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Wie Konsumenten bezahlen, verändert sich gerade grundlegend. Bargeld ist aber trotzdem noch die Nummer eins. Noch.

Nur Bares ist Wahres – aber nicht mehr lange

13.02.2018

Auch wenn es rund um seine Abschaffung viele Diskussionen gibt: Bargeld bleibt Österreichs beliebtestes Zahlungsmittel. Wie sieht aber die Zukunft aus? Und welche Trends zeichnen sich beim Zahlungsverkehr ab? 

Man sollte realistisch bleiben: Auch wenn es immer wieder Vorstöße in Richtung Bargeldabschaffung gibt, in den nächsten Jahren wird sich im Euro-Raum an der momentanen Situation nichts ändern. 

Österreich liebt Bargeld

Denn mit Bargeld zahlt man nicht nur in Österreich am liebsten. Eine Studie der Österreichischen Nationalbank (OeNB) aus dem Vorjahr hat erhoben, dass Bargeld nach wie vor das Zahlungsverhalten mit einem Anteil von 82 Prozent an allen Transaktionen und 65 Prozent am gesamten Zahlungsvolumen dominiert. Das hat damit zu tun, dass in manchen Bereichen – auch in der Gastronomie – noch immer eine eingeschränkte Kartenakzeptanz vorherrscht. Die innige Liebe zum Bargeld erklärt sich allerdings nicht allein durch die teilweise mangelnde Akzeptanz von Karten in Betrieben, so die Studie. Bargeld kommt hierzulande nicht nur gerne für Kleinbeträge unter 25 Euro zum Einsatz, sondern auch oft für Transaktionen mit hohen Beträgen: Fast die Hälfte (47,2 %) der Transaktionen über 100 Euro werden bar beglichen. 55 Prozent sagen laut OeNB-Studie, dass sie in einem Geschäft vorzugsweise bar zahlen (auch wenn Kartenzahlungen möglich sind), 30 Prozent zahlen lieber mit Karte. Durch die hohe Bankomatdichte – Österreich ist europaweit Nummer eins – ist eine perfekte Versorgung mit Bargeld vorhanden. Die Zukunft sieht aber anders aus, bargeldloses Bezahlen ist auf dem Vormarsch. 

Auch wenn Bargeld immer noch die Nummer eins unter den Bezahlformen ist: Der technologische Fortschritt bietet neue Möglichkeiten, er ändert auch die Erwartungshaltung der Gäste im Hinblick auf Gastronomie und Hotellerie. Wir bieten Ihnen einen Überblick über die drei wichtigsten Trends beim Thema „Bezahlen“:

Sprachschnittstellen

Nicht nur beim Zahlungsvorgang werden Sprachschnittstellen eine immer größere Rolle spielen: Euromonitor International geht davon aus, dass im Jahr 2017 weltweit bereits rund 81 Millionen „intelligente persönliche Assistenten mit Lautsprecherfunktion“, wie beispielsweise Amazon Echo, verkauft wurden. Hier erwarten Experten ein weiteres dynamisches Wachstum. Jede vierte Google-Suchanfrage auf Smartphones wird heute bereits gesprochen, in Zukunft wollen Konsumenten über Amazon Echo und andere Geräte nicht nur den Wetterbericht abfragen, Filme und Musik suchen, sie werden über diese Technologie auch vermehrt einkaufen. Sie werden Tische reservieren und auch mittels Sprachsteuerung bezahlen. Die Erwartungshaltung an ein positives Kassenerlebnis, das am besten auch noch sicher ist, ist klarerweise hoch.  

Der Gast von morgen wird mittels Sprachsteuerung seine Mobile-Banking-App steuern und entscheiden, mit welcher Karte er wo bezahlen wird. Und er wird wahrscheinlich mit seinen im Hintergrund hinterlegten Zahlungsdaten im Restaurant, Kaffeehaus, Shop oder beispielsweise den Lieferdienst bezahlen, das soll und wird weitgehend unsichtbar im Hintergrund ablaufen. Für den Unternehmer wird es allerdings wichtig, so viele verschiedene Zahlungsarten zur Verfügung zu stellen wie möglich. 

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz (AI) hat das Potenzial, viele Branchen – einschließlich der Tourismuswirtschaft – nachhaltig zu verändern. Bei exponentiell wachsenden Datenmengen ist das auch notwendig, denn Daten werden im großen Stil gesammelt, Menschen werden ohne Hilfe diese Daten niemals auswerten können.

Der US-Finanzdienstleister Capital One etwa setzt heute bereits künstliche Intelligenz ein: Kunden können via Chatbots Kontostände abfragen und interne Überweisungen durchführen. „Künstliche Intelligenz wird zur Zukunft des Wachstums“, sagt Matt Wood, Chef der Deep-Learning-Abteilung bei Amazon, in einem Forbes-Interview. Seine These: „Je mehr Unternehmen in maschinelles Lernen investieren, desto mehr wachsen sie.“ Für Zahlungsdienstleister ist künstliche Intelligenz kein Neuland. So wird KI bereits bei der Überwachung von Kreditkartentransaktionen eingesetzt, bei denen Lernalgorithmen eine wichtige Rolle bei der Autorisierung von Transaktionen in Echtzeit spielen. Die Unternehmensberatung McKinsey etwa sieht viele Möglichkeiten, um den Einsatz von KI im Zahlungsverkehr auszuweiten: Hier soll vor allem der Einsatz virtueller Assistenten zur Verbesserung der Customer-Experience eine tragende Rolle spielen, aber auch die Betrugsbekämpfung.

NFC-Technologie

„Wachstum“ ist auch das Stichwort beim Bezahlen über mobile Endgeräte. Bereits über 75 Prozent der Europäer nutzen ihr Smartphone für Bankgeschäfte, aber auch für Einkäufe. Das geht aus der Digital-Payments-Studie von Visa hervor. Demnach haben bereits 68 Prozent eine digitale Geldbörse genutzt, also Guthaben auf einer Plattform wie etwa PayPal gespeichert und eine mobile Bezahllösung benutzt (z. B.
wie Apple Pay). Man denke nur an die Erleichterungen für Gäste im Bergtourismus, die ihre Spendierhosen auch dann anziehen könnten, wenn kein Bankomat in der Nähe ist. Was Gäste immer bei sich haben, sind Smartphones. Die „Near Field Communication“ (NFC) ist auf dem Vormarsch, die Technik wurde 2013 in Österreich eingeführt. Mittels Chip, der etwa in Bankomatkarten eingebaut ist, kann kontaktlos an Bankomatkassen bezahlt werden. Card Complete treibt die flächendeckende Einführung NFC-fähiger Terminals voran. Auch die Einführung moderner SIM-Karten mit NFC-Funktionalität ist auf dem Vormarsch. Die Vorteile für Betriebe muss man nicht lange erklären: kein Hantieren mit Bargeld, mehr Kundenkomfort, weniger bürokratischer Aufwand bei der Buchhaltung. Laut Card Complete verdoppelten sich von 2015 auf 2016 die Umsätze, die über NFC erfolgten, auf 26 Millionen Euro. Man muss kein Hellseher sein, um vorherzusehen, dass es hier weiteres Wachstums-potenzial geben wird.

Blickt man nach China, so wird einem klar, wohin die Reise gehen könnte: 2015 haben Chinesen erstmals mehr Käufe über ihre Mobiltelefone getätigt als über ihre Computer. 2016 waren laut Euromonitor International bereits zwei Drittel der digitalen Einkäufe mobil. Die beiden größten Player in diesem Segment in China sind Alipay und WeChat. Alipay setzt alles daran, um außerhalb Chinas Fuß zu fassen. Es ist auch im Interesse aller potenziellen Destinationen, chinesischen Gästen Bezahlmöglichkeiten zu schaffen, die sie von daheim kennen. Denn die Kaufkraft im Reich der Mitte wächst, laut Schätzungen werden Chinesen im Jahr 2030 voraussichtlich 225 Millionen internationale Reisen unternehmen. Alipay hatte mit Ende 2017 geschätzte 520 Millionen aktive Nutzer. Mit internationalen Zahlungsdienstleistern kooperiert Alipay bereits heute, im Vorjahr startete man erste Kooperationen in Österreich. Die Zukunft des Bezahlens hat bereits begonnen.

 

Autor/in:
Alexander Grübling
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