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ÖHV Tirol: Förderung für Investitionen gefordert

17.06.2009

Die Hotellerie muss 3 Mrd. Euro investieren, um im Wettbewerb nicht zurückzufallen, so Tirols ÖHV-Landesvorsitzender Manfred Furtner. Die historisch niedrigen Zinsen sollen weitergegeben, Investitionen forciert werden.

Manfred Furtner, Landesvorsitzender der ÖHV in Tirol

Nach dem mit 25,5 Mio. Nächtigungen zweitbesten Tourismuswinter der Geschichte blickt Tirol gespannt auf den kommenden Sommer.
An den Buchungsständen wird der Rückgang schon sichtbar: An einer aktuellen Umfrage der ÖHV haben mehr als 120 Tiroler 3- bis 5-Sterne-Hoteliers teilgenommen. 43 % erwarten aufgrund des derzeitigen Buchungsstandes einen Nächtigungsrückgang von bis zu 10 % gegenüber dem Vorjahr. 24 % gehen von noch größeren Rückgängen aus. 36 % der Hoteliers erwarten Umsatzrückgänge von bis zu 10 %. 32 % der Hoteliers müssen aufgrund der bisher eingegangenen Buchungen von noch höheren Umsatzrückgängen ausgehen: "Auch wenn es sicher Regionen gibt, die sich besser vermarkten: Der Buchungsstand liegt deutlich unter dem Vorjahresniveau", erklärt ÖHV-Landesvorsitzender Manfred Furtner.

Branchenübergreifende Problematik

Eine Folge des rückläufigen Buchungsverhaltens werde in ganz Tirol zu bemerken sein: "Die Einnahmen gehen zurück, die Hotels müssen sparen", verweist Furtner auf ein weiteres Ergebnis der ÖHV-Umfrage: 46 % der Hoteliers wollen geplante Investitionen kürzen oder streichen. Dem sollte die Politik entgegenwirken - schließlich hängen an den Investitionen der Hotellerie zahlreiche Jobs in anderen Branchen. "Wir vergeben 80 % unserer Investitionsaufträge an Betriebe im Umkreis bis 90 km. Nur 6 % gehen ins Ausland. Das ist logisch, eine authentische Tiroler Stube kann nicht in China hergestellt werden", so Furtner. Jeder Arbeitsplatz in der Hotellerie sichert zwei Arbeitsplätze in der Gesamtwirtschaft, jeder Rückgang bei den Investitionen kostet Jobs. "Arbeitslosigkeit muss verhindert werden, nicht verwaltet! Nur wer die Ursachen für den Auftragsrückgang in Industrie und Gewerbe bekämpft, sichert Arbeitsplätze und Wohlstand", erklärt Furtner.

Finanzierungen sind lebensnotwendig

Ein Vergleich der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) zeigt die enorme Investitionsfreude im Tiroler Tourismus: Tiroler Betriebe bezogen 29 % der Bundesförderungen für Tourismusinvestitionen. Im Vorjahr beliefen sich allein die Investitionen zur Qualitätsverbesserung auf 220 Mio. Euro. Qualitätsverbesserung und Modernisierung stehen auch laut der ÖHV-Umfrage vorne auf der Liste jener Investitionen, die für heuer und nächstes Jahr geplant sind bzw. am ehesten gemacht würden. Aber wird überhaupt noch investiert? Bei 49 % der Befragten werden die geplanten Investitionen für 2009 und 2010 planmäßig erfolgen, aber fast ebenso viele, nämlich 46,1 %, werden ihre Investitionen reduzieren. Denn trotz historisch niedriger Zinsen ist Fremdkapital dank Risikoaufschlägen oder Zuschlägen für die Beschaffung von Fremdwährungen nicht günstiger geworden. "Dabei geht es nicht nur um die Hotels und ihre Mitarbeiter, an denen Entscheidungen der Banken hängen noch einmal so viele Arbeitsplätze in der Region. Die niedrigen Zinsen müssen beim Kreditnehmer ankommen, statt sie durch Auf- und Zuschläge zu erhöhen. Die Banken sind hier gefordert, regional und branchenübergreifend zu denken", so Furtner.

Mehrwertsteuer sollte gesenkt werden

Damit dem so bleibt, solle das Land auf die Banken einwirken: Die Tür zu Finanzierungen müsse offen bleiben. Die Landesbank solle Investitionen danach beurteilen, welche Wertschöpfung aus ihnen resultiert: "Die Investitionen der Tourismuswirtschaft sind ja auch eine sichere Einnahmenquelle für die Banken: Die Insolvenzquote in der Hotellerie liegt mit 0,44 weit unter dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. Der liegt bei 1,68", verweist Furtner auch darauf, dass zahlreiche Betriebe in anderen Branchen straucheln. "Rund um uns fallen die Steuern: Frankreich besteuert die Gastronomie mit 5,5 % statt 19,6 %, die Schweiz Nächtigungen mit Frühstück mit 3,6 %. Österreich bleibt mit 10 % über", so Furtner. Die Auswirkungen einer Mehrwertsteuersenkung sollten im Hinblick auf die geänderte Situation bei den Mitbewerbern rings um Österreich umgehend überprüft werden. Die Angst vor einem Einnahmenausfall sei unbegründet: "Steuersenkungen sind wertvolle psychologische Schützenhilfen und bringen ein Vielfaches an Einnahmen wieder zurück. Die Tourismusbetriebe haben laut Nationalbank mehr als 70 % des Leistungsbilanzüberschusses erwirtschaftet. Es gibt keine gewinnbringendere Investition als die in den Tourismus", bricht Furtner eine weitere Lanze für die Branche.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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