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Weniger Betten, weniger Betriebe, mehr Nächtigungen

Nur die Guten machen die wirklich guten Geschäfte

07.01.2016

Jahrelang hat die Spitzenhotellerie in Qualitätsverbesserung und Betriebsgrößenoptimierung investiert. Das zahlt sich jetzt aus. Und die Investitionsdelle der letzten Jahre scheint zu Ende zu gehen, sagen die Geschäftsführer der Österreichischen Hotel und Tourismusbank ÖHT.

Investitionstätigkeit im Tourismus im Vergleich zur Gesamtwirtschaft: jährliche Veränderung der Verbindlichkeiten gegenüber dem Vorjahr

Die ÖHT hat das Jahr 2016 auf ihrer traditionellen Pressekonferenz mit vielen guten und einigen nachdenklich machenden Zahlen und Analysen eröffnet. So sagte ÖHT-Geschäftsführer Franz Hartl: „Weniger und immer professionellere Unternehmen erzielen mehr Nächtigungen und der Umbau zu höheren Angebotsqualitäten erbringt ein Mehr an Wertschöpfung.“ Der Druck zu mehr Sternen nimmt zu: Gab es vor 15 Jahren noch ungefähr genau so viele Betten in der 1-2-Sterne-Kategorie wie in den 4-5-Sterne-Kategorie, so hat seitdem das Angebot in der Tophotellerie um 38% zugenommen, während die Kapazitäten in den unteren Kategorien im gleichen Maße abgenommen haben. Gleichzeitig wurde laut ÖHT-Studien viel in eine Erweiterung des Betriebes investiert: Die durchschnittliche  Bettenzahl pro Betrieb liegt jetzt bei 46 Betten – was im internationalen Vergleich immer noch wenig ist –, in der Tophotellerie bei 102 Betten. Damit kann man auch Zusatzeinrichtungen wie Wellness- oder Seminarbereiche anbieten.

Mehr Kapazitäten, besserer GOP

In Wellness wurde vor zehn Jahren viel investiert – jetzt nicht mehr. In den meisten Fällen dürfte das vorerst auch nicht mehr nötig sein. Jetzt geht es um Betriebsgrößenoptimierung, um international vermarktbar zu sein. Laut ÖHT-Analysen führt ein Mehr an Kapazitäten unmittelbar zu Mehreinnahmen, auch weil vorhandene Zusatzeinrichtungen wie Wellnessbereiche dann zur besseren Auslastung beitragen können.

Und es geht um eine weitere Qualitätssteigerung und Positionierung: Laut ÖHT erwirtschaftet ein österreichisches Hotelzimmer einen GOP (Gross Operating Profit, Betriebsergebnis I, Überschuss, die Differenz aus Umsatz und betriebsbedingtem Aufwand vor AfA) von 8.500 Euro im Jahr. Spitzenbetriebe erzielen jedoch Werte von mehr als 50.000 Euro pro Zimmer. Und warum?

Erfolgsgründe für Spitzenhotellerie

  • Sie sind zu 85% klar positioniert und haben zu 60% den Saisonschwerpunkt im Winter.
  • Die Positionierung wiederum liegt zu 65% im Wellnessbereich und zu je 10% bei Medical Wellness bzw. Kinder/Familien.
  • Die restlichen 15% der erfolgreichen Betriebe ohne klare Positionierung schöpfen ihre Ertragsstärke aus einer attraktiven, international konkurrenzfähigen Wintersportregion.
  • Diese erfolgreichen Betriebe liegen mit durchschnittlich 150 Betten klar über der österreichischen Durchschnittsbetriebsgröße und bieten Zusatzangebote an.
  • Operative Spitzenleistung in diesen Betrieben führt zu überdurchschnittlicher Umsatzrentabilität: GOP in Prozent zum Jahresumsatz: 32% im Schnitt, manchmal aber auch bis zu 49%. Der Österreichschnitt liegt in der Top-Hotellerie bei knapp über 20%.

Insgesamt hat sich die lange negative Eigenkapitalquote bei allen Betrieben der 3-5-Stern-Kategorie ins Positive gedreht. Gründe dafür: Eine realistischere neue Bewertung der Aktiva und die dauerhaft niedrigen Zinsen. Aber seit 2010 habe sich die Investitionstätigkeit verlangsamt – mit dem Tiefpunkt 2015. Gründe dafür: u.a. schlechte Rahmenbedingungen (drohende Steuerreform), schlechtes Wetter. Abgesehen von Investitionen in Beschneiungsanlagen haben laut Hartl insbesondere Investitionen in Infrastruktur stark nachgelassen: Golfplätze, Klettergärten, Thermen. Diese haben vor zehn Jahren noch 20% der Finanzierungstätigkeit der ÖHT ausgemacht, jetzt sind es 5%. Auch Hartl gibt zu, dass wir vermutlich genügend Golfplätze und Thermen in Österreich haben, trotzdem sei der Rückgang „besorgniserregend“: Es gebe noch genügend zu tun, zum Beispiel ein Ausbau des Wegenetzes für Wanderer, Radfahrer usw. Um von der Mobilität ohne Auto noch gar nicht zu sprechen.

Ganzjahrestourismus oder Winter?

Signifikant weniger investieren Regionen, deren Hauptsaison in den Sommer fällt (Kärnten, Salzkammergut). Investiert wird verstärkt in Ganzjahresangebote und in den Winter. Und hier könne Österreich auf sein Angebot stolz sein, sagt Hartls Kollege Wolfgang Kleemann, ebenfalls Geschäftsführer der ÖHT: Man liegt mit 52 Millionen Skierdays weltweit auf dem dritten Platz, hinter den USA und Frankreich. Im Winter habe Österreich wirklich ein Alleinstellungsmerkmal, sagt Kleemann. Anders als im Sommer. Aber auch da sehen die beiden Chefs der ÖHT große Chancen in Konkurrenz zu einigen Mittelmeeranrainern: In Kärntner Seen würde man sicher auf keine toten Quallen treffen und die Temperaturen seien auch im Hochsommer im Salzkammergut durchaus noch erträglich.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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