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Österreich braucht Tourismusoffensive

17.01.2007

Die dynamischen Veränderungen am weltweiten Tourismusmarkt erfordern eine klare Zielsetzung und eine gezielte Bündelung der touristischen Kräfte. "Österreich braucht eine Tourismusoffensive", betonen Peter Peer und Sepp Schellhorn, die Präsidenten der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Sie schlagen dafür drei parallele und miteinander vernetzte Stoßrichtungen vor: Fokussieren der Kräfte durch einen Tourismus-Masterplan, Sichern der betrieblichen und wirtschaftlichen Fitness durch wettbewerbsfreundliche Rahmenbedingungen und Mobilisieren der Kräfte durch eine Flexibilisierung der Arbeitswelt.

Dass durch touristisches Wachstum und saisonverlängernde Maßnahmen nachweisbare Beschäftigungseffekte möglich sind, beweist eine Erhebung der ÖHV. Von der neuen Bundesregierung fordern die ÖHV-Präsidenten beim Pressegespräch anlässlich des ÖHV-Hotelierkongresses 2007 eine aktive Tourismuspolitik.

"Die größte Herausforderung für die Tourismuspolitik im Jahr 2007 liegt in der Schaffung eines Tourismus-Masterplanes", sagt ÖHV-Präsident Sepp Schellhorn. Die ÖHV sei von der Notwendigkeit eines solchen Masterplanes überzeugt, denn die Internationalisierung und Erschließung neuer Fernmärkte erfordern eine koordinierte Bewerbung Österreichs, gekoppelt an eine zweckgebundene Erhöhung des Budgets der Österreich Werbung um zehn Millionen Euro jährlich. Mit den entsprechenden Mitteln zur Erschließung der Fernmärkte könnte eine Affinität zum Sommer in den Bergen hergestellt werden. Der 2006 boomende Städtetourismus in Wien und Salzburg hat die Stagnation im Sommertourismus im übrigen Österreich kompensiert und darf, auch angesichts von Klima-Szenarien, nicht darüber hinwegtäuschen, dass Alternativstrategien für "Sommer ohne Sonne" und "Winter ohne Schnee" überlegt werden müssen.

Steuerliche Entlastungen der Klein- und Mittelbetriebe (KMU), die im Tourismus 99,9 Prozent der Betriebe ausmachen, sind generell ein Must-do in der kommenden Legislaturperiode. Zu den größten Herausforderungen zählen die Abschaffung der Erbschafts-, Schenkungs- und Grunderwerbssteuer, wo bei einer eventuellen Anpassung in Richtung höherer Verkehrswerte mit einer bis zu Verzehnfachung der Übergabekosten zu rechnen wäre, und die Entlastung des Faktors Arbeit durch eine längst überfällige Senkung der Lohnnebenkosten. Große Erwartungen waren in die neue Regierung gesetzt, aber: "Es ist bei einer Ankündigungspolitik geblieben: Statt einer Senkung steigen durch die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge um 0,15 Prozent wieder einmal die Lohnnebenkosten", so ÖHV-Präsident Peter Peer.

Auch bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten besteht für den Tourismus noch Handlungsbedarf: Die vorgesehene Verlängerung des Durchrechnungszeitraums auf 24 Wochen ist für die Branche noch zu wenig, denn die Ganzjahresbetriebe brauchen eine Durchrechnung auf ein ganzes Jahr. Je flexibler die Arbeitszeit, umso professioneller können die Betriebe agieren.

Die von der neuen Regierung geplante "wachstumsorientierte Tourismusstrategie mit dem Ziel einen qualitätsvollen Ganzjahrestourismus zu forcieren" begrüßen die ÖHV-Präsidenten, fordern aber gleichzeitig eine rasche Umsetzung ein. Eine Verlängerung der Beschäftigungsdauer wäre auch mit Unterstützung des AMS möglich: durch das Kombilohnmodell, wie es die ÖHV schon vor zwei Jahren in ihrem Mitarbeitermodell "365 Tage Arbeit im Tourismus" vorgeschlagen hat.

Welche Beschäftigungseffekte durch saisonverlängernde Maßnahmen erzielt werden könnten, hat die ÖHV am Beispiel Salzkammergut analysiert: Das Nächtigungswachstum von 2004 auf 2005 aller touristischen Destinationen lag im Durchschnitt bei 1,46 Prozent, was eine Zunahme an Beschäftigten von durchschnittlich 1,1 Prozent zur Folge hatte. Nimmt man nun eine durchaus realistische Steigerung der Nächtigungen von 3 Prozent (in den Monaten September und Oktober) an, könnte demnach auch die Zahl der Beschäftigten in diesem Zeitraum um 2,26 Prozent erhöht werden. "Im Fall der Destination Salzkammergut wären das 153 zusätzliche Personen, denen die Hotellerie einen Arbeitsplatz bieten könnte", ist Schellhorn optimistisch.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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