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Nächtigungen steigen, Zulassungen für Saisoniers sinken

ÖHV: Saisonier-Regelung ist überholt

03.11.2016

 Bei der Rot-Weiß-Rot-Karte sind Nachbesserungen nötig, Branche klagt über zu wenige Saisoniers.

Mehr Nächtigungen und gleichzeitig weniger Angebot am Arbeitsmarkt vertragen sich nicht, befindet die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV). Präsidentin Michaela Reitterer fordert daher, mehr Arbeitskräfte aus dem Ausland ins Land zu lassen. Unterstützung bekommt sie dabei von Sepp Schellhorn, Hotelier und Wirtschaftssprecher der Neos. Unisono fordern beide eine Anpassung der Kriterien der Rot-Weiß-Rot-Karte, die den Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt für Nicht-EU-Ausländer regelt. „Da müssen wir nachschärfen“, erklärt Reitterer. Der Hintergrund: Die derzeitigen Regeln zielen vor allem auf den Zuzug von Akademikern ab. Für Fachkräfte in Tourismus und 
Gastronomie ist es schwierig bis unmöglich, die Anforderungen zu erfüllen. Hinsichtlich der derzeitigen Arbeitsmarktsituation in der Branche fordern Reitterer und Schellhorn eine schnelle und pragmatische Lösung.

 
90.000 offene Stellen

„Ausgerechnet dort, wo der Mitarbeiterbedarf am größten ist, weist die Rot-Weiß-Rot-Karte Riesenlücken im System auf“, verweist Reitterer auf AMS-Statistiken: Keine andere Berufsobergruppe schreibt auch nur annähernd so viele Stellen aus wie Tourismus und Gastgewerbe. Laut AMS sind derzeit rund 90.000 offene Stellen in der Branche gemeldet. „Wer hier den Bedarf nicht sieht, schaut absichtlich weg“, erklärt Schellhorn. Die Zahl der Nächtigungen steigt jedenfalls. Die Kritik richtet sich an Sozialminister Alois Stöger, der sich nach Ansicht von Reitterer und Schellhorn zu sehr von der Gewerkschaft beeinflussen lässt. Die Gewerkschaft weist das freilich zurück. Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus, erklärt, dass die Kontingente gemeinsam mit der Wirtschaftskammer sozialpartnerschaftlich ausverhandelt wurden. 

Überholtes System

Reitterer und Schellhorn wollen trotzdem, dass die Wirtschaftskammer sie bei ihrem Vorhaben, die Zutrittsbarrieren für den Arbeitsmarkt zu reduzieren, unterstützt. Und auch die Gewerkschaft zeigt grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft, wenn sie Saisonkontengente als „überholtes System“ bezeichnet.
Reitterer versucht ihre Forderung mit Zahlen zu belegen: 2006 lag die Zahl der Winter-Saisoniers (Nicht-EU-Ausländer) in Österreich noch bei 7.045. Fünf Jahre später, 2011 (Österreich hatte die Fristen für die Arbeitsmarktöffnung in Folge der EU-Erweiterung maximal ausgereizt), wurde das Kontingent auf 1.935 zusammengestutzt. Seither wurde es weiter reduziert. Reitterers Schluss: „Jahr für Jahr fehlen den Hotels mehr Mitarbeiter. Das diesjährige Kontingent von 1.100 Saisoniers markiert einen neuen Tiefpunkt, aber es wird nicht der letzte sein. Denn der Fehler ist systembedingt.“ 
Zur Info: Über die Rot-Weiß-Rot-Karte soll qualifizierten Arbeitskräften aus Drittstaaten und ihren Familienangehörigen nach arbeitsmarktpolitischen Kriterien der Zuzug gewährt werden. Unternehmensvertreter kritisieren die Bestimmungen als zu streng.    

Autor/in:
Daniel Nutz
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