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Gute Ideen für die und nach der Krise. Die neue ÖGZ Serie!

ÖGZ-Serie: Noch mehr gute Ideen für den Neustart

18.05.2020

Wie Betriebe schnell, intelligent und flexibel auf die Krise reagieren. Wir fassen die Geschichte von Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Tourismusbranche zusammen. Geschichten die durchaus zum Nachahmen dienen können. Den Teil 1 der Serie finden Sie hier. 

Eine Innovation im Shutdown

Andrea Hörzer und Philipp Ernst von der Josef Bar in Wien verkaufen jetzt per 
Lieferservice Cocktails in der Flasche.

Mit dem neuen Online-Shop für „Bottled Cocktails“ haben wir unsere Josef Bar in Wien um ein neues Produkt erweitert. Wir sehen diese Drinks nicht als einen Lieferservice, auch wenn wir in der „Corona-Zeit“ gestartet sind, sondern als eigenes Produkt an. Denn aus meiner Sicht funktioniert eine Bar ja nicht wie eine Pizzeria, die alles auch in Zustellung anbietet. Ein „Sour“ mit Eiweiß lässt sich z. B. nicht verschicken. Wir stellen unsere Cocktails in Flaschen zu 100 und 500 Millilitern bundesweit zu, der Versand kostet einheitlich 5,90 Euro, ab 100 Euro Bestellwert, was ca. sechs Cocktails entspricht, ist die Versendung kostenlos. Die Rezepte sind entweder Klassiker ohne verderbliche Zutaten, etwa „Martini“, „Old Fashioned“ oder „Negroni“. Letzteren gibt es auch als steirische Variante mit „Stin Gin“, daneben kann man einen „I am from Austria“ mit rein österreichischen Spirituosen ordern. Eine Besonderheit ist auch die „21th Century Piña Colada“. Durch die Methode der Milchklärung können wir auch diesen beliebten Drink versenden und zwar voll aromatisch und glasklar. 

Natürlich bieten wir unsere Bottled Cocktails auch für Wiederverkäufer an, so wird Top-Qualität auch ohne Bartender – etwa bei Events – ermöglicht. Gerne füllen wir Bottled Cocktails mit individuellen Labels für Firmen oder spezielle Anlässe ab. Weiters bieten wir mit Partnern wie Riedel auch die Cocktailgläser an und professionelle Garnituren wie getrocknete Orangen-Räder oder Ananas-Chips. Der „Bottled Cocktail“-Shop wird auch als Angebot bleiben, und wer weiß, vielleicht brauchen wir bald Stellplätze für die Paletten mit den Drinks – die Vorarbeit, auch bei der Abfüllung, haben wir bereits gemacht. 

Eine Innovation im Shutdown, by d.nutz

 

 

Baba, Frühstücksbuffet

Geschäftsführer Mustafa Özdemir hat in den Loisium-Hotels mit neuen Ideen das Frühstücksbuffet abgeschafft – für immer.

Die Loisium Wine & Spa Hotels wollen Essen als wertvolles Gut präsentieren und servieren. Dafür bedarf es zweier Zutaten – Kreativität und Design. Aus diesem Grund freue ich mich ganz besonders über die Zusammenarbeit mit dem Food-Design-Duo Honey & Bunny. Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter sind renommierte Gründungsmitglieder der internationalen Food-Design-Szene. Sie setzen sich intensiv mit Nachhaltigkeit auseinander und arbeiten immer mit einem Augenzwinkern. Zusammen entwickeln wir ein ganzheitliches Ökokonzept und kreieren Inszenierungsmöglichkeiten für ein wertvolles, schönes sowie radikal anderes Frühstück.

Das traditionelle Frühstücksbuffet mit neun Wurst- und Käsesorten, überladenen und stehengelassenen Tellern ist nun „Schmäh“ von gestern. Wenn wir uns in irgendeiner Zukunft wieder näherkommen dürfen, wird bei uns das Buffet keine Renaissance erleben. 

Das zügellose Darbringen von wertvollem Essen widerstrebt unserer Philosophie. Ein Frühstücksbuffet verursacht mehr als vierzig Prozent Food-Waste und benötigt durchschnittlich vier Gedecke pro Gast, was eine immense und vor allem unnötige Verschwendung an Energie und Wasser bedeutet. 

Unsere Loisium-Kitchenrockstars kreieren aus regionalen und saisonalen Spezialitäten kulinarische Highlights. Der Gedanke der Nachhaltigkeit und der Reduktion von Lebensmittelverschwendung wird dabei großgeschrieben. Auch die Themen Herkunft sowie Produktqualität lässt man dabei nicht außer Acht. Auch Konzepte wie „Nose to Tail“ spielen wieder eine Rolle. 

Baba, Frühstücksbuffet, by d.nutz

 

 

Neue Angebote für die Gäste

„I schaug auf di, du schaugsch auf mi!“, war schon vor Covid-19 der Leitspruch von René Föger und seinem Familien-Landhotel Stern am Mieminger Plateau in Tirol.

Ehrlich? Ich bin genervt. Nach Krisenmanagement, Schock und Feuerlöschen ist eine Ernüchterung mit Unsicherheit da, weil es viele Fragezeichen gibt. Wie soll ich Mitarbeiter anmelden? Wie viele Kunden werden kommen? Wann geht die Grenze auf? Sieben Wochen Lockdown und die Aussicht auf weitere sieben Wochen Blindflug sind zu viel. Bleiben die Verordnungen so, ist es okay, Ungewissheit und ständige Änderungen sind schwierig. Der Weg aus der Krise ist eine Bruchlandung; diese Saison, das Jahr, ist abzuschreiben. Wir konzentrieren uns darauf, verantwortungsvoll zu agieren, vielleicht hat die Bundesregierung deswegen unseren jahrhundertealten Leitspruch „I schaug auf di, du schaugsch auf mi“ ausgeliehen. Wir haben kulante Lösungen für Gäste, Angebote angepasst und wollen alle Mitarbeiter wieder holen. Menschen gehen vor! 

Neue Ideen sind essenziell, weil aktuell 95 % der Hotelkunden und 80 % der Wirtshauskunden nicht kommen dürfen. Im Wirtshaus setzen wir auf Kreislaufwirtschaft, regionale Wertschöpfung, Verwertung, kaum Abfall und Unterstützung der Partner vor Ort. Gesundheit, Sicherheit und Resilienz sind wichtige Werte. Wenn wir es wieder dürfen, schätzen wir noch mehr die Gemeinschaft mit Familie und Freunden; das Gesellige … die Sehnsucht ist groß. 

Als Familienhotel bieten wir Tipps und Do-it-yourself-Aktivitäten an: Leih-a-Pony, Heuschnarchen, Picknick-Körbe und mehr. Betreuung findet in Kleingruppen und hauptsächlich in der Natur statt, damit sich Kinder nach der Homeschooling-Zeit von den Eltern erholen können. Das Image von Tirol mag kurzfristig beschädigt sein, langfristig aber nicht. Es hätte überall passieren können. Wichtig ist, dass es keinen Schaden gibt, alles aufgearbeitet wird, man „Tuat ma load“ sagt und Konsequenzen zieht.

Neue Angebote für die Gäste, by d.nutz

 

Kleinen Wirts­häusern ­helfen

Wirtsleute sind meist keine Marketing-Experten. Der Tiroler Markus Stegmayr greift einigen unter die Arme.

Ganz ohne akute Wirtshauskrise gründete ich als leidenschaftlicher Gast im November 2018 die Facebook-Gruppe „Wirtshausgeschichten – Restaurantempfehlungen und Gastroerlebnisse“. Es geht in dieser Gruppe darum, Wirtshaus-
erlebnisse in kleine Erzählungen zu übertragen und damit Leser dazu anzuregen, im gerade besprochenen Gasthaus eigene kulinarische und gesellige Erfahrungen zu machen. Dadurch war ein kleines, aber durchaus wirksames und vor allem authentisches Mittel etabliert, um Wirtshäusern und deren Vorzüge kostenlos zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. 

In der Corona-Krise schafften wir, aus dieser Facebook-Gruppe einen Lieferservice auf die Beine zu stellen. Die Facebook-Gruppe dient als wirksames Kommunikationsmittel, das Stammgäste vernetzt und zugleich den neuen Service nach außen trägt. Unterstützt durch diese einfache Idee, blühte der Lieferservice auf, und wir wollen weitere Ideen entwickeln.

Kleinen Wirts­häusern ­helfen, by d.nutz

 

Nicht den Humor verlieren

Valentina Tosoni hat mit 28 das Rathaus-Café in Villach übernommen. Kraft geben ihr heute ihre Kunden.

Ich habe das Lokal vor drei Jahren von meinen Eltern übernommen, da war ich 28. Ich bin also Jung-
unternehmerin. Meine Eltern haben mehr als 40 Jahre lang das Rathaus-Café in Villach geführt, ich hatte zehn Jahre im Betrieb mitgearbeitet. Drei Jahre später kommt das Coronavirus, das ist schon hart. Ich gehe aber mit viel Kraft und Humor in die Zukunft. Natürlich schwanken meine Gefühle oft zwischen hoffnungsvoll und traurig. Was mir geholfen hat, sind die Kunden. Ich bin immer mit meinen Stammgästen in Kontakt geblieben, sie helfen mir. Die meisten Probleme machen mir die Platzierung der Tische und das Verbot der Thekengäste. Meiner Ansicht nach müsste das auch mit Abstandsregelung möglich sein. Gott sei Dank gibt es bei uns keine Probleme hinsichtlich Partnern und Lieferkette. Da läuft alles wie geschmiert, und ich kann mir auch in Zukunft keine Einschränkungen vorstellen. Nur an die Regierung hätte ich einen Wunsch: die Senkung der Mehrwertsteuer wie in Deutschland!

Nicht den Humor verlieren, by d.nutz
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