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Öl kommt nur noch in den Salat ...

17.03.2009

Energiekosten, Saisonierregelung, Berufsimage, Billigtourismus, Golfplatzkonzept... Die ÖGZ hakte nach, wo der Hotellerie in Tirol der Schuh drückt.

Verfügt Tirols Tourismus über ausreichend Mitarbeiter?

Gotthard Scheiber: Leider nein, uns fehlen wie auch in allen anderen Branchen Fachkräfte und das möchte ich extra betonen, auch die dazugehörigen Hilfskräfte.

Harald Ultsch: Nein, in Saisonzeiten fehlen sowohl Fachkräfte als auch Hilfskräfte.

Richard Hauser: Die Frage ist nicht, wie viele Mitarbeiter verfügbar sind, sondern in welcher Qualifikation diese Mitarbeiter sind. Hier gilt es vor allem, die Hilfstätigkeiten mehr wertzuschätzen. Derzeit ist die Anzahl zu den Hochsaisonzeiten (insgesamt ca. vier Monate im Jahr) zu gering, sonst ausreichend.

Lieselotte Sailer: Nein, Mitarbeitermangel im Tourismus gibt es schon seit vielen Jahren.

Josef Hackl: Nein, es ist ein Problem das sowohl die Hotellerie als auch die Gastronomie betrifft. Es braucht eine sofortige Öffnung der Arbeitsmärkte in den neuen EU-Ländern. Sonst haben wir in Zukunft ein Mitarbeiterproblem. Wenn einheimische Mitarbeiter nicht verfügbar sind, müssen sofort Mitarbeiter aus den Drittländern Serbien, Bosnien und Kroatien geholt werden können. Die Zukunft unserer Branche sind die Mitarbeiter. Ohne sie ist die hohe Qualität des Tiroler Tourismus nicht haltbar.

Josef Greil: Das ist immer eine Frage der Saisonzeiten. Aber das größte Problem ist, dass Tirol leider über sehr wenig sehr gute Mitarbeiter verfügt. Die Top Leute gehen alle ins Ausland weil der Stellenwert einfach höher ist als in Tirol.

Manfred Furtner: Nein, besonders klemmt es bei Hilfskräften. Um unseren Arbeitskräftebedarf abzudecken, brauchen wir internationale Mitarbeiter. Aber die lauwarme Fachkräfteverordnung, über die wir nur Köche bekommen, und die Unentschlossenheit der Politik, den Arbeitsmarkt für die neuen EU-Länder schon mit 2009 zu öffnen, sind für viele Betriebe existenzgefährdend. Schließlich muss das Problem auch an den Wurzeln angepackt werden: Mehr als 10.000 Jugendliche suchen derzeit eine Lehrstelle. Während Jugendliche in Branchen gedrängt werden, die Arbeitsplätze abbauen, nehmen wir sie mit offenen Armen auf.

Joschi Sailer jun.: Leider wird es immer schwieriger qualifizierte Mitarbeiter und auch Hilfskräfte für Tourismusberufe zu finden. Es wird daher in Zukunft unumgänglich sein, auf immer mehr ausländische Arbeitskräfte zurückzugreifen.

Daniel Stock: Ob der Tiroler Tourismus über ausreichend Mitarbeiter verfügt ist schwer zu sagen, gute Mitarbeiter sind sicher nicht leicht zu bekommen, aber wir investieren - vom Inserat bis hin zum Mitarbeiterwohnhaus, sehr gutes Arbeitsverhältnis, Freizeitangebot und gute Entlohnung - einiges in unsere Mitarbeiter, damit wir sie bekommen, sie sich wohlfühlen und uns natürlich auch dem Betrieb erhalten bleiben. Um gute Mitarbeiter kämpft man genau so wie um den guten Gast. Niemand kommt von alleine.

Armin Pfurtscheller: Tirol verfügt über einen erheblichen Mangel an qualifizierten Fachkräften in allen Bereichen der Hotellerie, vor allem was österreichische Arbeitskräfte betrifft. Leider zeigen auch immer weniger Jungendliche Interesse, eine Lehre im Tourismus zu beginnen.


Wie steht es um das Image der Tourismusberufe?

Gotthard Scheiber: Besser als es die Tirolerinnen und Tiroler glauben. Ausbildung und Lehre haben ein gutes und weltweites bestes Image.

Harald Ultsch: Der Beruf Koch hat sehr gewonnen. Auch die Rezeption hat ein gutes Image. Leider wird die qualifizierte Dienstleistung unserer Servicefachkräfte von Gästen und Bevölkerung zu wenig honoriert. Weiters werden wir uns bemühen müssen, dem Housekeeping den nötigen Stellenwert zu geben

Richard Hauser: Das Image ähnlich qualifizierter Mitarbeiter in Industriebetrieben ist höher. Das kommt daher, weil Dienstleistung insgesamt zu wenig Wertschätzung erfährt. Gleichzeitig wird die Dienstleistung immer mehr gebraucht. Die Dienstleistung, somit auch der Tourismus, wird sich immer mehr zum "Bindemittel" zwischen den meisten übrigen Wirtschaftssektoren entwickeln. In Tirol durch die Führung der gleichen "Marke" in den Sparten Tourismus, Dienstleistung, Handel, Landwirtschaft, Industrie bereits gelebt.

Lieselotte Sailer: Die Tourismusberufe haben nicht gerade das beste Image. Hier gibt es noch sehr viel zu tun. Ein Problem stellen die Arbeitszeiten dar, da den Menschen
die Freizeit speziell an den Wochenenden sehr wichtig ist. Imagekampagnen wären wichtig, um vor allem den jungen Menschen die Tourismusberufe näher zu bringen.

Josef Hackl: Durch eine Reihe an Kochsendungen und Medienberichten hat der Beruf des Koch ein sehr gutes Image. Ich hätte heuer sechs Kochlehrlinge einstellen können, benötige aber nur drei. Ein Problem haben wir beim Restaurantfachmann/frau. Hier werden wir uns sehr gut überlegen müssen, wie wir diesen Beruf den jungen Menschen präsentieren und das Image so verbessern, dass wir auch wieder genügend Lehrlinge bekommen.

Josef Greil: In Tirol nicht sehr gut. Beinahe jeder Beruf - auch der Schichtarbeiter mit Kollektivlohn - hat ein besseres Image als der Tourismusberuf.

Manfred Furtner: Noch nie waren so viele Mitarbeiter und Lehrlinge im Tourismus beschäftigt. Aber das Image der Tourismusberufe braucht einen Schub; die hervorragenden Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten unserer Branche müssen stärker bewusst werden. Die regelmäßigen Untergriffe der Arbeitnehmervertretungen sind kontraproduktiv und stimmen ganz einfach nicht.

Joschi Sailer jun.: Das Image wird über die Medien sehr schlecht dargestellt. Sowohl der Lehrberuf als auch das Lohnniveau wird immer als schlecht beschrieben. Die Löhne im Tourismus sind jedoch meiner Meinung nach höher als in anderen Berufssparten. Die Aufstiegsmöglichkeiten für ehrgeizige Mitarbeiter in der Gastronomie und Hotellerie sind zahlreich vorhanden um auch in kurzer Zeit Toppositionen zu erreichen.

Daniel Stock: Das Image hat sich in den letzten Jahren deutlich gebessert und tendiert sicher zu einem sehr beliebten Berufszweig auf internationaler Ebene mit großen Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten in den verschiedenen Berufsrichtungen des Tourismus. Man muss den menschlichen Kontakt lieben und das DIENEN als eine einzigartige Aufgabe sehen.


Welche Regelung wäre für Saisoniers hilfreich?

Gotthard Scheiber: Vor allem keine straffe Regelung. Vorschlag: Jeder Betrieb soll frühzeitig seine Saisonniers am zuständigen AMS bekanntgeben und Arbeitsanfang- und Arbeitsende terminisieren. Ich verlange für das Sommer-Kontingent mehr als 2.000 Saisonniers, für das Winterkontingent mehr als 3.900 Saisonniers. Von diesen Zahlen werden wir nicht abweichen.

Harald Ultsch: Eine frühzeitige Zuteilung der Saisoniers für die Betriebe - im allgemeinen Mitte November bzw. Ende April.

Richard Hauser: Ausreichend Genehmigungen erteilen!

Lieselotte Sailer: Wenn nachgewiesen werden kann, dass offene Stellen nicht durch heimische Mitarbeiter besetzt werden können, muss es Bewilligungen für Saisoniers
geben, unabhängig davon, ob das Kontingent erschöpft ist.

Josef Hackl: Hilfreich wäre, dass die Branche nicht ständig um Saisonniers betteln muss und die Saisonniers rechtzeitig bekommt. Vernünftig wäre, das Kontingent für die Betriebe in den Tälern zum selben Zeitpunkt wie das Gletscherkontingent freizugeben.

Josef Greil: Dass sie einfach da sind, wenn man sie braucht. Ohne Bürokratie!

Manfred Furtner: Das Kontingent muss zuerst einmal rechtzeitig zur Verfügung stehen, eine Zuteilung erst im Dezember ist sowohl für Arbeitgeber als auch für die Saisoniers unpraktikabel. Es ist dann nicht nur eine Ausweitung notwendig, sondern auch eine Beibehaltung der Saisonierregelung nach der Arbeitsmarktöffnung: Viele langjährige Mitarbeiter kommen nämlich aus Ländern außerhalb der EU. Wir können mit der touristischen Entwicklung nur Schritt halten, wenn wir ausreichend Mitarbeiter haben.

Joschi Sailer jun.: Die absolute Öffnung des Arbeitsmarktes wird über kurz oder lang nicht verhindert werden können. Es schadet der Branche sehr, wenn dringend Hilfskräfte benötigt werden und keine Bewilligungen für Arbeitswillige ausgestellt werden können, da das Kontingent zu niedrig bemessen wurde.

Daniel Stock: Bei einem Ganzjahresbetrieb einen Saisonier auch das ganze Jahr beschäftigen können. Ein Saisonier, der z.B. fünf Jahre in einem Betrieb beschäftig war, sollte in das normale Arbeitsverhältnis integriert werden können.

Armin Pfurtscheller: Eine Öffnung des Arbeitsmarktes der neuen EU-Länder. Auch der Arbeitsmarkt unterliegt dem Prinzip von Angebot und Nachfrage, was meiner Meinung nach das beste Instrument für Arbeitgeber und -nehmer darstellt.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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