankenkasse. "Nichtraucherbereiche in Mischlokalen bieten eindeutig keinen ausreichenden Schutz. Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer hat das Recht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz – nur die Bediensteten in der Gastronomie sind von diesem Schutz ausgenommen. Das grenzt in einem modernen Land wie Österreich an einen Skandal", kritisiert STGKK-Obmann Josef Harb.

Nichtraucherzone ist nicht rauchfrei

Von September bis November 2018 wurden im Auftrag der Krankenkasse 26 Lokale in Graz untersucht: In den zwei Studien zuvor, die zu ähnlichen Ergebnissen kamen, waren das Lokale in Wien.  [LINK] "Durchschnittlich haben wir im Nichtraucherbereich fünfmal so viel Feinstaub wie im Außenbereich gemessen. Die Spitzen lagen nicht selten zehnmal höher als im Freien", erläutert der gerichtlich zertifizierte Sachverständige Peter Tappler, der die Studie durchgeführt hat. "Das Tabakgesetz wird in Mischlokalen leider wenig bis gar nicht eingehalten. Die meisten Übertritte passieren durch offene oder undichte Türen oder ungünstige Druckverhältnisse. Mitunter gibt es gar keine Trennelemente zwischen Raucher- und Nichtraucherbereichen", hat Tappler festgestellt.

Damit werden die gesetzlichen Vorschriften von einer rauchfreien Innenraumluft in Nichtraucherbereichen in vier von fünf Gaststätten nicht eingehalten. Tabakrauch besteht aus mehr als 5.000 Substanzen. Davon sind rund 90 Stoffe nachweislich krebserregend. Tabakrauch ist aber laut Arbeitnehmerschutzgesetz nicht als gesundheitsgefährdender Arbeitsstoff definiert. Andernfalls dürften Beschäftigte in der Gastronomie nur mit besonderer Schutzausrüstung arbeiten.

Tabakgesetz wird nicht eingehalten

In der Studie heißt es wörtlich: „Die Vorgaben des § 13a Tabak- und Nichtraucherinnen bzw. Nichtraucherschutzgesetz (TNRSG) sind daher in Zukunft so zu interpretieren, dass direkt durch eine Türe verbundene, an Raucherbereiche angrenzende Räume grundsätzlich nicht als Nichtraucherbereiche angesehen werden dürften. Diese Einschränkung sollte solange aufrechterhalten werden, bis der analytische Nachweis erbracht wird, dass unter üblichen Nutzungsbedingungen keine Tabakrauchbestandteile in den Nichtraucherbereich eindringen. Lediglich wenn ein als Nichtraucherbereich gekennzeichneter Raum nicht durch eine Türe mit Raucherbereichen verbunden ist, besteht die Möglichkeit (allerdings nicht die Sicherheit), dass die Vorgaben des § 13a mit größerer Wahrscheinlichkeit eingehalten werden.  

APA / RED

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