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Touristen suchen individuelle Unterkünfte. Wie wäre es mit dem Charme der DDR?

Nummernschilder für Beherbergungsbetriebe?

08.03.2018

Um die Erhebung der Ortstaxe zu vereinfachen, schlägt die Präsidentin der Wiener Apartmentvermieter Vereinigung die Einführung von Nummern für jeden Betrieb vor. Vorbild sind Städte wie Barcelona oder Paris.

Vor rund einem Jahr wurden die Regeln zur Einhebung der Wiener Ortstaxe im Rahmen einer Novelle des Tourismusförderungsgesetzes deutlich verschärft – vor allem in Hinblick auf das Gebahren der Sharing-Plattformen im steuerlichen Graubereich der Privatvermieter. „Die Stadt Wien wollte sich berechtigterweise einen Überblick über die Situation innerhalb dieses bedeutenden touristischen Segments verschaffen“, begrüßt die Präsidentin der 2015 gegründeten Wiener Apartmentvermieter Vereinigung (WAVV) diese Neuregelung grundsätzlich. Denn bis vor einem Jahr musste die Bundeshauptstadt einen Entgang von Einnahmen durch die Ortstaxe im sechsstelligen Bereich hinnehmen, „da im Gegensatz zu Hotels Vermieter von Ferienwohnungen und Apartments oft schwer greifbar waren – und dies leider noch immer sind“, so Rank.

Verfahren nicht mehr zeitgemäß

Aber sie bemängelt, dass das Verfahren zur Einhebung der Daten von den einzelnen Apartmentvermietern nicht zeitgemäß und daher auch völlig ineffizient sei. „Der Magistrat holt die Angaben der Vermieter einerseits mittels Excel-Tabelle von den Buchungs-Plattformen ein. Die Beamten müssen diese Daten dann manuell zuordnen und einpflegen – hier sind Fehler vorprogrammiert. Andererseits ist auch jeder Vermieter verpflichtet, ein Ortstaxenkonto zu eröffnen. Somit entsteht ein bürokratischer Doppelaufwand“, sagt die WAVV-Präsidentin und verweist auf Fälle, die ihr zugetragen wurden, „bei denen daher sogar die falschen Personen behördlich aufgefordert wurden, die Ortstaxe zu entrichten beziehungsweise ein entsprechendes Konto einzurichten“.

Die Lösung wäre so einfach

„Es kann nicht sein, dass wieder die Kleinen die Zeche zahlen sollen, während sich die Großkonzerne aufgrund ihrer Marktmacht an Steuern und Abgaben vorbeischummeln“, so die WAVV-Präsidentin, die auch gleich einen leicht umzusetzenden Ausweg aus diesem Dilemma präsentiert: „Ähnlich wie bei der Zulassung von Fahrzeugen könnten auch sämtliche Unterkünfte in Wien (Ferienwohnungen, Apartments und Hotels) vom Magistrat eine Nummer zugeteilt bekommen – analog zum Kennzeichen von Fahrzeugen etwa.

Damit werden auch sämtliche Ferienwohnungen und Apartments eindeutig zuordenbar, ohne dafür personenbezogenen Daten an Behörden weitergegeben zu müssen. Jedes Listing ohne entsprechende Nummer wäre ein Verstoß gegen das Gesetz und hätte sofort rechtliche Konsequenzen zur Folge – sowohl für Plattformen als auch für Vermieter. Die Marktteilnehmer hätten dadurch völlige Rechtssicherheit und könnten ihre Ortstaxe ordnungsgemäß entrichten, ohne – meist ohne eigenes Zutun und unbemerkt – mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.“ Städte wie Barcelona, Paris oder auch San Francisco haben ein ähnliches Nummernsystem für Unterkünfte bereits installiert.

Auch für Wien hätte dieses System zahlreiche Vorteile. „Die Stadtverwaltung hätte so die absolute Kontrolle über den Vermietermarkt und könnte den administrativen Aufwand dafür auf ein Mindestmaß reduzieren“, betont die WAVV-Präsidentin. „Auch etwaige Verwechslungen und falsch zugestellte behördliche Schreiben würden damit der Vergangenheit angehören; eine absolute Win-win-Situation. Und es könnte letztendlich auch verhindert werden, dass ein Überangebot an Ferienwohnungen außerhalb der Saisons zur Verwaisung ganzer Grätzl führe, da die Wohnungen dann ja leer stehen“, meint Rank. Und: Dieses System ließe sich auch ohne großen Aufwand auf Bundesebene übertragen und somit die Einhebung der Ortstaxen österreichweit wesentlich vereinfachen.

Wiener Apartmentvermieter Vereinigung

Seit 2015 setzt sich die Wiener Apartmentvermieter Vereinigung (WAVV) rund um Präsidentin Stephanie Rank sowie den beiden Vizepräsidenten Andreas Novotny und Christian Rank für die Interessen der Wiener Vermieter von Ferienwohnungen und Apartments ein. Das Ziel der überparteilichen und unabhängigen Vereinigung ist es, faire Verhältnisse für alle Marktteilnehmer zu schaffen. „Gastgeber sein bedeutet mehr als nur eine Wohnung zu vermieten“, sagt Stephanie Rank, die selbst gemeinsam mit ihrem Mann Christian die Online-Booking-Plattform Apartment.at führt. „Nur wenn wir uns auf gleicher Augenhöhe begegnen, können wir gemeinsam etwas bewegen und den Markt gestalten.“

 

 

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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